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Ann Doka – "Lost But Found"

13. April 2018

In Bremen hat die aus dem Rhein-Main-Gebiet stammende Sängerin Ann Doka ihre neue Heimat gefunden und mit ihrem aktuellen Album “Lost But Found“ ein deutliches musikalisches Zeichen gesetzt. In elf überwiegend zupackenden Tracks hat die zweifache Gewinnerin des Deutschen Rock- & Pop-Preises 2017 ihre persönlichen Erlebnisse der letzten beiden Jahre zu Musik gemacht.

Was es alles mit “Lost But Found“ auf sich hat, verrät Ann Doka Bremen Eins im persönlichen Gespräch. So etwa, dass sie ihren Künstlernamen aus den Initialen ihres früheren Namens entwickelt hat und dass sie aus ganz persönlichen Gründen in die Hansestadt gezogen ist:

Ann Doka mit Musikredakteur Christian Höltge und Gitarrist Martin Olding im Studio.

Die eigenen Geschichten zu Songs gemacht

Auf ihrem 3. Album erzählt Ann Doka ihre ganz persönliche Geschichte. Ihre neuen Songs hat die Sängerin in ihrem Wohnzimmer geschrieben. Sie sind schlicht strukturiert, ohne belanglos zu klingen, denn sie werden von Ann Dokas Stimme und den vorantreibenden Rhythmen in der Spur gehalten. Die Persönlichkeit dieser ihr Leben aufmerksam betrachtenden Musikerin versteckt sich bewusst nicht hinter Klangwolken und musikalischem Lametta:

Ann Doka mag ihre Musik zupackend, sie geht gern energisch voran. Sie steht aber auch für leisere Töne, die sie in Akustik-Sets zu Gehör bringt. So endet ihr Album “Lost But Found“ auch mit dem Song “For You“ in einer Acoustic Version. „Eine Art Abspann“ nennt die Sängerin diesen Abschluss, der zum Nachdenken anregen solle. Auf jeden Fall möchte Ann Doka damit ihre musikalische Vielfältigkeit zu Gehör bringen:

Das Schubladendenken ist ihr fremd

Wer Ann Doka ausschließlich in der Country-Ecke verbuchen möchte, macht es sich zu leicht. Zu breit gestreut sind die musikalischen Impulse, welche die absolut von ihrem musikalischen Tun überzeugte Sängerin zu ihrem eigenen Musikstil verschmilzt:

Ihre Sporen als Songwriterin hat Ann Doka sich in der Musikhochburg Nashville verdient. Aber genauso, wie sich diese musikgesättigte Hauptstadt des US-Bundesstaates Tennessee vom reinen Country zu emanzipieren beginnt, hat sich auch Ann Doka auf den Weg zu ihrem individuellen Markenkern gemacht:

Aus Nashville wurde Bielefeld

Selbstverständlich haben ihre Aufenthalte in der “Music City“ Ann Doka geprägt. Für ihr aktuelles Album jedoch hat sie sich ganz auf ihre eigenen Fähigkeiten als Singer-Songwriterin konzentriert:

Diese eigenen Geschichten haben die wache Musikerin nun weg von dem musikalischen Dampfkochtopf Nashville in den östlichen Teutoburger Wald, nach Bielefeld geführt:

Sie möchte sich musikalisch nicht verbiegen

Ann Doka sieht Nashville im Rückblick durchaus als bereichernde Erfahrung. Auf Dauer kann die amerikanische Musikhauptstadt für sie aber nicht als Maß aller Dinge bestehen. Die Sängerin mit der durchaus rockigen Haltung hat sich ganz bewusst wieder von Nashville abgewandt, um sich musikalisch zu finden und Geschichten eben nicht nur zu entwerfen. Sie hat im eigenen Interesse ihr Songwriting quasi auf den Prüfstand gestellt:

Auf die überwiegend knappe Länge ihrer neuen Songs angesprochen, verrät Ann Doka augenzwinkernd, dass man ihr in Nashville beigebracht habe, dass Songs von etwa drei Minuten Länge häufiger im Radio gespielt würden. Dies habe sie beim Songwriting zwar im Hinterkopf, aber sie selbst beginne sich in der Tat zu langweilen, wenn ihre Titel zu lang würden. Schließlich könne nach drei Minuten auch alles gesagt sein. Dies Rezept geht auf, denn Ann Dokas neue Songs wirken in sich schlüssig und verzichten auf alles musikalisch Überflüssige:

Die Methode Creedence Clearwater Revival

Natürlich und handgemacht sollen ihre Songs klingen, darauf legt Ann Doka Wert. Wichtig ist für die Sängerin, die im Sommer 2017 schon auf der Breminale zu erleben war, dass nichts an ihren Songs musikalisch stört. Ihre Singstimme ist dabei Teil des Gesamtklangs, ohne sich allzu forsch in den Vordergrund zu drängen. Klar zu benennende Vorbilder kann Ann Doka nicht aufzählen. In jedem Fall sind ihre neuen Titel musikalisch zu Ende gedacht, sie nehmen ihren natürlichen Verlauf nach einer Art CCR-Methode: unkompliziert und geradeaus. Besonders gut zu hören ist diese Vorgehensweise Ann Dokas etwa in “So Did I“:

Ihre Herzthemen sollen ihre Musik prägen

Eine musikalische Weltkarriere hat Ann Doka nicht auf dem Zettel. Sie möchte ihre Musik aus der Gelassenheit der Freiwilligkeit heraus entwickeln und dabei auf jene Themen setzen, die ihr Herz ihr vorgibt. Sie besitzt eine glasklare Vorstellung von dem, was sie als Musikerin sein und erreichen möchte. Als Kommunikationstrainerin konnte sie sich ein berufliches Standbein schaffen und hat so ihr Spielbein frei für die Musik.

Ann Doka bleibt mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen verankert – und das merkt man ihrer rockigen Musik deutlich an, das macht ihre Songs auf “Lost But Found“ zu ehrlichen Statements. Solch eine musikalische Bodenhaftung tut nicht nur dem immer weiter ausufernden Popuniversum, sondern ganz einfach auch unseren Ohren gut! 

Christian Höltge

Albumdaten

Ann Doka: ”Lost But Found”
Nash Dash Records
EAN: 4260345610517

VÖ: 13. April 2017

Die Songs
TitelDauer
The Lemming Club2:57
Make Me Fall3:03
Lost But Found3:06
Talkin‘ Like Before3:06
One To Blame2:57
So Did I3:06
Dirty Birds2:58
Over You2:59
Where You Are2:47
Runnin‘3:25
For You (Acoustic Version)2:31

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 16. April 2018, 16:40 Uhr

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