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Toten-Zeremonie im Übersee-Museum

Warum Bremen menschliche Überreste übergibt

18. Mai 2017, 20:05 Uhr

Das Übersee-Museum und der Bremer Senat haben mit einem bisher einzigartigen Ritual menschliche Gebeine aus Neuseeland an den Staat zurückgegeben.

Maori-Gebeine an Neuseeland übergeben [3:01 Minuten]

Die Überreste, Skelett-Teile und Schädel, stammen aus der Sammlung des Völkerkunde-Museums. Vertreter der Stämme Maori und Moriori haben sie am Donnerstag im Rahmen einer feierlichen Zeremonie entgegengenommen. In Deutschland ist es die erste Rückgabe an Volksstämme, die auch von den Medien verfolgt werden durfte.

Strenge Vorgaben für Übergabe-Ritual

An der Zeremonie in Bremen nahmen auch Nachfahren der neuseeländischen Ureinwohner teil. Zum Ritual gehören neben einer Prozession auch Reden und Gesänge. Sie sind aber genau festgelegt. So darf den Knochen zum Beispiel nicht der Rücken zugedreht werden. Außerdem darf niemand zu spät kommen oder früher gehen. Denn Maori und Moriori glauben, dass die Gebeine nach dem Tod beseelt bleiben. Sie sehen in den Knochen nicht nur eine sterbliche Hülle, sondern verehren sie respektvoll als Ahnen.

Wir möchten uns für das geschehe Unrecht entschuldigen, und auch dafür, dass Sie so lange fern der Heimat sein mussten

Wiebke Arndt, Direktorin des Übersee-Museums, entschuldigt sich bei den Toten aus Neuseeland.

Museums-Gründer gräbt Knochen einfach aus

Einige der Gebeine hatte der Gründer des Übersee-Museums, Hugo Schauinsland, auf Bestattungsplätzen ausgegraben. Damit habe Schauinsland die Grenze des ethisch Zumutbaren überschritten, sagt Museumsdirektorin Wiebke Arndt. "Er hätte fragen sollen, ob der die Gebeine mitnehmen darf – und er wusste, dass er ein Nein bekommen hätte."

Anfrage aus dem Jahre 2013

Ein entsprechendes Übergabe-Dokument wird ebenfalls im Lichthof des Museums unterzeichnet. Die Gebeine gehen in fünf Gefäßen zunächst an das "Te Papa Museum" in Wellington. Im Auftrag Neuseelands hatte dieses Museum im Jahre 2013 in Bremen angefragt, ob das Übersee-Museum im Besitz von Überresten ist. Der Senat beschloss im Mai des vergangenen Jahres, die Gebeine aus ethischen Gründen zurückzugeben. Von Wellington aus werden die Gebeine an die Clans übergeben, zu denen die Ahnen gehören.

Dieses Thema in den Hörfunknachrichten von Radio Bremen: 18. Mai 2017, 9 Uhr

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