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Krimi-Tipp

Die Lieferantin

20. Juli 2017

Einen Lieferservice gibt es heutzutage für fast alles: Bücher, Pizza, Lebensmittel und Haushaltsgeräte... In der Welt der Autorin und Bremer Krimipreisträgerin Zoë Beck geht es noch weiter: Da werden auch Drogen per Drohne an die Kunden geliefert. Sauber, schnell und anonym.

Cover: Die Lieferantin [Quelle: Suhrkamp Taschenbuch]
Zoë Beck: Die Lieferantin, Suhrkamp Taschenbuch, 2017 [Quelle: Suhrkamp Taschenbuch]

Anja Goerz hat gelesen, wie "Die Lieferantin" arbeitet.

Zoë Beck: Die Lieferantin [3:34 Minuten]

"Die Lieferantin" wird auch als der erste Brexit-Krimi gehandelt – wieso denn das?

Zoë Beck malt hier eine Vision Großbritanniens nach dem Ausstieg aus der EU, also nach dem Brexit. Sie beschreibt einen möglichen Druxit, über den per Referendum abgestimmt werden soll. Da könnte man sich auf Seiten der sehr konservativen Regierung stellen, die will ein komplettes Verbot aller Drogen und jeden Drogengebrauch unter schwere Strafen stellen.

Oder aber man stimmt für eine Legalisierung mancher Drogen, das wiederum ist natürlich nicht im Interesse der Drogenhändler, weil die ja ihre Geschäftsgrundlage verlieren würden, wenn man seinen Stoff in der Apotheke bekommt. In diesem Roman gibt es also die "Lieferantin", die mit ihren Einnahmen eine Legalisierungskampagne unterstützt – und dann gibt es die Regierung, die alles daran setzt, die Menschen so zu steuern, dass sie selbst denken, sie wollen das absolute Verbot.

Die Autorin ist da übrigens ganz bei ihrer Protagonistin, sie hat nämlich selbst mehrfach in Interviews für eine kontrollierte Drogenabgabe ausgesprochen. Das sei besser, als den illegalen Handel durch das komplette Verbot zu fördern, an dem dann die falschen Leute verdienen.

Worum geht es in diesem Krimi?

Ellie Johnson heißt die Frau mit der sagenhaften Geschäftsidee. Sie hat eine App in Umlauf gebracht, mit der man seinen Stoff bestellen kann. Und die Drogen kommen dann an einen, erst kurz vor Übergabe vereinbarten Ort, eingeflogen von hochmodernen Drohnen. Anonym und sicher also. Aber natürlich kann man mit so einem Geschäftsmodell nicht einfach nur Erfolg haben. Die Händler, die auf die übliche Weise ihre Drogen verticken, die wollen Ellie am liebsten tot sehen und setzen ein Kopfgeld auf sie aus. Und sie weiß nie, wo die Feinde sitzen und hinter welcher Ecke gerade Gefahr lauert.

Was macht diesen Krimi besonders?

Zoë Beck ist eine Autorin, die beängstigend realistisch über diese neue Zeit schreibt: eine Welt, in der die Konservativen immer mehr Gehör finden. In ihrem Großbritannien wollen die Regierenden Drogenmissbrauch unter harte Strafen stellen. Sie hat sich eine Post-Brexit-Situation vorgestellt, die ausländerfeindlich, EU-feindlich und egoistisch ist. Das ist in Zeiten von AfD, Trump und Wilders sehr naheliegend und vorstellbar. 

Da wird vieles sehr nah und eindrücklich geschildert. Sehr genau recherchiert und überlegt. Und leider hat die Vorstellungskraft die Autorin ja überholt: Zoe Beck, die lange in Großbritannien gelebt hat, hat nie wirklich an einen Brexit geglaubt. Das Buch hat sie vor der Abstimmung geschrieben. Bis kurz vor dem Druck hat sie noch gehofft, dass sie alles umschreiben muss, weil die Briten sich doch noch anders entscheiden. Und jetzt liest sich das alles gar nicht wie Science-Fiction.

Dein Fazit

Unbedingt lesen! Fesselnd, unterhaltsam und sehr klug. Ich möchte den Buchhändler Hauke Hader aus Kiel zitieren, der in seinem Blog Leseschatz geschrieben hat: "Wenn schon Drogen, dann Bücher wie dieses".

Buchinfos:
Zoë Beck: Die Lieferantin, Suhrkamp Verlag, 326 Seiten, 14,95 Euro

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, Der gute Morgen, 20. Juli 2017, 9:20 Uhr

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