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Bremen-Eins-Interview

Was Sie über Corona wissen sollten

13. März 2020

Viele Menschen sind durch die Ausbreitung des Coronavirus besorgt und sind bei vielen Details ratlos. Wir sprachen mit dem Bremer Virologen Prof. Dr. Andreas Dotzauzer. Er gibt Antworten auf Fragen, wie zum Beispiel: "Kann ich ältere Menschen noch im Altenheim besuchen, wann bin ich eine Kontaktperson, und wer zählt zu Risikogruppen?"

Viele Menschen sind durch die Ausbreitung des Coronavirus besorgt und sind bei vielen Details ratlos. Wir sprachen mit dem Bremer Virologen Prof. Dr. Andreas Dotzauzer. Er gibt Antworten auf Fragen wie, kann ich ältere Menschen noch im Altenheim besuchen, wann bin ich eine Kontaktperson und wer zählt zu Risikogruppen?

Autor/-in: Andreas Schnur
Länge: 4:45 Minuten
Datum:
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Bremen Eins: Wer sind Kontaktpersonen?

Andreas Dotzauer: Kontaktpersonen sind die Leute, die mit einer Person, die infiziert ist, in direktem Kontakt waren. Also gegegübersaßen, gegenüberstanden, möglicherweise die Hände geschüttelt haben, sich in den Arm genommen haben, Küsschen ausgeteilt haben – es ist natürlich eine große Grauzone. Viele Leute fragen sich, bin ich schon Kontaktperson, wenn ich mit einer solchen Person im gleichen Raum war?

Bremen Eins: Nun ist ja häufig die Rede davon, dass wir zwar eine bestimmte Anzahl von Infizierten kennen, aber dann fällt auch immer gleich der Begriff Dunkelziffer. Also es kann durchaus sein, dass eine Menge Leute durch die Gegend rennen, die infiziert sind und es möglicherweise gar nicht wissen. Ist das so?

Andreas Dotzauer: Das ist so. Die momentane Situation ist so, dass 80 Prozent der Infizierten keine bis schwache Symptome zeigen, das heißt sie wissen gar nicht, dass sie krank sind. Und man sieht es ihnen natürlich auch nicht an, dass sie krank sind. Und hier ist die große Gefahr: Sie sind infiziert und scheiden Viren aus, die natürlich übertragen werden und Krankheiten verursachen können.

Bremen Eins: Das heißt also, auch Leute, die keine Symptome spüren, sind genauso ansteckend wie solche, die Fieber haben und Husten?

Andreas Dotzauer: Das ist richtig. Wobei Sie eher auf Abstand gehen, wenn Sie sehen, dass die Personen krank sind.

Bremen Eins: Der Bremer Senat hat beschlossen, Kitas und Schulen zu schließen, die Niedersachsen haben das auch getan. Da gibt es bestimmt viele Großeltern, die sich anbieten, ihren Kindern oder den Kindeskindern helfen zu wollen. Wie ratsam ist so was?

Andreas Dotzauer: Überhaupt nicht, denn das ist eine besonders gefährliche Situation. Denn ab einem Alter von 50 Jahren steigt drastisch die Gefahr an, dass Sie die Krankheit entwickeln. Das liegt zum einen daran, dass man mit zunehmendem Alter ein schwächeres Immunsystem besitzt, aber auch gewisse Vorerkrankungen hat, hoher Blutdruck, Kreislaufprobleme, eventuell Diabetes – und diese Personen sind dann besonders gefährdet, sich anzustecken und auch die Krankheit zu entwickeln. Und deswegen diese Situation:

Kinder, die infiziert sind, sind schwache Symptomträger. Also man sieht es ihnen nicht an. Kinder werden kaum krank, aber sie übertragen nichtsdestotrotz das Virus, wenn sie infiziert sind.

Bremen Eins: Also den Besuch bei Opa und Oma im Altenheim…

Andreas Dotzauer: … sollte man lassen.

Bremen Eins: Wenn ich mich mit dem Corona-Virus infiziert habe, bin ich dann immun, wenn ich die Krankheit hinter mir habe? Oder kann man sich an Covid 19 mehrfach anstecken?

Andreas Dotzauer: Wir hoffen, dass tatsächlich dann eine Immunität eintritt, dass Sie es nicht wieder bekommen. Aber es liegen Meldungen vor, die darauf hindeuten, dass Personen, die infiziert waren und zwischendurch auch tatsächlich nicht mehr infiziert waren und bei denen das Virus nicht mehr nachgewiesen werden konnte, sich neu infiziert haben. Wie verlässlich das ist, kann ich nicht sagen.

Bremen Eins: Das klingt ein bisschen so, dass man über den Erreger und das, was er anrichtet, noch nicht alles weiß.

Andreas Dotzauer: Nicht nur nicht alles – man weiß eigentlich sehr wenig. Erstens sind Coronaviren sehr wenig erforscht – und zum anderen kommt hinzu, dass es eine neue Variante ist, über die wie so gut wie gar nichts wissenschaftlich wissen.

Bremen Eins: Womit rechen Sie denn? Wann wird es einen Impfstoff geben? Wann kann man weite Teile der Bevölkerung durchgeimpft haben?

Andreas Dotzauer: Die Impfstoffentwicklung gegenüber Viren ist extrem schwierig. Wir kennen ungefähr 1.500 Krankheitserreger und haben ungefähr 20 bis 25 Impfstoffe. Das hat seinen Grund, warum das so wenige sind.

Also eine Impfstoffentwicklung dauert Monate bis zu einem Jahr. Also sehr schnell wird kein Impfstoff kommen.

Das Gespräch führte Bremen-Eins-Moderator Andreas Schnur.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 15:15 Uhr

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