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Kurz und gut

Ein neues Herz

Die Morgenandacht

28. April 2017, 5:55 Uhr

Klaus Priesmeier [Quelle: Klaus Priesmeier]
Klaus Priesmeier, Superintendent [Quelle: Klaus Priesmeier]

 Das ist so noch nicht da gewesen. Das war, bei den ersten Christen, ein ganz neuer Weg, eine ungewohnte Weise, an Gott zu glauben. Gott brauchten die Menschen doch, damit er sie segnet. Damit ihr Leben rund läuft. Dazu soll Gott uns Menschen helfen. Dazu braucht man ihn doch. Ja, wozu denn sonst?                                                                                                                        
Braucht man ihn? Geht es lange gut, ist die Not weit weg und vor allem bei den anderen – dann brauche ich ihn ja doch nicht. Geht doch auch so. Nehme ich dann noch all die Widersprüche im Leben und die vielen unlösbaren Fragen wahr, die Welt und Leben uns präsentieren – dann sagt so mancher: da oben ist nichts. Mag sein, der Glaube tut denen gut, die Gott brauchen. Zum Glück gehören wir selber nicht dazu. Läuft doch.                                                                                                                   
Dann kommt er. Jesus. Dankbar und fröhlich feiert er mit den Menschen das Leben, Gottes Gabe. Da sagen etliche: er ist ein Fresser und Weinsäufer. Aufmerksam und einfühlend hilft er denen auf, deren Leben bedrückt und verkrümmt ist. Da sagen viele: ein Wundertäter – wer weiß, woraus er seine Kraft zieht!? Aus Sackgassen voller Schuld schenkt er neue Anfänge – in Gottes Namen. Da protestieren die Frommen: darf der das? Er stört alles, was sie für richtig halten. Und er stört die Ordnung der Mächtigen. In ihr sind richtig und falsch, Licht und Dunkel klar aufgeteilt. Mit welchem Recht bringt er das durcheinander?
                                                                                                                     
 Das ist noch nicht da gewesen: eine Gottesmacht, die nicht die ohnehin schon Mächtigen stützt. Die sagt: Selig die Sanftmütigen – sie werden das Erdreich besitzen. Eine Gottesbarmherzigkeit, die von den Menschen nicht fordert, was sie gar nicht bringen können, sondern die sagt: ich steh für dich ein. Selig, die mit Gott – wie er – barmherzig sind. Das ist noch nicht da gewesen, ein Gottglaube, der nicht sagt: Gott, gib und dies und schaff uns das, damit es uns gut geht. Sondern: Selig, die hungert und dürstet nach Gerechtigkeit – sie sollen satt werden.                                               
 Ist das nicht eine weltfremde Gestalt, die diesen Weg unter uns einschlägt? Sie setzen ihn fest und hängen ihn ans Kreuz. Anderen hat er geholfen – nun helfe er sich selbst! Doch er stirbt. Steht ein für den Weg, den er ging, bis zum Schluss. Ein Irrender – oder gar ein Irrer? Das ist so noch nicht da gewesen. Das war ein ganz neuer Weg, eine ungewohnte Weise, an Gott zu glauben.                                                      
Doch die ihm glauben, die spüren ein neues Herz in sich schlagen. Die merken, was ein neuer Geist in ihnen wirkt. Und sie lassen sich sagen: ein jeder sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war. Er ging seinen Weg voller Hingabe und Liebe.Und wirkt Neues –selbst noch durch das Kreuz hindurch.

Autor: Klaus Priesmeier, Superintendent

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