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Plattdeutsche Sprache

Volle Kirchenbänke beim Beten auf Platt

50 Jahre Engagement für den Erhalt der Regionalsprache

19. März 2013

"He passt up di up" steht in der plattdeutschen Bibel-Ausgabe: "Er passt auf dich auf". Der Arbeitskreis "Plattdüütsch in de kark" engagiert sich seit 50 Jahren in Niedersachsen und Bremen für den Erhalt der Regionalsprache in der Kirche. Bei plattdeutschen Gottesdiensten sind die Kirchbänke in der Regel voll besetzt. Anke Wiebersiek war für Bremen Eins bei einem Gottesdienst dabei.

Ein Blick in die Kirche [Quelle: Radio Bremen]
Hier wird platt gepredigt - und gebetet: Plattdeutscher Gottesdienst in der Andreaskirche in Gröpelingen.

Sonntagmorgen in der Andreaskirche im Bremer Stadtteil Gröpelingen: Die Kirchenglocken läuten zum Gottesdienst. Die Bänke in der Kirche sind ausnahmsweise fast alle besetzt. Heute kommen auch Gottesdienstbesucher aus anderen Gemeinden, denn es wird auf Platt gepredigt. Den Kirchengängern zeigen sich begeistert, das Plattdeutsche spräche den Menschen auf einer ganz anderen Ebene an, viele Inhalte würden humorvoller gesagt, obwohl sie ernst gemeint seien.

Plattdeutsch ist kein Klamauk

Plattdeutsches Gesangsbuch [Quelle: Radio Bremen]
Plattdüütsch Gesangbook: Dieses Gesangsbuch enthält 260 plattdeutsche Kirchenlieder.

Den Gottesdienst hat Gertrud Schmidt gestaltet. Sie ist Prädikantin der evangelischen Kirche. Das bedeutet, dass sie keine Pastorin ist, sondern diese Arbeit ehrenamtlich macht. In einem Jahr hält sie sieben bis acht plattdeutsche Gottesdienste in verschiedenen norddeutschen Gemeinden. Den Segensspruch auf Platt zu verkünden, ist für sie ganz normal. Die 64-Jährige ist mit der Sprache aufgewachsen und möchte sie erhalten, vor allem in der Kirche: "Ich denke, dass man mit Plattdeutsch besser diese Wärme, dieses Einfache, Direkte, Liebevolle und Persönliche ausdrücken kann, als im Hochdeutschen. Ich predige deshalb auf Platt, weil ich die Sprache aus dieser Klamauk-Ecke rausholen möchte."

Lebendiger Gottestdienst

Die christliche Botschaft lässt sich gut auf Platt verkünden, sagt Schmid. Davon sind auch 300 Pastoren und Ehrenamtliche des Arbeitskreises "Plattdüütsch in de Kark" überzeugt. Seit 50 Jahren engagiert sich der Arbeitskreis dafür, die Sprache in Kirchen in Niedersachsen und Bremen lebendig zu erhalten. Der plattdeutsche Gesang verleiht diesem Gottesdienst Leben. Doch in der Predigt wird es auch ernst. Gertrud Schmidt spricht ein aktuelles Thema an: den gewaltsamen Tod des 25-jährigen Mannes aus Kirchweyhe: "De junge Mann ganz hier inne Nähe het starben, weil he Zivilcourage hett, viele hebt einfach tokiekt. Richtiget Urteil is ganz schwor." Und dann wird gebetet – das Vater Unser auf Platt.

Das Gebet in plattdeutscher Sprache

Uns Vadder in'n Himmel!
Laat hilligt warrn dien Naam.
Laat kamen dien Riek.
Laat warrn dien Willen so as in'n Himmel,
so ok op de Eerd.
Uns dääglich Brood giff uns vundaag.
Un vergiff uns unse Schuld,
as wi de vergeven hebbt,
de an uns schüllig worn sünd.
Un laat uns nich versöcht warrn.
Sünnern maak uns frie vun dat Böse.
Denn dien is dat Riek un de Kraft un de Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
(Quelle: Wikipedia)