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Bremen Eins Buntes

Hilfe für Hundehalter

Martin Rütter beantwortet Ihre Fragen

1. November 2019

Warum ist mein Hund immer in einer bestimmten Situation aggressiv? Wie bringe ich ihn dazu, nicht aufs Sofa zu springen, oder wie kann ich ihn ein paar Pfunde abspecken lassen? Fragen über Fragen, die Hundeexperte Martin Rütter einmal wöchentlich auf Bremen Eins beantwortet.

Martin Rütter [Quelle: Alex Stiebritz]
Martin Rütter beantwortet Ihre Fragen auf Bremen Eins. [Quelle: Alex Stiebritz]

Martin Rütter gibt mittwochvormittags Tipps für Hundefans, 10:15 Uhr | Bremen Eins

Bisherige Fragen und Antworten

Lars Schröder aus Worpswede hat folgendes Problem: "Meine Hovawart-Mischlingshündin "Smilla" kann nicht alleine bleiben, sie bellt dann durchgehend und zeigt weitere Stress-Symptome. Ihr reicht dann meist auch nicht die Gesellschaft von Hunden, es muss ein Mensch sein. Was kann ich tun?"

Lars Schröder aus Worpswede hat folgendes Problem: "Meine Hovawart-Mischlingshündin "Smilla" kann nicht alleine bleiben, sie bellt dann durchgehend und zeigt weitere Stress-Symptome. Ihr reicht dann meist auch nicht die Gesellschaft von Hunden, es muss ein Mensch sein. Was kann ich tun?"

Autor/-in: Martin Rütter
Länge: 1:56 Minuten
Datum: Mittwoch, 26. Februar 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Martin Rütter erklärt, wie man dem Hund das Bellen abgewöhnt, wenn man geht! Martin Rütter beantwortet Ihre Fragen

Martin Rütter: Die Bezeichnung Hovawart bedeutet Hofwächter. Die Rasse ist sehr territorial veranlagt. Die Hunde übernehmen sehr häufig die komplette Verantwortung für ihre Familie und haben sie auch gern unter Kontrolle. Das, was wir hören, ist ganz typisch: Der Hund hat gar keinen Stress alleine zu sein, sondern der braucht irgendjemand, auf den er aufpassen kann. Deshalb hilft auch nicht der Hund, sondern irgendein Mensch muss da sein. Es ist sehr kompliziert, und es ist nicht einfach zu trainieren, aber man muss dem Hund klarmachen: "Ich komme auch ohne dich wunderbar klar!" Darum müssen Sie in kleinen Schritten vorgehen.

Also gehen Sie oft hinaus: Ganz oft anziehen, rausgehen, reinkommen… Vermeiden Sie dabei aber Verabschiedungsszenarien und halten Sie bitte auf gar keinen Fall Begrüßungsrituale ab. Denn der Hund merkt dann: "Oh Gott, die sind aber selber sehr aufgeregt. Zu Anfang wird es bei Smilla gar nicht funktionieren, sie wird trotzdem bellen. Viele Menschen denken, wenn sie zurückkommen und der Hund bellt, ist er doch verstärkt worden und hat auch das, was er wollte, bekommen – nein, hat er nicht! Denn Smilla möchte Aufmerksamkeit und nur durch wieder Zurückkommen wird das nicht bestärkt.

Trick: Hundespielzeug mit gefrorenem Futter

Einen kleinen Kniff würde ich bei Smilla anwenden: Es gibt einen "Kong", das ist ein Gummispielzeug, das man mit Nahrung füllen kann. Den würde ich mit Dosenfutter füllen und einfrieren. Diesen Kong bekommt Smilla, wenn sie alleine bleiben soll. Sie kann dann daran lecken und kauen und wird auch ein bisschen abgelenkt. Das bringt den Hund raus aus diesem Stressthema. Damit könnte man den ersten Einstieg starten. Halten Sie durch, das ist viel Arbeit!

Uwe Bruns aus Findorff hat Probleme, seinen Hund im Fahrradkorb mitzunehmen:

Martin Rütter erklärt, wie man dem Hund den Fahrradkorb schmackhaft macht [1:22 Minuten]

Martin Rütter: Wenn man einen kleinen Hund hat, macht es natürlich Sinn, ihn an einen Korb zu gewöhnen, der am Fahrrad befestigt wird. Aber wenn der Hund sagt: "Mmh, das Körbchen finde ich komisch!" – d

ann bitte nicht am Fahrrad starten, sondern dieses Körbchen erst mal zunächst zu Hause etablieren. Das heißt, jeden Tag steht dieses Körbchen herum. Es kommen ein paar Lieblingsleckerchen hinein. Der Hund kann in den Korb hineinklettern und kann sich darin wohlfühlen. Er kann darin ein Schweineohr kauen und wieder rausgehen. Also bringen Sie nicht das Fahrradkörbchen sofort an, sondern etablieren Sie es erst mal zu Hause als Ruhestätte. Das kann gerne auch mal drei, vier, fünf Wochen dauern. Sodass der Hund von sich aus und alleine in der Wohnung gerne im Körbchen liegt. Und wenn man das geschafft hat, erst dann geht es ans Fahrrad.

Uwe Maurer aus Blender im Kreis Verden fragt: Mein Hund hält immer einen großen Abstand zwischen uns beiden und kommt nur zögerlich näher zu mir. Wie kann ich das Verhalten ändern?

Uwe Maurer aus Blender im Kreis Verden fragt: Mein Hund hält immer einen großen Abstand zwischen uns beiden und kommt nur zögerlich näher zu mir. Wie kann ich das Verhalten ändern? Auf die Hörerfrage gibt Hundeprofi Martin Rütter Antwort.

Autor/-in: Martin Rütter
Länge: 1:07 Minuten
Datum: Mittwoch, 27. November 2019
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Martin Rütter: Wenn ein Hund ein bisschen zögerlich, ein bisschen ängstlich ist, dann ist es immer wichtig, ihm nicht frontal zu begegnen und auch nicht von oben. Also wenn man einem solchen Hund gegenübersteht und beugt sich noch über ihn, dann wird dieser immer mehr Unsicherheiten entwickeln. Hier ist es ratsam, in die Hocke zu gehen und sich seitlich zu drehen, sodass der Hund die Möglichkeit hat, sich von der Seite zu nähern. Es hilft natürlich auch immer, eher ruhig zu sein, nicht so offensiv, nicht laut, den Hund mal schnüffeln lassen und Kontakt aufnehmen. Dann wird der Hund sich sehr schnell daran gewöhnen: "Okay, dieser Mensch ist nicht bedrohlich!"

Was man unterstützend und begleitend machen kann, ist,

einen solchen Hund nur aus der Hand zu füttern – also dass es keine festen Mahlzeiten gibt oder der Hund seine Nahrung aus dem Napf oder einem Trog bekommt. So wird wirklich jeder Kontakt zum Menschen mit Futter positiv verstärkt.  Entscheidend ist aber die Körpersprache.

Burkhard Sackmann aus Brockel im Kreis Rotenburg fragt: Hallo Herr Rütter, unsere sieben Monate alte Golden Doodle Hündin kann schon viele Grundkommandos sehr gut, der Rückruf klappt, wenn wir allein sind auch, selbst in der Feldmark bei Ablenkung. Aber sowie andere Personen zum Beispiel an der Straße oder am Grundstück sind, läuft sie zur Begrüßung dort hin. Auf den Rückruf, auch mit Hundeflöte, reagiert sie erst nach Begrüßung. Einigen Fahrradfahrern läuft sie auch gerne mal hinterher. Sie ist dabei ohne jegliche Aggression, was uns aber trotzdem unangenehm ist! Warum macht sie das, und wie gewöhne ich ihr das ab?

Martin Rütter über die Pubertät von Hunden [1:24 Minuten]

Martin Rütter: Hier liegt ganz klar der Schlüssel in dem Alter: Der Hund ist jetzt sieben Monate alt, sprich die Pubertät schießt ein, und genau in dieser Phase sind Hunde wahnsinnig neugierig und erkunden die Welt noch mehr. Ein ganz junger Hund – drei, vier Monate alt – ist sehr empfänglich für seinen Menschen und eher ganz stark fixiert auf die Familie. Aber mit sieben Monaten startet das sogenannte Explorationsverhalten. Das bedeutet, die Hunde erkunden die Welt, und alles wird wichtiger als der eigene Mensch. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, dass dieser sieben Monate alte Hund erst zurückkommt, nachdem er die Menschen abgeschnüffelt und Kontakt hatte. Das bedeutet, in dieser Phase sollte der Hund möglichst häufig an einem Brustgeschirr und einer Schleppleine sein. Dann kann man nämlich Einfluss nehmen. Dadurch kann man trainieren: "Schau mal, da ist etwas, was du spannend findest. Du kommst aber erst einmal nicht dran. Wenn Du aber zu mir zurückkommst und Dir Deine Belohnung abholst, dann darfst Du im zweiten Schritt die Verlockung mal ganz genau anschauen!" Also im Grunde dreht man die Reihenfolge um: Erst Kontakt zum eigenen Menschen – dann Kontakt nach außen. Und versprochen: das Schöne an der Pubertät – sie geht vorbei.

Jana Lehmann aus Bremen-Vegesack fragt: "Gibt es schwer erziehbare Hunde? Also Hunderassen, die von Natur aus nicht hören wollen?"

Martin Rütter über die Erziehbarkeit von verschiedenen Hunderassen [1:21 Minuten]

Martin Rütter antwortet: Im Grunde kann man sagen, dass Hütehunde, wie Border-Collies, Australian Shepherd oder Bearded-Collies darauf gezüchtet wurden, mit den Menschen zu kooperieren und dadurch natürlich leichter zu erziehen sind. Denn die bringen es genetisch schon mit, kooperieren zu wollen. Trotzdem ist es jetzt ein Irrglaube zu sagen: "Na ja, dann hole ich mir so einen Hund. Mit dem ist es leichter!" Gerade diese Hunde wollen und müssen wahnsinnig intensiv beschäftigt werden, und das können die wenigsten Leute leisten. Deshalb kann man also nicht sagen, dass der leicht erziehbar ist. Im Umkehrschluss ist natürlich ein Hund, der auf Eigenständigkeit gezüchtet wurde, als Beispiel ein sogenannter Herdenschutzhund, wie ein Kangal oder ein russischer Owtscharka, dafür gemacht, ganz alleine eine Herde zu bewachen und sie zu beschützen. Dass der nicht besonders einfach zu erziehen ist, ist ja klar. Der wird sich bei jedem Signal oder Kommando eines Menschen fragen: "Wozu brauche ich das eigentlich!"

Aber grundlegend, wenn ich mal von ein paar wenigen Ausreißern absehe, ist es schon immer möglich, einen Hund zu erziehen. Die Menschen sagen immer nur sehr gern:

'Ach ja, ich habe die Rasse sowieso, die ist besonders schwer zu erziehen – oder mein Hund ist ganz besonders kompliziert!' Ich muss leider sagen, dass es meistens an den Menschen liegt.

Live war Martin Rütter mit seiner Show am 28. Februar 2020 in Bremerhaven zu sehen, präsentiert von Bremen Eins.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Montag, 4. November 2019, 8:25 Uhr

Martin Rütter in Bremerhaven Youtube: Martin Rütter bei 3nach9
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