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Interview

Bremens Bürgermeister zu den neuen Ausgangsregeln

23. März 2020

Warum die neuen Verhaltensregeln in Bremen vorgegeben wurden, erklärt Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte im Interview mit Britta Uphoff. Dabei sprach er unter anderem auch über die Konsequenzen für Menschen, die sich nicht daran halten und wie er selbst mit der Situation umgeht.

Warum die neuen Verhaltensregeln in Bremen vorgegeben wurden erklärt Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit Britta Uphoff im Interview. Dabei sprach er unter anderem auch über die Konsequenzen für Menschen, die sich nicht daran halten und wie er selbst mit der Situation umgeht. Das ganze Interview finden Sie hier!

Länge: 8:07 Minuten
Datum: Montag, 23. März 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

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Bremens Bürgermeister zu den neuen Ausgangsregeln

Bremen Eins: Bund und Länder haben neue Schritte beschlossen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Die Regeln gelten erstmal für zwei Wochen. Darüber sprechen wir mit Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Herr Bovenschulte, es wurde unter anderem beschlossen, dass man nur noch zu zweit nach draußen darf. Was heißt das für das Land Bremen?

Andreas Bovenschulte: Erstmal bin ich froh, dass wir eine einheitliche Linie haben bei Bund und Ländern. Wir haben ein weitreichendes Kontaktverbot beschlossen… was allerdings die Rechtslage, die wir in Bremen haben, allerdings nur konkretisiert. Konkret heißt das: Wenn Menschen nach draußen gehen, dürfen sie es nur allein oder im Kreis der Familie. Oder wenn es andere sind, dann ist die maximale Personenzahl zwei. Das wollen wir allerdings auch, dass man rausgeht und frische Luft schnappt, mit dem Rad fährt oder auch mal joggen geht.

Bremen Eins: Warum sind nicht alle Länder Bayern gefolgt....da sind die Regelungen ja deutlich strenger, da dürfen ja nur noch Familie oder der gemeinsame Hausstand zusammen raus. Jetzt könnte ich mich ja theoretische drei Mal am Tag mit einer anderen Person treffen. Da wird's ja doch schnell unübersichtlich.

Andreas Bovenschulte: Wesentlich strenger ist es in Bayern nicht. Die Regelungen dort sind in der Praxis weitgehend die gleichen, wie wir sie haben. Und man muss natürlich auch deutlich machen, das, was wir beschlossen haben, auch durchhalten. Nehmen Sie mal an, sie haben jemanden, die 70 oder 75 ist und am Nachmittag einen Spaziergang machen möchte und die nebenan wohnende 70-Jährige bittet, zusammen mit ihr rauszugehen, weil sie sich alleine nicht traut – wollen Sie das unmöglich machen? Dann würden Sie die Menschen in ihren Wohnungen einsperren und das wäre eine sehr gravierende Situation weil wir das ja länger durchhalten müssen, was wir beschlossen haben.

Bremen Eins: Was passiert, wenn man sich nicht an diese Auflagen hält? Wenn da doch wieder Rudel am Osterdeich sitzen und es sich gemütlich machen?

Andreas Bovenschulte: Ich setzte zunächst auf die Vernunft und die Einsicht der Gesellschaft...da soll nicht hinter jedem Baum ein Polizist stehen. Wir müssen uns im Interesse aller an die Regeln halten. Aber wer nicht hören will, muss fühlen. Das sind nicht irgendwelche Richtlinien sondern knallharte Regeln. Und wer erwischt wird dabei, gegen diese Regeln zu verstoßen, der wird mit allem, was der Rechtsstaat hergibt, dann auch zur Rechenschaft gezogen. Und da kann ich versprechen, da werden wir nicht zimperlich sein.

Bremen Eins: Wenn Menschen sich nicht daran halten und in größeren Gruppen unterwegs sind oder sich nicht nur innerhalb der Familie bewegt… dann gibt's Konsequenzen. Was für welche? Finanzielle Strafen?

Andreas Bovenschulte: Lassen Sie mich vorwegschicken: Die meisten Bremerinnen und Bremer halten sich vorbildlich an die Regeln. Und die sind bereit, niemanden zu gefährden, Eltern, Omas, Opas und so weiter...da muss ich mich bedanken für die Einsicht. Das macht Mut, auch eine Stimmung zu bekommen, wo man aufeinander achtet. Wo sich die Einsicht durchsetzt, räumliche Distanz ist soziale Nähe.

Wenn's dann eine kleine, nicht belehrbare Minderheit gibt, dann heißt es auch mit allen Mitteln des Ordnungsrechts vorzugehen. Dann kann es heftige Geldstrafen geben, und da kann ich versprechen, die werden auch nicht erlassen. Da muss man ganz deutlich sagen, wo sind die Grenzen. Aber insgesamt brauchen wir ein Klima des Vertrauens und nicht das Klima der Angst und Bedrohung. Die Menschen machen sich Sorgen. Das muss man Ernst nehmen, dagegen setzen wir die Kraft der Gemeinsamkeit und der Vernunft.

Bremen Eins: Jeder sollte also auf sich selbst hören und es umsetzen. Die neuen Regeln gelten nun erstmal für zwei Wochen. Was passiert eigentlich danach?

Andreas Bovenschulte: Wir gucken jetzt erstmal, wie die Maßnahmen wirken, das dauert ja eine Zeit...wir gucken, wie sich das in den nächsten Tagen entwickelt. Das Ziel ist natürlich, den Trend des Anstiegs der Infektionsrate zu brechen und die Ausbreitung der Infektionen zu verlangsamen....wenn nicht zu stoppen. Dann muss man gucken, wie man mit der Situation weiter umgeht. Dann haben wir aber erst die Hälfte des Weges geschafft.

Bremen Eins: Seit gestern ist ja auch die Kanzlerin in häuslicher Quarantäne....wie arbeiten Sie denn eigentlich ?Wie schützen Sie sich? Sie sind ja nach wie vor unterwegs.

Andreas Bovenschulte: Ich reduziere die direkten Kontakte so weit wie möglich. Was natürlich blöde ist, denn in so einer Situation möchten die Leute ja, dass der Bürgermeister auch physisch präsent ist. Aber das geht jetzt nur eingeschränkt. Wir müssen uns im Rathaus auch an die Regeln halten...und das heißt so viele Termine wie möglich absagen, virtuell präsent sein. Aber wie Angela Merkel mit der Situation umgeht zeigt doch: 1. Virus macht vor niemandem Halt. Und zweitens: Wenn einem etwas passiert, dann geht man nüchtern damit um, hält sich an die Regeln und dann werden sich die Dinge auch wieder ändern. Und das ist die Botschaft, die wir gerade alle brauchen. Entschiedenheit und Besonnenheit.

Das Gespräch führte Bremen-Eins-Moderatorin Britta Uphoff

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 23. März 2020, 7:45 Uhr

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