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Pressemitteilungen: Fernsehen

Das Geiseldrama von Gladbeck – Danach war alles anders

Donnerstag, 8. März 2018, 21:45 Uhr, im Ersten

7. Februar 2018

Ein Radio Bremen-Dokumentation von Nadja Kölling 

Das Gladbecker Geiseldrama im August 1988 zählt bis heute zu den spektakulärsten und gleichzeitig dramatischsten Verbrechen der Nachkriegsgeschichte. Nachdem Hans-Jürgen-Rösner und Dieter Degowskium kurz vor 8 Uhr morgens eine Bank-Filiale im nordrhein-westfälischen Gladbeck überfallen haben, eskaliert die Situation. Die Täter nehmen zwei Bankangestellte als Geiseln. Am Abend gewährt ihnen die Polizei den beobachtungsfreien Abzug mitsamt der Geiseln und 300.000 Mark Lösegeld im Fluchtauto. Eine blutige Irrfahrt beginnt. 54 Stunden lang hält das Geiseldrama die Republik in Atem - und Millionen Zuschauer sind live am Fernseher dabei. Kein anderes Verbrechen steht so sehr für mediale Grenzüberschreitung und polizeiliches Versagen.  

In Bremen nimmt die Geiselnahme eine neue Wendung: Nachdem die Polizei mehrere Zugriffsmöglichkeiten versäumt hat, kapern Rösner und Degowski am Busbahnhof Huckelriedeeinen Bus der Linie 53. Am Ende werden von den 30 Fahrgästen zwei tot sein. Emanuele De Giorgi und Silke Bischoff. Für alle anderen ändert sich alles – von einer Sekunde auf die andere, für immer.  

Die Radio Bremen-Dokumentation fokussiert die persönliche, ganz individuelle Perspektive der Opfer, ihrer Angehörigen und weiterer beteiligter Akteure des Geiseldramas im Sommer 1988. 

Tatiana De Giorgi ist heute 39 Jahre alt, verheiratet und hat vier Kinder. Nach Bremen ist sie nie mehr zurückgekehrt. Bis heute verfolgen sie die Bilder ihres sterbendes Bruders, ihre eigene Todesangst: „Ich habe mich danach völlig verändert. Ich verschloss mich in mir selbst, schlief nachts nicht mehr. Bis heute wache ich nachts von meinen Albträumen auf, weil meine Hände und Beine so stark zittern.“ 

Kurz nach dem Drama ging die Familie De Giorgizurück nach Italien. Vor allem Mutter Giuseppina konnte das Leben in Bremen nicht mehr ertragen, zu viel erinnerte sie an Emanuele: „Wäre er an einer Krankheit gestorben, hätte ich es mit den Jahren vielleicht verkraftet. Aber so wache ich nachts auf und denke an mein Kind. Immer.“ Ihren Ehemann Aldo plagt seit 30 Jahren die Frage nach dem Warum: „Seitdem denke ich an Rache. Aber dann gehe ich zum Grab meines Sohnes, schaue auf sein Foto und es ist so als wolle er mir sagen: Papa, an dem Tag, wo warst du da?“ 

Neben dem Portrait der Überlebenden und der Opfer zeichnet der Film von Nadja Kölling auch das Versagen von Sicherheitskräften und Medien nach: Wie konnte es zu dieser Tragödie kommen und warum wurde die Presse bei ihrer voyeuristischen Berichterstattung nicht gestoppt? Wie gehen die Protagonisten heute mit dem Erlebten um? Wie hat es den weiteren Verlauf ihrer Leben beeinflusst? Welche Rolle spielen die großen Fragen nach Schuld und Sühne, nach Tod und Leben? Und was gibt Hoffnung, lässt Menschen weitermachen?  

Johnny Bastiampillai war gerade mit seiner Mutter aus dem Bürgerkrieg in Sri Lanka geflohen. Mit seiner Mutter und sieben weiteren Familienmitgliedern hatte er eine Trauerfeier besucht, als die Gangster den Bus entern. „Die Angst, dass man einen Menschen im Bus sterben sieht und dass man auch derjenige hätte sein können, haben alle im Bus gehabt. Mich hat das geprägt.“  

Silke Bischoff starb im Kugelhagel auf der A3: Rösner erschoss sie während des SEK-Zugriffs. Ihre Mutter Karin konstatiert verbittert die Sinnlosigkeit von Silkes Tod: „Meine Tochter hätte nicht sterben müssen. Ich empfinde nur Wut und Hass. Das bleibt. Ich habe das immer noch vor Augen, ich träume davon. Das bleibt in mir.“  

Die Radio Bremen-Dokumentation zeigt auch, welche Spuren traumatische Erlebnisse in den Seelen und Lebensläufen der Betroffenen hinterlassen. In Zeiten von Terroranschlägen, politisch aufgeheizten Gefahrenlagen und medialer Omnipräsenz können die Tage im Sommer 1988 als Blaupause für heutige Ausnahmezustände gesehen werden. Der Film gibt den Menschen und Geschichten hinter dem Ereignis ein Gesicht.

Autorin:Nadja Kölling
Kamera:Lür Wangenheim
Ton:Marina Schnieders, Ruth Reeh-Georgi
Schnitt:Birgit Hemmerling
Farbkorrektur:Lucas Keßler
Tonmischung:Uwe Lösekann
Producer:Christian Grauer-Mettin
Produktionsleitung:Hannah Lenitzki
RedaktionThomas von Bötticher (Radio Bremen)

Eine Bremedia Produktion im Auftrag von Radio Bremen für Das Erste 2018.

Das Erste erinnert mit dem Fernsehfilm „Gladbeck“ am Mittwoch und Donnerstag, 7. und 8. März 2018, jeweils um 20:15 Uhr, an die Geiselnahme von Gladbeck vor 30 Jahren. Der Zweiteiler „Gladbeck" ist eine Regina Ziegler Produktion der Ziegler Film Berlin & Baden-Baden in Koproduktion mit ARD Degeto (Federführung) und Radio Bremen für Das Erste. Gefördert von der Film und Medienstiftung NRW, der Filmförderung der MFG Baden-Württemberg und der nordmedia– Film und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen. Im Anschluss an den zweiten Teil zeigt Das Erste die Radio Bremen-Dokumentation „Das Geiseldrama von Gladbeck – Danach war alles anders“.

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