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Bremer EU-Projekt

Profisport und Ausbildung – geht das?

20. April 2017

Wer in Deutschland sportliches Talent hat und sich um die berufliche Absicherung sorgen möchte, steht vor einer großen Herausforderung. Viele geben den Leistungssport für eine Berufsausbildung auf. Die EU will das ändern und unterstützt Projekte, die die duale Karriere von Profisportlern fördern. Die Eisbären Bremerhaven nehmen als deutschlandweit einziger Profiverein an diesem Projekt teil.

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Zwischen Basketball-Training und Ausbildung: Arnau Triginer ist der einzige der vier Projekt-Teilnehmer, der noch durchhält. [Quelle: Importer]

Das Land Bremen und die Eisbären Bremerhaven haben zusammen mit der Europäischen Union ein europaweit einmaliges Projekt entwickelt, um die duale Karriere von Spitzensportlern zu ermöglichen. Seit August vergangenen Jahres läuft das Pilot-Projekt, an dem ursprünglich drei Spanier und ein Lette teilgenommen haben. Sie spielen bei den Eisbären Bremerhaven bzw. deren "Farm-Team" Rot-Weiß Cuxhaven und versuchen, nebenbei eine Ausbildung abzuschließen.

Neben dem Schulabschluss musste bei den Nachwuchsbasketballern auch die spielerische Qualität stimmen. Uli Mix, Projektverantwortlicher beim Land Bremen und gleichzeitig Präsident des Bremer Basketball-Verbandes, hat dazu in den Monaten vor Projektbeginn zahlreiche Bewerber gecastet. Unterstützt wurde er dabei vom Trainer des Eisbären-Nachwuchsteams Jan Lipke. Bewerben konnten sich junge Erwachsene aus den EU-Ländern Spanien, Italien und Lettland – eben jenen Ländern, in denen die Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch ist.

Durchgehalten hat jedoch nur der Spanier Arnau Triginer. Der 20-Jährige aus Barcelona will Basketball-Profi werden und die Ausbildung als Sport- und Fitnesskaufmann abschließen – alle anderen haben ihre Ausbildungen schon wieder abgebrochen und sind aus dem Projekt ausgestiegen. Lediglich ein Platz soll wieder mit einem Landsmann Triginers besetzt werden, der neben der sportlichen Karriere ein Studium in Bremen beginnt.

Normalerweise, wenn du eine Ausbildung machst und gleichzeitig versuchst, Basketball-Profi zu werden, dann klappt das nicht. Hier mit der Hilfe des Projekts kann es aber gehen.

Arnau Triginer

In der Geschäftsstelle der Eisbären Bremerhaven lernt der Katalane, in der Sporthalle schwitzt er auf dem Parkett. Und in der Theorie stellt sich die EU das genauso vor: Spitzensport und Ausbildung zusammenbringen. Das Land Bremen fördert das Projekt, das auf drei Jahre ausgelegt ist, kooperiert dabei mit den Eisbären und hat Partnervereine aus Spanien, Italien und Lettland, die Talente nach Bremerhaven schicken. Doch in der Praxis läuft es bisher nicht rund.

Theorie und Praxis harmonieren noch nicht

Das bemängelt auch Uli Mix: "Als wir das Projekt geschrieben haben, hatten wir interessante Vorstellungen, wie das Ganze laufen könnte. Die Realität sah dann doch ein bisschen anders aus, weil es eine hohe Herausforderung für die jungen Leute ist, es umzusetzen." Diese Eindrücke bestätigt auch der Geschäftsführer der Eisbären, Jan Rathjen.

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Straffes Programm: Trignier trainiert beim Drittligisten Rot-Weiß-Cuxhaven. [Quelle: Importer]

"Es ist nicht so einfach für die Jungs, die Basketball spielen sollen", sagt Rathjen, "mal eben ihr Heimatland zu verlassen, mal eben die deutsche Sprache zu lernen, eine Ausbildung zu machen." Dass einige die Ausbildung dann hinschmeißen, "das ist normal, das kann passieren", fügt Rathjen hinzu.

Weiter Weg in die Bundesliga

Man wolle den jungen Sportlern eine Perspektive bieten, doch es ist für alle Seiten eine Herausforderung. Seit August 2016 ist Arnau Triginer in Bremerhaven und die Tage sind eng getaktet: zweimal die Woche geht es zum Sprachkurs, im Anschluss gleich weiter durch die norddeutsche Tiefebene zum Training bei Rot-Weiß Cuxhaven, eine Art zweite Mannschaft der Eisbären. Triginer hat es dort zum Stammspieler gebracht, gerade sind sie in die 3. Liga aufgestiegen.

Mittlerweile ist es einfacher geworden, auch weil ich besser Deutsch verstehe. Aber am Anfang war es hart: die Sprache, Basketball, die Ausbildung. Jetzt fällt mir das alles leichter.

Arnau Triginer

Doch in der 3. Basketball-Liga verdient man nicht genug Geld, um davon leben zu können. Der Weg bis zur Bundesliga ist noch weit, Triginer traut man zu, den Sprung zu schaffen. Ihm bleiben jedoch nur zwei Jahre, dann ist seine Ausbildung abgeschlossen, aber er wäre auch wieder auf sich allein gestellt. Doch mit der dualen Karriere hält er sich alle Möglichkeiten für die Zukunft offen. Auch, wenn er sich dann entscheiden müsste zwischen Sport oder Job.

Wenn ich mich verletze oder es nicht schaffe, Profi zu werden habe ich zumindest die Ausbildung, habe Deutsch gelernt und finde leichter einen Job in Spanien.

Arnau Triginer

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 20. April 2017, 18:06 Uhr

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