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Bremen Eins Musik Album der Woche

Album der Woche

Mark Knopfler – Down The Road Wherever

19. November 2018

Länge: 30 Sekunden
Datum:
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Hörprobe "Nobdoy Does That" [29 Sekunden] Hörprobe "My Bacon Roll" [30 Sekunden] Hörprobe "Nobody' Child" [30 Sekunden] Hörprobe "Heavy Up" [30 Sekunden]

Mark Knopflers aktuelles Album bietet ein spannendes und gleichzeitig entspannendes Hörvergnügen voller musikalischer Hakenschläge. Knopfler eröffnet “Down The Road Wherever“ mit dem “Trapper Man“, der in einer individuellen Spielart des Americana-Sounds durch die glühende Sonne der Vereinigten Staaten zu grooven scheint. Gleich mit dem zweiten Track “Back On The Dancefloor“ nähert der Meister der sanften Beats sich Pop-Jazz-Gefilden, bevor er mit der zart bluesgetönten Ballade “Nobody’s Child“ wieder in gewohntes Fahrwasser zurückkehrt. Den waschechten Blues scheint Mark Knopfler dann mit dem autobiografisch angehauchten “Just A Boy Away From Home“ vollends eingeholt zu haben. Aber weit gefehlt: Wie aus dem Nichts schleicht sich die Melodie von “You‘ ll Never Walk Alone“ in die Bluesatmosphäre hinein. Und die nächste Kehrtwendung folgt auf dem Fuße: “When You Leave“ ist eine nachtblaue Jazzballade mit watteweichen Trompetenchorussen. Knopfler kann eben auch den Jazz.

Cool wie J.J. Cale und Eric Clapton

Mit diesen Stilwechseln geht es weiter – und dennoch bleiben alle Titel echte Knopfler-Songs. Sie werden getragen von Mark Knopflers zurückhaltendem, aber eindringlichem Gesang, von seinem eleganten Gitarrenspiel und seinem unwiderstehlichen Groove. Natürlich kann Knopfler sich in einem Song wie “Nobody Does That“ mit seiner funkigen Bläser-Section auch cool geben wie J.J. Cale oder Eric Clapton. Dies alles lässt nur einen Schluss zu: Anstatt sich mit den Dire Straits seit diesem Jahr in der Rock and Roll Hall of Fame zur Ruhe zu setzen, begibt Mark Knopfler sich weiter auf die Suche nach neuen Einflüssen, die er in seinen Songs verarbeiten kann. Das sei auch Arbeit, gibt der kreative Musiker zu:

Mark Knopfler über musikalische Entwicklung [17 Sekunden]

König des entspannten Grooves

Mark Knopfler hat schon seit langem seinen individuellen Musikstil gefunden, der einstige Kopf der Dire Straits gehört unbestritten zu den ganz Großen seines Metiers. Er hat nicht nur seine eigenen Alben produziert, sondern auch seine ebenso bedeutenden Kollegen Bob Dylan und Randy Newman als Produzent betreut. Mittlerweile hat Knopfler sich auch zu einem Star der Musik- und Social-Media-Plattformen gemausert. Denn er ist ein König des entspannten Grooves. Bei ihm bedarf es nur einiger weniger Anschläge auf seiner Gitarre und schon nehmen seine Rhythmen ihren Lauf. Dabei verliert der unprätentiöse Gitarrenvirtuose nie die Bodenhaftung:

Mark Knopfler über Songwriting [24 Sekunden]

Mark Knopfler gibt ein Konzert [Quelle: DPA, Adrian C. Nitu]

Aus der Vielfalt heraus wächst die musikalische Idee

Auf seinem neuen Album schert Mark Knopfler sich nicht um konventionelle Titellängen, fünf oder gar sechs Minuten dürfen es schon sein. Das ist schon beim Vorgängeralbum “Tracker“ so gewesen. Ein so erfahrener Musiker, wie er einer ist, stellt einfach die musikalische Idee in den Mittelpunkt seiner Songs und lässt ihr Zeit, sich zu entfalten. Mark Knopfler klingt auf seinem neuen Album auch frischer. Schon die Single “Good On You Son“ setzt da ein deutliches Signal. Daneben zündet Knopfler auf seine stille Art so manche musikalische Kerze an. So in “Slow Learner“, einer Ballade mit einem flauschigen Flügelhornsolo, die auch aus der Feder des 1980 verstorbenen amerikanischen Jazzpianisten Bill Evans hätte stammen können. ‚Warum etwas aus der Hand geben, wenn es eine unendliche Vielfalt musikalischer Möglichkeiten gibt‘, könnte Knopflers Motto als Songwriter lauten:

Mark Knopfler über musikalische Möglichkeiten [27 Sekunden]

Immer auf der musikalischen Straße unterwegs

Mark Knopfler ist schon immer ein musikalischer Reisender gewesen. Auch “Down The Road Wherever“ nimmt dieses Grundmotiv des Unterwegsseins auf. Dabei schweifen Knopflers Gedanken zurück bis in seine Jugend. Die sein aktuelles Album abschließende introvertierte Winterballade “Matchstick“ – nur seine Stimme und seine Gitarre – greift eine Geschichte auf, mit welcher er gedanklich sein Vorgängeralbum “Tracker“ eröffnet hat: Als er noch jung und belastbar und die Welt für ihn ein Ort unbegrenzter Möglichkeiten war, trampte er am Weihnachtstag von einem Gig in Penzance in Cornwall zurück nach Newcastle. Den Kopf voller Ideen und Tatendrang hatte Mark Knopfler schon damals eine genaue Vorstellung davon, was er mit seinem Leben anfangen wollte. Nun bildet diese Geschichte die Folie für einen Ausklang seines neuen Albums, wie er stiller und ungeschminkter nicht sein könnte. 

Seine Songideen springen Knopfler jedoch auch spontan an. Immer dann, wenn es zum Aufeinandertreffen zwischen den Orten, an denen er sich gerade befindet, und seinen momentanen – häufig von Büchern inspirierten - Gedanken kommt, verrät der Songwriter augenzwinkernd:

Mark Knopfler über Inspiration [12 Sekunden]

Ein eigenes Zeitempfinden

Auch mit seinem aktuellen Album habe er versucht, seine eigene Geschichte in Songs zu verpacken, stellt Mark Knopfler klar. Quasi Biografisches ist auch in die Produktion eingeflossen, ist dort doch der ehemalige Dire-Straits-Keyboarder Guy Fletcher wieder mit von der Partie. Auch Drummer Danny Cummings gehört schon seit längerem zur Dire-Straits-Knopfler-Familie. Sie alle haben für den warmen, gefühlvollen und dabei klaren Sound von “Down The Road Wherever“ gesorgt.

Mark Knopflers neues Album besitzt das Potenzial, Zeit und Raum vergessen zu lassen. Ausgedehnte Songlängen, flutende Rhythmen, weit gespannte Soundbögen, raumgebende Klangteppiche formen hier ihren eigenen Zeitbegriff. Etwas, was mittlerweile wohl auch Mark Knopflers Musikerpersönlichkeit ausmacht. Wie die sprichwörtlichen i-Tüpfelchen wirken da seine Namenspatenschaften für etwas unendlich weit Zurückliegendes wie den Dinosaurier Masiakasaurus knopfleri und etwas Zeitloses wie einen Asteroiden. Zeit unterliegt ständigem Wandel, so empfindet es der Sänger mit der unaufgeregten Stimme selbst:

Mark Knopfler über das Alter [22 Sekunden]

Knopflers musikalische Straße führt beileibe nicht in ein beliebiges Irgendwo. Ganz im Gegenteil steuert die britische Gitarrenlegende auf ”Down The Road Wherever” immer neue überraschende Ziele an. Mark Knopflers genreübergreifende Neugierde ist der nimmermüde Motor dafür. Dass dies so weitergehen möge, diesen Wunsch kann sein neuestes Werk durchaus wecken. Denn auch hier gilt einmal mehr: Der Weg ist das Ziel!

Christian Höltge

Mark Knopfler “Down The Road Wherever“
UMI/ EMI
EAN: 0602567940418
VÖ: 16.11.2018

Die Songs
TitelDauer
Trapper Man6:01
Back On The Dance Floor3'31
Nobody's Child3:17
Just A Boy From Home5:13
When You Leave4'13
Good On You Son5'38
My Bacon Roll5'36
Nobody Does That5'15
Drovers' Road5'05
One Song At A Time6'18
Floating Away5'03
Slow Learner4'34
Heavy Up6'00
Matchstick Man2'52

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 19. November 2018, 16:40 Uhr

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