Livestream

Bremen Eins Buntes

Neues Gesetz

Warum die Jagd auf Wölfe so umstritten ist

20. Dezember 2019

Künftig können Wölfe leichter abgeschossen werden, wenn sie Schafe gerissen haben. Es muss dabei nicht mehr klar sein, welcher Wolf genau ein Schaf getötet hat. Künftig dürfen Wölfe so lange gejagt werden, bis die Angriffe auf die entsprechende Nutztierherde aufhören. Zuvor allerdings müssen Jäger jeden einzelnen Abschuss genehmigen lassen.

Wolf (Canis lupus) in einem Wildpark in Süddeutschland.  [Quelle: Imago, Arnulf Hettrich]
Das Wolfsgesetz ist im Bundestag neu beschlossen worden. [Quelle: Imago, Arnulf Hettrich]

Unkontrollierte Wolfsjagd wird es künftig aber dennoch nicht geben. Wenn das Gesetz vom Bundesrat zur Kenntnis genommen ist, kann es im Februar 2020 in Kraft treten. Der Bremer Vorsitzende des NABU, Sönke Hoffmann, kritisiert die Lockerung der Regeln zum Abschuss von Wölfen und warnt vor übermäßiger Jagd auf den Wolf.

Ich fürchte, dass das passieren wird. Es ist jetzt ja nicht so, dass wir den Wölfen ausgeliefert sind und nichts tun können. Bisher war es eben ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden. Das heißt, man musste nachweisen, dass man in seiner Existenz bedroht ist. Das hat man jetzt gelockert. Das heißt, wenn sich ein Wolf oder ein Rudel drauf spezialisiert, die Zäune zu überwinden und Schafe zu reißen, dann darf man die schießen. Und unser Kritikpunkt daran: Es wird Sippenhaft gemacht. Man schießt in dem Rudel einen Wolf nach dem anderen weg und hofft, dass sich das ganze Problem dann damit erledigt.

Bremen Eins: Das ist ja nun bürokratisch organisiert, also jeder Abschuss muss vorher einzeln beantragt werden. Ist das typisch deutsch?

Bremens Nabu-Vorsitzender Sönke Hofmann [Quelle: Radio Bremen, Tammo Jans]
Bremens Nabu-Vorsitzender Sönke Hofmann [Quelle: Radio Bremen, Tammo Jans]

Hoffmann: Nein, das gehört dazu, weil der Wolf eine geschützte Art ist. Wir haben mit dem Wolf eine Art, die nicht überall vorkommt. Ich bin täglich draußen in den Grenzgebieten von zwei Rudeln und ich habe noch nie einen einzigen Wolf gesehen. Das ist immer noch ein seltenes heimisches Viech, was uns hilft, die Rehdichten runterzudrücken und das sich natürlich ernährt. Und mit welcher Begründung fordern wir von afrikanischen Staaten, sie sollen auf Elefanten, Giraffen und sonst was Rücksicht nehmen – wenn wir es nicht mal hinbekommen, den Wolf zu schützen.

Bremen Eins: Der NABU begrüßt offziell das Gesetz – dabei hatte der Verband ja im Frühjahr noch eine Peitition unterstützt "Hände weg vom Wolf". Was ist das für ein Sinneswandel?

Hoffmann: Der Sinneswandel fand erstmal beim Gesetzgeber statt – der hat den größten Unfug rausgestrichen. Der wollte alles Mögliche reinnehmen und die Ehrheblichkeitsschwelle auf null setzen. Da hätte ein Gartenteichbesitzer sagen können: "Da ist jetzt ein Eisvogel vorbeigekommen, der muss geschossen werden, weil der mir einen Goldfisch geklaut hat. Das ist alles raus, aber es gibt noch Kritik – der Schwerpunkt liegt aber auf dem Herdenschutz. Das heißt: Wenn ich Schafe halte, muss ich mich um meine Tiere kümmern. Ich hatte jetzt 200 Jahre das Glück, dass ich drauf bauen konnte, es gibt keinen Wolf. Aber jetzt gibt es ihn wieder und da muss ich mich drauf einstellen. Und zwar seit 20 Jahren.
Das Problem ist nämlich, wenn ich meine Schafe nur mit einer einzelnen Litze schütze – was kein Schutz ist! – und der Wolf sich erstmal dran gewöhnt, dass Schafe lecker schmecken und nicht Rehe oder Hirsche oder was er sonst draußen erbeutet, dann füttere ich den Wolf damit direkt an. Und das passiert in den Bundesländern, in denen der Wolf einwandert. Da lernt der Wolf dann bei nicht ausreichendem Schutz, "hey, das ist ein leichte Beute."

Bremen Eins: Ist denn dieses Gesetzt eines, das Tierschützer und Tierhalter miteinander versöhnen wird?

Hoffmann: Ob es da Versöhnung gibt... das ist emotional natürlich ein fieser Moment, wenn Du auf die Weide kommst und da liegen etwa 20 Schafe und die Hälfte lebt noch... der Rest ist dahingemetzelt und tot und wahrscheinlich vom Wolf gerissen. Aber es nimmt den schlimmsten Wolfsgegnern erstmal den Wind aus den Segeln. Wir haben auch illegale Abschüsse nach der Drei-S-Methode: Schießen – schaufeln – schweigen.

Warum die Wolfsjagd so umstritten ist [3:49 Minuten]

Buntes
Mehr in der Rubrik "Buntes"