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Buch-Tipp

Mohnblumen aus dem Irak

27. Juni 2017

In ihrer Graphic Novel hat die irakisch-französische Comic-Künstlerin Brigitte Findakly ihre Erlebnisse im von Putschen, Diktaturen und auch Krieg gebeutelten Irak in Worte und Bilder gefasst – gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Comiczeichner Lewis Trondheim.

Buchtitel "Mohnblumen aus dem Irak" [Quelle: Reprodukt]
Brigitte Findakly, Lewis Trondheim: "Mohnblumen aus dem Irak", Reprodukt, 2017 [Quelle: Reprodukt]

Brigitte Findakly hat ihre Kindheit in den 1960er und 1970er Jahren im Irak erlebt – bevor sie mit ihren Eltern nach Paris ausgewandert ist. Ihr Buch ist gerade auf Deutsch erschienen. Kerstin Burlage stellt es vor.

Mohnblumen aus dem Irak [4:08 Minuten]

Ist "Mohnblumen aus dem Irak" ein trauriger Comic?

Ja und nein. Zunächst ist es ein charmanter Comic, ansprechend gezeichnet von Lewis Trondheim und liebevoll koloriert von Brigitte Findakly. Es werden positive Bilder transportiert, mit Leichtigkeit und gute Erinnerungen von Brigitte Findakly. Mit kindlichem Blick beschreibt sie Menschen, die sie mochte, Spiele von früher, Essen, das sie gerne mochte. Aber sie beschreibt auch politische Umstürze. Die Familie wurde bedroht, auch später noch in Frankreich. Das ist sehr traurig und teilweise bestürzend.

An welche Bedrohung erinnert sich die Autorin denn zum Beispiel?

Sie ist relativ behütet aufgewachsen. Der Vater Zahnarzt, die Mutter eingewanderte Französin. Sie hat einen Bruder. Gelebt hat die Familie in Mossul, in einem geräumigen Haus. Die Eltern sind Christen. Schon in den 60ern gab es einen Konflikt mit Muslimen: fanatische Christen haben Muslime getötet und dann umgekehrt. Der Vater fühlte sich bedroht. Brigitte hat als Kind misstrauische Menschen und Staatsüberwachung erlebt. Der Vater war von Arbeitslosigkeit bedroht. Und unter Saddam Hussein gab es dann Lebensmittelknappheit. Die Familie wanderte nach Frankreich aus. Sie war 14 und erlebte Ignoranz und Rassismus in der Schule.

Also bekommt man ein besonders persönliches Bild vom Irak?

Ja, wir sehen das Land durch die Brille Findaklys. Das ist nicht immer einfach. Anstrengend zu lesen waren die vielen Sprünge. Oft zusammenhangslos, wie Fetzen. Andererseits ist diese kindliche Perspektive sehr schön und ehrlich.

Fazit

Eine Buchempfehlung für alle, die sich für den Irak interessieren und die Konflikte dort besser verstehen wollen – und auch die historischen Hintergründe für die Migration heute. Das Verdienst von Findakly und Trondheim liegt darin, dass sie die Erinnerung bewahren an ein Land, das gerade zerbombt wird.

Buchinfos:
Brigitte Findakly und Lewis Trondheim "Mohnblumen aus dem Irak", Reprodukt, 18 Euro

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, Der gute Morgen, 27. Juni 2017, 9:20 Uhr

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