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Andrea Wulf

Autorin

6. August 2017, 13:05 Uhr

Sie hat Designgeschichte in London studiert – bekannt geworden ist Andrea Wulf jedoch als Bestsellerautorin. Fünf Sachbücher hat sie inzwischen veröffentlicht. Für ihr Buch "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur" ist sie auf Humboldts Fußspuren gewandelt und ihm nachgereist.

Andrea Wulf vor einer Hütte [Quelle: Privat über C.Bertelsmann Verlag]
Andrea Wulf vor der Hütte Humboldts in den Anden [Quelle: Privat über C.Bertelsmann Verlag]

Alexander von Humboldt war der bekannteste Wissenschaftler seiner Zeit. Noch heute begegnet er uns in Straßen- oder Pflanzennamen, sogar ein Mondmeer wurde nach dem deutschen Universalgelehrten benannt. Und in Bremen hat gerade das Traditionsschiff "Alexander von Humboldt" an der Weserpromenade dauerhaft festgemacht. Doch im englischsprachigen Raum ist er heute kaum bekannt, sagt die Historikerin Andrea Wulf. Die Idee, ein Buch über Humboldt zu schreiben, hatte sie bereits im Jahr 2007.

Auf Humboldts Spuren durch den Regenwald

Für die Buchrecherche war sie nicht nur in Archiven und Bibliotheken auf der ganzen Welt. Sie reiste auf Humboldts Spuren auch nach Südamerika. Anders als Humboldt tat sie dies jedoch in Etappen, nur begleitet von ihrer besten Freundin. Es wurde eine Reise durch Regenwälder und auf mehrere Vulkane. Auf dem Antisana, einem Vulkan auf Ecuador, fanden sie auf 4.000 Meter Höhe tatsächlich die Hütte, in der Humboldt eine Nacht verbracht hat.

Das war ein ganz toller Tag. In dem Moment, in dem wir die Hütte gefunden haben, tauchte eine Herde wilder Pferde auf, und über uns kreisten vier Kondore. Das war ein ziemlich guter Recherchetag, muss ich sagen.

Als Deutsche in London

Cover: Andrea Wulf, Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur, C. Bertelsmann [Quelle: C. Bertelsmann, Saskia Manners]
Andrea Wulf, Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur, C. Bertelsmann [Quelle: C. Bertelsmann, Saskia Manners]

Das Jahr 2016 stand für Andrea Wulf ganz im Zeichen Humboldts. Zwischen Lesereisen und Vorträgen zu Humboldt verbrachte sie nur wenige Tage in ihrer Wahlheimat London, in der sie inzwischen schon 20 Jahre lebt. Besonders angetan hat es ihr die Sprache. Englisch sei die perfekte Sprache für naturwissenschaftliche Texte, sagt Andrea Wulf. Aber auch wenn sie sich in London sehr wohl fühlt – einige Eigenheiten hat sie sich doch bewahrt. Unter Freunden ist sie bekannt für ihre "german" Pünktlichkeit. Auch trinkt sie lieber Kaffee als Tee und freut sich nach langen Lesereisen immer sehr auf einen selbstgebrühten Espresso.

Und was kommt nach Humboldt? Andrea Wulf weiß es noch nicht. Sie hatte wegen ihrer Lesereisen und Veranstaltungen keine Zeit, um sich monatelang in Archiven auf der Suche nach einem neuen Thema zu vergraben.

Das Hauptproblem ist eigentlich, dass es mir absolut unmöglich erscheint, irgendwas zu finden, was mir so viel Spaß bringt wie Humboldt. Wie soll ich denn jemals so eine Figur wiederfinden, der in der Welt so vergessen ist, aber der berühmteste Gelehrte seiner Zeit war? Alles, was ich mir angucke und worüber ich nachdenke, ist unglaublich langweilig gegenüber Humboldt.

Das Gespräch zum Anhören:
Andrea Wulf [36:27 Minuten]

Moderation: Ziphora Robina

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 6. August 2017, 13:05 Uhr

Mehr Informationen:

Jürgen Feder Andrea Diener Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser
Mehr zur Sendereihe "Gesprächszeit"