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"Polarstern" aus Bremerhaven

Schiff bringt 70 Millionen Jahre alte Proben mit

20. April 2017

Das Forschungsschiff "Polarstern" ist am Donnerstagmorgen von einer Forschungsreise nach Bremerhaven zurückgekehrt. Die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) waren in der Antarktis, um mehr über den steigenden Meeresspiegel zu erfahren. Am Wochenende können Interessierte zum "Open Ship" an Bord kommen.

Die Polarstern an der Kaje der Lloyd-Werft Bremerhaven [Quelle: Radio Bremen, Boris Hellmers]
Die Polarstern liegt seit Donnerstag in Bremerhaven. Am Wochenende hat sie für alle Interessierten "Open Ship". [Quelle: Radio Bremen, Boris Hellmers]

Diese Fahrt der "Polarstern" war eine Reise in die Vergangenheit. Bis zu 70 Millionen Jahre alt sind die Bodenproben, die die Geophysiker mitgebracht haben. Noch nie zuvor wurden so alte Sedimentschichten angebohrt. Die Forscher suchten nach einer Vorlage für den aktuellen Klimawandel. Die Ablagerungen stammen aus einer Zeit, in der die Antarktis noch nicht zugefroren war, so Expeditionsleiter Karsten Gohl.

Panorama-Ansichten von der "Polarstern" (für Desktop-Ansicht):
360 Grad: Hier geht es an Bord 360 Grad: Der Eingangsbereich 360 Grad: Das Arbeitsdeck 360 Grad: Auf der Brücke 360 Grad: Ein Ladedeck im Innern des Schiffs 360 Grad: Blick über das Hafengebiet vom Deck

AWI-Wissenschaftler Thomas Ronge mit einer Sedimentprobe [Quelle: Radio Bremen, Dirk Bliedtner]
AWI-Wissenschaftler Thomas Ronge mit einer Sedimentprobe. [Quelle: Radio Bremen, Dirk Bliedtner]

Expedition in die Amundsensee

Die Expedition führte die "Polarstern" in die Amundsensee westlich der Antarktis. In den AWI-Laboren an Land in Bremerhaven ist schon alles für die Ankunft der Boden- und Gesteinsproben aus dem ewigen Eis. Darauf wartet auch AWI-Wissenschaftler Thomas Ronge sehnsüchtig. "Ich interessiere mich dafür, wie warme Ozeanströmungen das Schelfeis und die Gletscher seit dem Ende der Eiszeit abgeschmolzen haben."

Warum wechselt die Temperatur so schnell?

In den kommenden Tagen werden die vielen Proben von der "Polarstern" in die Labore des Instituts gebracht. "Dann beginnt auch sofort die Auswahl der Sedimente, mit denen wir arbeiten wollen", erklärt Ronge weiter. Sie wollen dann weiter daran forschen, warum es heute das Tempo des Temperaturwechsels so hoch ist.

Einen Wechsel zwischen Warm- und Kaltzeiten hat es immer gegeben, Gletscher sind entstanden und abgetaut. Aber das ist niemals mit der Geschwindigkeit vonstatten gegangen wie heute. Das ist auf jeden Fall erschreckend.

AWI-Forscher Thomas Ronge

Neue Bohrtechnologie aus Bremen

AWI-Direktorin Karin Lochte [Quelle: Radio Bremen, Boris Hellmers]
AWI-Direktorin Karin Lochte lobt die neue Bohrtechnologie aus Bremen. [Quelle: Radio Bremen, Boris Hellmers]

Dass Thomas Ronge und seinen Kollegen neue Proben zur Verfügung stehen, wurde durch ein neues Bohrgerät der Universität Bremen möglich. Das sogenannte Meeresboden-Bohrgerät (Mebo) kann 1.000 Meter tief abgelassen werden und nimmt dann über ein Teleskop-Rohr Proben vom Meeresboden. AWI-Direktorin lobt die neue Technologie: "Das Mebo kann 60 Meter tief bohren. Das ist wirklich etwas Besonderes, denn normalerweise braucht man dafür Bohrschiffe mit riesigen Gestängen. Dieses Gerät kann am Meeresboden autonom arbeiten", so Lochte.

Am Wochenende "Open Ship" auf der "Polarstern"

Die "Mebo" und viele andere Gerätschaften der "Polarstern" können am Wochenende in Bremerhaven besichtigt werden. Am Samstag und Sonntag steht das Forschungsschiff auf der Lloyd-Werft Besuchern offen. Sie haben die Möglichkeit, sich über das Leben und Arbeiten an Bord zu informieren. Auf einem Rundweg ermöglichen es Geräuschkulissen, Videos und Texttafeln in die Rolle eines Expeditionsteilnehmers zu schlüpfen.

Dieses Thema in den Hörfunknachrichten von Radio Bremen: 20. April 2017, 8 Uhr.

Abschied vom Forschungsschiff
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