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Schiri-Betreuer Kauert hört auf

Er kennt die Schrullen der Schiedsrichter

18. Mai 2017

17 Jahre lang war Ecki Kauert Schiedsrichter-Betreuer im Weser-Stadion. Werders Heimspiel-Kalender bestimmte sein Leben – nun hört er auf. Wir haben ihn bei seinem letzten Profispiel begleitet.

17 Jahre lang war Ecki Kauert Schiedsrichter-Betreuer im Weser-Stadion. Werders Heimspiel-Kalender bestimmte sein Leben – nun hört er auf. Wir haben ihn bei seinem letzten Profispiel begleitet.

Autor/-in: Pascale Ciesla
Länge: 3:05 Minuten
Datum: Donnerstag, 18. Mai 2017
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Ein bisschen Wehmut ist dabei. Seit dem Jahr 2000 hat der Bremer Ecki Kauert ehrenamtlich als Schiedsrichter-Betreuer gearbeitet. "Mein Herz ist grün-weiß, und es ist nicht so einfach, dieses Spielfeld unten zu verlassen", sagt der 76-Jährige. Werders Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim am vergangenen Samstag war sein letzter Einsatz im Profi-Fußball. Sicher, er wird die Spiele im Weser-Stadion weiterhin verfolgen. Dann aber von der Tribüne aus und das sei nicht vergleichbar mit dem Erlebnis unten am Spielfeldrand.

Das ist eine ganz andere Atmosphäre, wenn Sie unten stehen und die Zuschauer anfangen zu klatschen. Das geht unter die Haut.

Ecki Kauert

Kauert ist Inhaber eines Raumausstattungsladens im Bremer Viertel. Aber das Geschäftliche hat er vor 17 Jahren an seinen Sohn übertragen. "Sonst hätte ich gar nicht die Zeit gehabt, um die Schiedsrichter an den Wochenenden zu betreuen", so Kauert, dem anzumerken ist, wie viel Spaß ihm die Aufgabe macht.

Schiedsrichter brauchen Ruhe

Zum Job eines Schiedsrichter-Betreuers gehört es, die vier Offiziellen am Tag des Spiels vom Hotel abzuholen, ihnen im Stadion den Weg zu weisen, und sie später wieder zu ihrer Unterkunft zu bringen. Der Schiedsrichter soll sich voll und ganz auf das Spiel konzentrieren können. "Man muss die Schiedsrichter vor dem Spiel in Ruhe lassen. Sie bereiten sich genauso auf das Spiel vor wie die Mannschaften. Denn sie haben es ja auch nicht einfach."

Für den 76-Jährigen bedeutet die Aufgabe aber noch mehr: "Ich habe viele unterschiedliche Menschen kennengelernt. Alle haben eine andere Mentalität, die Schiedsrichter aus Bayern, aus Baden-Württemberg, wo sie alle herkommen. Das finde ich ganz toll." Für seinen Job als Schiedsrichter-Begleiter hat er im Privatleben manch Einschränkung hingenommen. "Zum Beispiel, wenn am Samstagmorgen um elf Uhr zum Geburtstag eingeladen war, ist entweder meine Frau alleine hingefahren oder wir haben es abgesagt und sind eine Woche später hingefahren. Geburtstage und auch Urlaub haben sich nach den Werder-Heimspielen gerichtet."

Macken und Sonderwünsche

In all den Jahren hat er dabei viel erlebt, wie beispielsweise den Strom-Ausfall im Weser-Stadion beim Saison-Eröffnungsspiel gegen Schalke 2004. Und er musste sich auf den einen oder anderen Sonderwunsch von manch einem Schiedsrichter einstellen. "Die sind eigentlich sehr umgänglich, der ein oder andere hat so seine Macken vor und nach dem Spiel." So mag manch einer kein Radio im Auto anhaben, wenn sie bei Ecki Kauert im Auto sitzen. Ein anderer wollte partout kein Kerzenlicht beim Essen im August. "So hat jeder seine Art und Weise, ich habe sie aber alle als Menschen kennengelernt und geschätzt."

Kauert im Gespräch mit den Schiedsrichtern Daniel Siebert und Bibiana Steinhaus. [Quelle: Radio Bremen]
Kauert im Gespräch mit den Schiedsrichtern Daniel Siebert und Bibiana Steinhaus.

Eine besondere Verbindung hat er mit Bibiana Steinhaus. Kauert begleitete sie bei ihrem ersten Spiel als Schiedsrichterin einer Partie bei den Herren. Damals spielte Werders zweite Mannschaft in der Regionalliga gegen Chemnitz im Weser-Stadion. Das war am 22. August 2001. Und wie der Zufall es will, war Steinhaus auch am Samstag beim Spiel gegen Hoffenheim mit im Einsatz – Kauerts letztem Bundesliga-Spiel in dieser Funktion.

Mit Ecki zum Stadion fahren ist echt ein Hit. Also Ecki kennt ja hier in Bremen jeden. Jeden Polizisten, jeden Ordner, einfach jeden. Sobald Eckis Auto auftaucht, werden alle Barkassen und Sperren zur Seite geräumt. Dann öffnen sich die Straßen. Menschen gehen von den Straßen, und Ecki fährt mit seinem Tross bis ins Stadion.

Bibiana Steinhaus, Schiedsrichterin

Seine Arbeit als Schiedsrichter-Begleiter hat Kauert immer ehrenamtlich ausgeübt. Vom Verein bekam er allerdings jedes Jahr einen neuen Anzug vom Vereinsausstatter. "Als Schiedsrichter-Obmann habe ich auch immer großen Wert darauf gelegt, dass ich immer die neuesten Sachen anhatte." Dazu gab es für die Arbeit auch hin und wieder ein Dankeschön von Werder: Ecki Kauert wurde zu UEFA-Pokal-Spielen eingeladen und auch mal zum DFB-Pokal-Finale nach Berlin. Da würde er auch gerne noch mal hin. "Unser Trainer Alex Nouri hat ja mit Werder noch kein Pokal-Spiel gehabt. Da will ich auf diesem Wege sage: Alex, sieh zu, dass wir nach Berlin kommen!"

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 18. Mai 2017, 18:06 Uhr

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