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Radio Bremen-Produktion "Die Wunderpille der Wehrmacht" für Grimme-Preis 2015 nominiert

20. Januar 2015

Radio Bremen-Produktion „Die Wunderpille der Wehrmacht“ für Grimme-Preis 2015 nominiert

Wie das Grimme-Institut heute (20.1.) bekannt gab, ist die Radio Bremen-Produktion "Die Wunderpille der Wehrmacht" im Wettbewerb Information & Kultur für den 51. Grimme-Preis nominiert.

Der Dokumentarfilm deckt eines der größten Tabus der deutschen Militärgeschichte auf: die Rolle leistungsfördernder Arzneimittel von der NS-Zeit bis in die Gegenwart.

"Die endgültigen Preisentscheidungen treffen jetzt die Jurys des Grimme-Preises, deren Arbeit am 31. Januar im Grimme-Institut startet. Die Preisverleihung findet am 27. März 2015 im Theater Marl statt", so das Grimme-Institut.

"Die Wunderpille der Wehrmacht"

In den USA und Japan forscht man seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an der Entwicklung von Amphetaminen, doch die Herstellung ist schwierig. In Deutschland sind es die Berliner Temmler-Werke, die in den 30er Jahren ihre Anstrengungen auf diesem Gebiet verstärken. 1937 gelingt dem Temmler-Chemiker Fritz Hauschild der Durchbruch, er entdeckt ein besonders effektives Amphetamin: das Methylamphetamin, das die Firma Temmler noch im gleichen Jahr unter dem Namen Pervitin auf den Markt bringt.

Schnell werden die Militärärzte auf das neue Mittel aufmerksam. Sie führen erste Tests mit Medizinstudenten durch. Von allen Mitteln verspricht Pervitin den größten militärischen Nutzen. Neben der Beseitigung des Schlafbedürfnisses führt es auch zu einer Steigerung des Selbstbewusstseins und der Risikobereitschaft.

September 1939: In weniger als vier Wochen überrennt die Wehrmacht den östlichen Nachbarn. Pervitin ist mittlerweile so bekannt, dass viele Soldaten es privat dabei haben. Krad-, Panzer- und Lastkraftfahrer, Piloten, Infanteristen, Wachsoldaten, sie alle sind mit Pervitin bestückt.

"Die Deutschen nutzen eine Wunderpille", kommentiert die britische Presse das unberechenbar rasante Tempo der Wehrmacht nach dem Westfeldzug gegen Frankreich. Mit der deutschen Erfindung Pervitin scheinen die Soldaten geradezu Übermenschliches leisten zu können. Ein Experte: Der Blitzkrieg war amphetamingesteuert!

In grausamen Menschenversuchen an KZ-Häftlingen wird die richtige Dosierung getestet. Übermüdete Kindersoldaten, die tagsüber die Schule und nachts an der Flak bestehen müssen, bekommen Pervitin auf Befehl. In den Ein-Mann-Torpedos der deutschen Marine ist das Weckmittel fest eingeplant.

Trotz gravierender Nebenwirkungen und erheblicher Suchtgefahr gehört Pervitin auch nach dem Krieg zur Ausrüstung der Bundeswehr und NVA. Es ist die Geschichte eines ungebrochenen Erfolges.

Für die Radio Bremen-Produktion (Redaktion Mechtild Lehning) hat der Filmautor Sönke El-Bitar einen der bislang am wenigsten bekannten Aspekte, ja eines der größten Tabus der deutschen Militärgeschichte beleuchtet.

Die Radio Bremen-Produktion "Die Wunderpille der Wehrmacht – Pervitin im II. Weltkrieg" wurde am Montag, 11. August 2014, 23.35-00.20 Uhr, in der ARD-Reihe "Geschichte im Ersten" gezeigt.

Fotos sind bei www.ard-foto.de abrufbar.

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