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Robert-Geisendörfer-Preis

Radio Bremen/ARTE-Produktion "Endstation Bataclan" ausgezeichnet

11. Oktober 2017

Für die Radio Bremen/ARTE-Produktion "Endstation Bataclan. Vom Busfahrer zum Attentäter" haben Alexander Smoltczyk (Buch), Grit Lederer (Regie) und Maurice Weiss (Kamera) den Robert-Geisendörfer-Preis in der Kategorie Fernsehsendungen erhalten. Der Preis wurde am 10. Oktober 2017 in München übergeben.

"Wir freuen uns und gratulieren Alexander Smoltczyk, Grit Lederer und Maurice Weiss. Sie haben einen Film erarbeitet, der mit einer außergewöhnlichen Perspektive tiefe Einblicke in die französische und europäische Gesellschaft gibt", sagte Thomas von Bötticher, Leiter Fernsehen bei Radio Bremen.

Filmausschnitt "Endstation Bataclan" [Quelle: Medea Film Factory]

Begründung der Jury

"Der Terrorist, der im Konzerthaus Bataclan 2015 fast neunzig Menschen ermordete, war Busfahrer der Linie 148, einer Linie, die entlang der nördlichen Banlieue von Paris unterschiedliche Viertel streift. Banlieue – das Wort weckt Assoziationen, und es sind keine angenehmen. Man verbindet mit ihm sozialen Niedergang, Armut und gewaltsame Auseinandersetzungen. Eine Zone außerhalb der eigentlichen Stadt mit hoher Kriminalität und Regeln, die dem Überlebenskampf entstammen.

Alexander Smoltczyk schaut mit großer Geduld genauer hin und entdeckt eine andere Banlieue. Er tut das, indem er in seinem Film 'Endstation Bataclan' die Linie 148 abfährt und uns dabei im doppelten Wortsinn mitnimmt. Die Kamera unterbricht diese Fahrt immer wieder, steigt aus, wenn Menschen oder Gruppen ihr Interesse wecken. Geschichte und Geschichten liegen nah am Straßenrand. Der Kommentar, gesprochen von Ulrich Matthes, reflektiert die Fahrt in die unterschiedlichen Milieus und zu palimpsestartig sich überlagernden Abschnitten französischer Geschichte.

Die Kamera von Maurice Weiss arrangiert Begegnungen und Entdeckungen als fotografisch anspruchsvolle Tableaus. Es gibt einen Bürgermeister, der für Toleranz wirbt, und einen Imam, der nur unter Polizeischutz predigen kann, weil seine Ansichten vielen Muslimen zu liberal sind. Irgendwo hier wurde Asterix ersonnen. Auch ein Deportationslager liegt auf dem Weg zur Endhaltestelle.

Die Reise beginnt morgens und endet mit einer nächtlichen Einstellung. Eine filmische Atempause, bevor der Busfahrer denselben Weg in umgekehrter Reihenfolge wieder abfahren wird. Die Frage, ob sich entlang der Linie 148 auch die Motive des Attentäters erkennen lassen, bleibt scheinbar unbeantwortet. Wer will, kann in 'Endstation Bataclan' viele mögliche Antworten finden.

Ein junger arabischer Mann an einer Bushaltestelle [Quelle: Medea Film Factory]

"Endstation Bataclan"

In der Radio Bremen/ARTE-Dokumentation "Endstation Bataclan" geht es um den Bus Nummer 148, einem sehr gewöhnlichem Banlieue-Bus. Auch Samy Amimour war ein sehr gewöhnlicher Busfahrer. Bis zu dem Tag, als er im Konzerthaus Bataclan fast 90 Menschen hinrichtete, am 13. November 2015. Wie wurde aus dem Busfahrer der Linie 148 ein Massenmörder? Alexander Smoltczyk, mehrfach ausgezeichneter Reporter des "Spiegel", hat mit "Endstation Bataclan" einen formal wie inhaltlich außergewöhnlichen Dokumentarfilm gedreht, bei dem der Terrorist Samy Amimour selbst nur als blinder Passagier mitfährt, als Schatten, der oft auf die Gespräche der Fahrgäste fällt. Denn um sie geht es, die Menschen entlang der Linie 148, die Bewohner der nördlichen Banlieue von Paris.

Das Rätsel Samy Amimour, des Busfahrers und Attentäters, kann der Film nicht lösen, und er will es auch nicht. Aber er zeigt jene Banlieue, aus der Amimour kam. Er zeigt sie in allen ihren Widersprüchen und beweist doch in jeder seiner 82 Minuten, wie reich diese Welt jenseits des Boulevard Périphérique ist und wie ärmlich die Existenz eines Attentäters.

Soldaten in der Pariser Vorstadt [Quelle: Arte]
Soldaten in der Pariser Vorstadt [Quelle: Arte]

"Robert Geisendörfer Preis"

Der "Robert Geisendörfer Preis" ist der Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland. Mit ihm werden jährlich in der Kategorie "Allgemeine Programme“ zwei Fernseh- und zwei Hörfunkproduktionen ausgezeichnet. An dem Wettbewerb beteiligen sich öffentlich-rechtliche und private Rundfunkveranstalter. Ausgezeichnet werden Sendungen aus allen Programmsparten, die das persönliche und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken, zum guten Miteinander von Einzelnen, Gruppen, Völkern und zur gegenseitigen Achtung der Geschlechter beitragen.

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