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Weiterer Preis für Radio Bremen-Dokumentation "Stimmen im Kopf"

Verleihung des Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus am 24. November

24. November 2016

Die Wissenschaftsdokumentation „Stimmen im Kopf“ ist erneut ausgezeichnet worden: Die Radio Bremen-Produktion von Anja Krug-Metzinger erhält von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) den Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus. Der Film war im Juni 2016 von ARTE ausgestrahlt worden, die Redaktion hatte Mechthild Lehning.

In der Pressemitteilung der DGPPN heißt es: „Etwa sechs bis fünfzehn Prozent aller Menschen hören irgendwann einmal im Leben Stimmen, viele sogar ein ganzes Leben lang. Weit über die Hälfte der Stimmenhörer sind psychisch gesund und führen ein völlig unauffälliges Leben. Trotzdem werden Stimmenhörer auch heute noch stigmatisiert. Nur wenige sprechen daher offen über ihre Erfahrungen. Anja Krug-Metzinger greift in ihrer Dokumentation ein Thema auf, das in der Öffentlichkeit nur wenig Beachtung findet. Dabei stellt sie die genau die Fragen, die auch ihre Zuschauer haben: Welche Erklärung hat die Wissenschaft für das Phänomen Stimmenhören? Woher kommen die Stimmen? Und welche Bedeutung haben die Inhalte des Gehörten? Krug-Metzinger ordnet die Fakten mit Sachverstand und Fingerspitzengefühl ein, hinterfragt und behält dabei immer ihre Zuschauer im Fokus."

Mit dem Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus würdigt die DGPPN hervorragende Leistungen in der Berichterstattung über psychische Erkrankungen in unterschiedlichen Kontexten. Es werden Beiträge in den Kategorien Print- und Onlinemedien, TV und Hörfunk ausgezeichnet. Der Preis ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert. Er wird am Donnerstag, 24. November 2016, im Rahmen des diesjährigen DGPPN-Kongresses in Berlin verliehen.

Die Produktion erhielt im Oktober diesen Jahres auch den Next Generation of Science Journalists Award 2016 vom World Health Summit.

Die Wissenschaftsdokumentation „Stimmen im Kopf“ 

Etwa sechs bis fünfzehn Prozent aller Menschen hören irgendwann einmal im Leben Stimmen. Viele Stimmenhörer leben mit ihren unsichtbaren Begleitern sogar ein ganzes Leben lang. Weit über die Hälfte der Stimmenhörer sind psychisch gesund und führen ein völlig unauffälliges Leben. Trotzdem werden Stimmenhörer weiterhin stigmatisiert. Nur wenige sprechen daher offen über ihre Erfahrungen. Dabei ist die historische Epoche, in der das Stimmenhören kulturell nicht anerkannt war, relativ kurz: Hildegard von Bingen gab an, ihr gesamtes Heilwissen visionären Stimmen zu verdanken; Jeanne d’Arc, Giordano Bruno, Rainer Maria Rilke, Winston Churchill, Virginia Woolf und Andy Warhol zählen zu den Stimmenhörern.

Welche Erklärung hat die Wissenschaft für das Phänomen Stimmenhören? Woher kommen die Stimmen? Galt das Stimmenhören besonders in den letzten Jahrzehnten als Symptom einer gestörten Hirnfunktion, werfen Forscher heute einen neuen Blick auf dieses alte Phänomen – und fördern Erstaunliches zutage: Gehirnscanner zeigen, dass das Stimmenhören keine „Einbildung“ ist; Stimmenhörer „hören“ tatsächlich etwas. Auch scheinen in vielen Fällen die Inhalte des Gehörten weit mehr Bedeutung zu haben, als bisher angenommen.

Drei Stimmenhörer, die ihr Schweigen gebrochen haben, beweisen, dass die Erfahrungen sehr vielfältig sind: Innere Stimmen können als Höllenqual oder auch als Gabe, Inspiration und Glück empfunden werden. Der Tontechnikerin Jennifer Siedler wiesen die Stimmen den Weg aus einer Krise; den Schauspieler Rolf Fahrenkrog-Petersen brachten sie dazu, seine traumatisierte Kindheit aufzuarbeiten; Dr. Eleanor Longden erforscht mittlerweile sogar selbst das Stimmenhören an der Universität Liverpool. Seit zehn Jahren Stimmenhörerin, engagiert sie sich bei Intervoice, einem weltweiten Netzwerk aus Stimmenhörern, Therapeuten und Forschern aus 26 Ländern auf fünf Kontinenten.

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