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Bremen Eins Buntes

Bremen-Eins-Interview

Bremens Bürgermeister und die Corona-Krise

13. März 2020

Bremen in Zeiten des Corona-Virus: Die Menschen suchen Rat und klare Entscheidungen. Im Studio ist Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Bevor der Poliltiker antwortet, hätte ich eine Frage an den Bürger Bovenschulte, weil die Dinge mit einer Geschwindigkeit ins Rutschen geraten – dass es anders ist als das, was wir so kennen. Wie gemischt sind Ihre Gefühle angesichts der Situation im Moment?



Bovenschulte: Ich merke natürlich auch Veränderungen. Meine Haltung ist eine andere als noch vor zwei Wochen, ich merke das auch in meinem Umfeld: Es wird jetzt nicht mehr gewitzelt oder deutlich weniger gewitzelt über Corona. Und ich merke auch viel stärker Verhaltensänderungen im eigenen Bereich. Das ist nicht nur das Händeschütteln, sondern das ganz bewusste Entscheiden, wo gehe ich noch hin, wo muss ich hin, was kann ich sein lassen, regelmäßiges Händewaschen... all das, was man so liest – und dann sinkt es richtig ins Alltagsleben ein. Und das ist ja ein Prozess, der bei ganz vielen Menschen stattfindet.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte sprach mit Lutz Hanker über Maßnahmen und Entscheidungen im Umgang mit der Pandemie ausgelöst durch den Coronavirus. Das Interview können Sie hier noch einmal hören.

Länge: 8:46 Minuten
Datum:
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Bremen Eins: Wir müssen uns von vielen Gewohnheiten erstmal verabschieden, so sieht es jedenfalls aus. Aber wo ist die Grenze, auf wie viel muss man, darf man, soll man verzichten – und was ist das Gebot der Stunde? Geht es um Solidarität?

Bovenschulte: Wir haben gestern im Kanzleramt mit den führenden Experten in Sachen Corona zusammengesessen, und die haben uns zwei Sachen mit auf den Weg gegeben: 1. Deutschland ist – auch im Vergleich – relativ gut aufgestellt, um mit der Corona-Krise umzugehen. Und 2.: Jetzt müssen sehr besonnene, aber auch sehr deutliche Entscheidungen getroffen werden. Klare Vorgaben haben wir gemacht. Zum Beispiel, dass Bremen als eines der ersten Länder die Empfehlung des Bundesgesundheitsministers aufgegriffen hat, keine Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern stattfinden zu lassen, wir haben eine Corona-Ambulanz eingerichtet, wir haben eine Hotline eingerichtet. Aber jetzt muss es weitergehen, deshalb haben wir auch beschlossen, dass jetzt auch bei Veranstaltungen mit weniger als 1.000 Besuchern alles, was nicht unbedingt notwendig ist für die Aufrechterhaltung von Staat und Gesellschaft, nicht stattfinden soll. Die Hauptaufgabe ist, die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus zu verlangsamen.

Bremen Eins: Was die Leute auch wollen, sind klare und einheitliche Entscheidungen. Nun leben wir in einem föderalen Land... jedes Bundesland entscheidet anders. Das Saarland ist schon vorgeprescht und hat die Schulschließungen verkündet. Wann ist zu erwarten, dass Bremen den Beschluss verkündet, dass Schulen und Kindergärten dichtmachen?

Bovenschulte: Wir werden das um 10 Uhr in der Senatssitzung beraten. Es zeichnet sich ab, dass die Schulen geschlossen werden, aber wir sind da in enger Abstimmung mit Niedersachsen. Denn es ist natürlich nicht akzeptabel, wenn Niedersachsen und Bremen da in unterschiedlicher Art und Weise vorgehen.

Bremen Eins: Wie war die Stimmung im Kanzleramt bei der Sondersitzung zur Corona-Situation?

Bovenschulte: Die Stimmung war natürlich von großem Ernst geprägt, und da wird um die richtige Linie gerungen, findet man eine einheitliche Linie. Alles in Anwesenheit der Experten, die aber natürlich sagen, die politische Entscheidung müssen die Organe treffen, die Politiker – und das ist die Aufgabe, der wir uns stellen müssen.

Bremen Eins: Es geht ja darum, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Das gilt natürlich ganz besonders für die Krankenhäuser: Wie gut sind die hier in Bremen vorbereitet?

Bovenschulte. Ich kann sagen, dass zum Beispiel die Zahl der Intensivbetten in Bremen im Bundesdurchschnitt relativ hoch ist... das überrascht nicht in einer Großstadt. Aber natürlich müssen konkrete Maßnahmen getroffen werden, um die Krankenhäuser auf die Situation einzustellen. Deswegen haben wir beschlossen, dass – soweit medizinisch vertretbar – planbare Operationen verschoben werden, damit die Kapazitäten für die Behandlung der Erkrankten der Corona-Pandemie zur Verfügung stehen.

Bremen Eins: Es gibt viel Kritik über überfüllte Ambulanzen, über holpriges Corona-Management: Wie muss da nachgebessert werden?

Bovenschulte: Wir haben einen Krisenstab eingerichtet, wir haben ein Bürgertelefon eingerichtet unter 115, über das alle Informationen verfügbar sind, und alle Informationen sind auch über das Internet verfügbar. Was die Corona-Ambulanz angeht: Wir haben eine, das ist nicht überall so. Wenn es aber so ist, dass Dutzende Patienten diese Ambulanz zu einem Zeitpunkt aufsuchen, dann lassen sich Wartezeiten nicht vermeiden. Wir gucken uns das aber an und prüfen, ob wir die Kapazitäten erweitern könnten.

Bremen Eins: Viele sind ja auch wirtschaftlich betroffen, von dem was passiert. Wenn man an Italien denkt, das mag man sich gar nicht ausmalen, wenn so etwas hier möglicherweise auch noch passiert. Wie greifen Sie wirtschaftlich betroffenen Unternehmen, Betrieben, Besitzern von zum Beispiel Restaurants, Kinos unter die Arme?

Bovenschulte: Ganz klar ist, dass die Entwicklung wirtschaftliche Auswirkungen hat und haben wird. Wir ergreifen Maßnahmen, es wird ein Gesetz verabschiedet, das den Bezug erleichtert von Kurzarbeitergeld, eine ganz wichtige Maßnahme, um auf Ausfälle reagieren zu können und damit die Menschen trotzdem ihren Lebensunterhalt sichern können. Natürlich müssen wir auch überlegen, wie wir besonders betroffenen Branchen unter die Arme greifen können. Das ist eine Aufgabe, vor der wir stehen, aber ich kann nur unseren Bundesfinanzminister Olaf Scholz zitieren, der gesagt hat: "Die Möglichkeiten des Bundes sind richtig gut, da gibt es ein hohes Maß an Rücklagen." Und gemeinsam werden es Bund und Länder schaffen, auf einen wirtschaftlichen Einbruch durch die Corona-Krise zu reagieren.

Bremen Eins: Also Geld, das ja in Bremen knapp ist, steht dafür trotzdem bereit?

Bovenschulte: Ganz klar: Priorität hat der gesundheitliche Schutz der Bevölkerung. Und der wird nicht am Geld scheitern.

Das Gespräch führte Bremen-Eins-Moderator Lutz Hanker

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 7:45 Uhr

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