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Gila Lustiger

Autorin

6. Dezember 2016, 13:05 Uhr

Ihr Essay "Erschütterung über den Terror" machte Gila Lustiger zur gefragten Interview-Partnerin im aktuellen Tages-Journalismus. Dabei sieht sie sich selbst eher als Stubenhockerin, die in Ruhe sinnieren möchte. Zum Beispiel über ihr neues Roman-Projekt, für das sie Biografien von Holocaust-Überlebenden erforscht.

Eine Frau sitzt vor Publikum: Gila Lustiger [Quelle: Imago, Müller-Stauffenberg]
Gila Lustiger [Quelle: Imago, Müller-Stauffenberg]

Für ihr neues Buch recherchiert Gila Lustiger auch die Biografie ihres eigenen Vaters Arno Lustiger, der als polnischer Jude mehrere Konzentrationslager und Todesmärsche überlebte. Mit der Familie hatte der Vater nie über diesen Teil seiner Vergangenheit gesprochen.

Das ist sehr typisch für Familien von Überlebenden, dass die Eltern entweder darüber reden und dann nur darüber reden oder – wie mein Vater – versuchen, uns zu schonen.
Gila Lustiger: Erschütterung – Über den Terror [Quelle: Berlin Verlag]
Gila Lustiger: Erschütterung – Über den Terror [Quelle: Berlin Verlag]

Trotzdem fühlte sich Gila Lustiger wie eine Art "lebendiges Anschauungsmaterial", wenn im Gemeinschaftskunde-Unterricht "Holocaust" auf dem Lehrplan stand. Noch vor dem Abitur verließ Gila Lustiger schließlich ihre Geburtsstadt Frankfurt. Sie studierte in Israel Germanistik, bevor sie dann nach Paris zog, wo sie seit 30 Jahren lebt und schreibt.

Erschütterung über den Pariser Terror

Für ihren autobiografischen Roman "So sind wir" war sie 2005 für den deutschen Buchpreis nominiert, in ihren jüngsten Werken analysiert sie die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen in Frankreich. Ihre Recherchereisen führten sie in trostlose Banlieues und abgelegene Provinzen. In ihrem Essay "Erschütterung über den Terror" versucht die Jüdin Gila Lustiger, die Motivation junger islamistischer Selbstmordattentäter zu analysieren, die Paris in jüngster Zeit erschüttert haben.

Unter den Opfern waren auch viele Kinder, Jugendliche und junge Menschen mit Migrationshintergrund. Sie haben eigentlich die umgebracht, die aus den gleichen Vororten kommen wie sie, und die mit ihnen aufgewachsen sind. Und ich wollte für mich verstehen: "Wie ist so etwas möglich?"

Schriftstellerin Gila Lustiger ist die Tochter einer israelischen Mutter und eines deutschen Juden, des Historikers Arno Lustiger. Zu Gast in "2 nach 1" erzählt sie die Geschichte ihrer Familie und spricht über ihre neuen Roman-Ideen.

Das Gespräch zum Anhören:
Gila Lustiger [38:12 Minuten]

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