Livestream

Veranstaltungen Live-Gäste

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Frühlingsgäste 2017

Til Mette

Cartoonist

29. April 2017, 11:00 Uhr | Artcafé im Horst-Janssen-Museum

"Ich habe eine mitteldurchschnittliche Fantasie und lebe nichts peinlich aus." Klingt recht harmlos, wie Til Mette über seine Arbeit als Cartoonist spricht. Und doch treffen seine Zeichnungen oft den Nerv. Zu seinem Beruf habe ihn wohl seine Kindheit geführt, wie er sagte. Damals "war die Zeichnerei ein Rettungsanker".

Cartoonist Til Mette sitzt auf einem Sessel mit Mikrofon in der Hand [Quelle: Radio Bremen]

"Wir haben viel im Matsch gespielt mit Stöckchen", wie Mette im Gespräch mit Nordwestradio-Moderator Alexander Brauer erzählte. "Wenn der Matsch nicht da war, haben wir gezeichnet." Schon sein Vater habe sehr gut zeichnen können, so Mette weiter. Das sei das Unterhaltungsprogramm gewesen.

"Ich fand das großartig, weil das witzig war. So ist man da reingerutscht".

Auch die Mutter prägte die künstlerische Ader des jungen Til Mette. Sie war Kunst- und Musiklehrerin. Beide Eltern hätten ihn und seine Geschwister immer unterstützt.

Til Mette war unser Frühlingsgast 2017 [3:20 Minuten]

Zeichnen in schwierigen Zeiten

Dass er Zeichner geworden ist, komme wohl, dass seine "Kindheit einerseits sehr glücklich war, es aber auch relativ schwierige Zeiten gab, lange Strecken". Mettes Schwester erkrankte im Alter von neun Jahren an einem Gehirntumor, lag lange im Koma und war so lange Mittelpunkt der Familie.

Das war schrecklich, wir wussten nicht wie wir damit umgehen sollten. In der Zeit ließen sich meine Eltern scheiden. [... ] Dazu kam, dass meine Mutter schwere Alkoholikerin war. [...] Da war die Zeichnerei ein Rettungsanker. In die man, ich will nicht sagen flüchten kann, aber in der man sich ausdrücken kann.

Til Mette über seine Kindheit [1:19 Minuten]

Mit Beginn der Pubertät habe ihm das Zeichnen auch an anderer Stelle geholfen: Til Mette zeichnete Liebesbriefe.

Alexander Brauer: "Die haben funktioniert?"

Til Mette: "Ja, jaja!"

Was denken die Kinder?

Heute hat der selbsterklärte Newsjunkie längst selbst Familie. Mit seiner Frau und den beiden jugendlichen Kinder lebt er in Hamburg. Gefragt nach seinem typischen Familienleben, hat Mette eine ganz eigene Antwort: Als die Kinder klein waren, habe er gedacht, die Familie müsse immer gemeinsam frühstücken.

Wenn ich aber um 7 Uhr aufstehe, dann sitze ich da wie 90 Kilo Mett. Diesen Anblick wollte ich meiner Frau und meinen Kinder nicht mehr zumuten und deshalb schlafe ich einfach bis 8 Uhr, bis die Kinder aus dem Haus sind.

Doch manchmal melde sich da das Gewissen und er frage sich: "Was meine Kinder denken, wenn ich immer so lange penne. Manchmal habe ich Anwandlungen, dass ich so tun müsste, als würde ich was machen."

Lange schlafen und das Gewissen [59 Sekunden]

"Fieser wird es nicht"

Und Mette tut in der Tat etwas: Er zeichnet und versuche dabei "das Abstruse" darzustellen. Denn aktuelle, tagespolitische Themen hätten viele komische Aspekte. Den moralischen Zeigefinger wolle er mit den Bildern nicht heben. Er habe auch keine Schublade mit politisch unkorrekten Zeichnungen, die emotional entstanden. "Ich bin kein Typ für Schweinereien", sagt er. Eine "fiese Idee" bringe er zu Papier – "fieser wird es nicht".

Cartoonist Til Mette sitzt auf einem Sessel und schreibt in ein Buch. Vor ihm steht eine Frau.  [Quelle: Radio Bremen]

Til Mette muss nach einem vergnüglichen Besuch Autogramme geben.

Cartoonist Til Mette sitzt auf einem Sessel mit Stift und einem Buch in der Hand.  [Quelle: Radio Bremen]

Wie sieht das bei einem Cartoonist aus? Klar: Er zeichnet sein Autogramm.

Cartoonist Til Mette und Moderator Alexander Brauer sitzen nebeneinander auf zwei Sesseln. Davor sitzen Besucher an Tischen. Von einer Empore aus von oben fotografiert.  [Quelle: Radio Bremen]

Zuvor folgen die Besucher im Artcafé den Erzählungen des erfolgreichen Zeichners.

Cartoonist Til Mette sitzt auf einem Sessel mit Mikrofon in der Hand [Quelle: Radio Bremen]

Nach und nach kommt unser neuer Moderator Alexander Brauer (hinten rechts) ...

Cartoonist Til Mette und Moderator Alexander Brauer sitzen nebeneinander in zwei Sesseln.  [Quelle: Radio Bremen]

... dem Familienvater näher. Und so erzählte Mette, dass er einerseits eine glückliche Kindheit hatte.

Cartoonist Til Mette sitzt auf einem Sessel mit Mikrofon in der Hand [Quelle: Radio Bremen]

Doch zum Zeichnen sei er auch wegen der Tiefen in seiner Familie gekommen.

Kein Typ für Schweinereien [42 Sekunden]

Anspannung vor der Deadline

Regelmäßig zeichnet Mette für den "Kurier am Sonntag" und das Magazin "Stern". Auch mit jahrzehntelanger Erfahrung sei er am Tag vor dem Abgabetermin "schlecht gelaunt". Die Donnerstage alle zwei Wochen sähen folgendermaßen aus.

Ich fange einigermaßen gut gelaunt an. Dann ist die Laune gegen 10 Uhr oder 11 Uhr morgens schon im Keller. Das wissen die Kinder auch schon, dass ich da Tür zu haben und eigentlich nicht ansprechbar bin. Dann geht es weiter tiefer in den Keller, ich will nicht sagen man wird depressiv, aber man hat wirklich schlechte Laune.

Bislang ging es aber immer gut, am Ende habe er rechtzeitig abgeliefert.

Stress wegen der Abgabe [1:06 Minuten]

Bremen zeichnet sich "relativ simpel"

Für den "Kurier am Sonntag" zeichnet Mette über bremische Themen. Dabei wohnt er selbst schon seit 1992 nicht mehr in der Stadt. Deshalb lese er viel, telefoniere mit Freunden, um sich auf dem Laufenden zu halten. Doch so schwierig sei es eigentlich gar nicht, Bremer Themen auf Papier zu bringen.

Das ist jetzt deprimierend für die Bremer, wenn ich das sage, aber in Bremen ändert sich nicht viel. 70 Jahre Sozialdemokratie haben zur Folge, dass, wenn man einmal den Bürgermeister zeichnen kann, kann man den die nächsten 20 Jahre zeichnen.

Warum es einfach ist, Bremen zu zeichnen [59 Sekunden]

Bielefeld

Übrigens: Til Mette stammt aus Bielefeld. Und der Witz von "der Stadt, die es gar nicht gibt" kommt bei ihm gar nicht an. Denn er habe gute Erinnerungen an die Reformschule, die er dort besuchte.

Ich habe das als unglaubliche Befreiung empfunden aus dem gymnasialen Terror herauszukommen in einer Schule, die unglaubliche Freiheiten bot. Das verbinde ich mit Bielefeld. Dass Bielefeld in den 70er Jahren reformpädagogisches Konzept für die Leute geliefert hat, die in keiner anderen Stadt Deutschlands so gemacht worden sind. Das ist für mich eine der wichtigen Erinnerungen an Bielefeld.

Und wir erinnern uns gerne an unseren Frühlingsgast Til Mette.

Das ganze Gespräch zum Nachhören::
Cartoonist Til Mette [46:35 Minuten]

Porträt Til Mette [4:18 Minuten]

Moderation: Alexander Brauer

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 29. April 2017, 13 Uhr

Genaue Adresse:
Artcafé im Horst-Janssen-Museum
Am Stadtmuseum 4-8
26121 Oldenburg

Veranstaltungstermin:
29. April 2017, 11:00 Uhr

Veranstaltungen