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Kurz und gut

Warten als Chance

Die Morgenandacht

23. März 2017, 5:55 Uhr

Pastorin Elisabeth Seydlitz [Quelle: Bremische Evangelische Kirche]
Pastorin Elisabeth Seydlitz aus Oldenburg [Quelle: Bremische Evangelische Kirche]

„Du glaubst nicht, was heute passiert ist!“ Meine Tochter jubelt  ins Telefon.
Sie lebt und arbeitet zur Zeit sehr weit fort -  in Afrika. Miteinander telefonieren ist besonders. Meistens ist die Verbindung schlecht, das Gespräch wird mehrmals unterbrochen. Heute ist das anders.

„Keine Ahnung – was kann denn passiert sein? Hat es geregnet? Gibt es frische Mangos?“ Ich rate eine Weile, dann hält sie es nicht mehr aus: „Das Paket ist angekommen!“
Ich fasse es nicht. Ein sattes halbes Jahr ist es her, seit ich dieses Paket im Oktober liebevoll verpackt auf die Reise geschickt habe. Ein erster Gruß aus der Heimat in die große weite Welt. Sehnlichst erwartet von unserer Tochter. Beinahe täglich lief sie zur Poststation. Voller Hoffnung, voller Vorfreude. Und wieder nur ein Kopfschütteln. Nein, wir haben leider nichts für Sie. Morgen. Vielleicht. Tag für Tag. Woche für Woche.

Und nun das! Diese Überraschung! Völlig unerwartet! Ich freue mich mit ihr. Nicht nur darüber, dass sie endlich viele schöne Dinge auspacken kann. Auch darüber, dass ihr Warten sich gelohnt hat.
Monate lang warten auf ein Paket – absolut ungewöhnlich in einer Zeit, in der wir das Warten aus unserem Alltag verbannt haben. Wir bestellen online und nutzen den overnight – express. Wir trinken Coffee to go, essen Fast Food, sind über Whatsapp zeitnah informiert.

Wir vermeiden es zu warten, wo wir nur können. Wir haben unsere Zeit gerne selbst in der Hand und entscheiden, womit wir sie füllen.  Dabei vergessen wir, dass es Dinge gibt, die ohne Warten nicht zu haben sind.
Jesus selbst spricht dem Warten eine hohe Würde zu. In einem Gleichnis sagt er: „Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und aufsteht, Tag und Nacht, und der Same geht auf und wächst, er weiß nicht, wie.“

Es gibt Dinge, die haben wir nicht in der Hand. Die brauchen Zeit zum Wachsen. Wir können nichts beschleunigen. Nur warten. Und vertrauen.

Autorin: Elisabeth Seydlitz, Pastorin

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