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CD-Tipp

So You Wannabe An Outlaw

Der Hardcore Troubador meldet sich zurück.

20. Juli 2017

Selbst die junge amerikanische Songwriter-Generation versteht sich heute oft als Erbe alter Country-Rebellen wie Johnny Cash und Willie Nelson. Auch der heute 62-jährige Steve Earle zählt zu den großen Rebellen der Americana. Seine Karriere begann vor mehr als 30 Jahren. Nun hat er ein neues Album vorgelegt.

Cover: Steve Earle & The Dukes - So You Wannabe An Outlaw [Quelle: Warner Bros.]
Cover: Steve Earle & The Dukes - So You Wannabe An Outlaw [Quelle: Warner Bros.]

Der ewige Rebell

Heute ist Steve Earle nicht nur Musiker, sondern auch erfolgreicher Romanautor, Schauspieler und Radio DJ. "Outlaw Radio" – so heißt die Radioshow von Steve Earle im amerikanischen Satellitenradio. Und das "Outlaw"-Prinzip gilt auch in seiner eigenen Musik. Keine Anbiederung an den Country-Mainstream, ganz nah am wahren Leben, politisch progressiv, auf raue Art poetisch. Mit "Du willst also ein Outlaw sein?" könnte man den Titel des neuen Earle-Albums übersetzen. Im Titel liegt zweierlei: einerseits das Freiheitsstreben des ewigen Rebellen – im Titelsong selbst dazu die Feststellung: Ganz so einfach ist das nicht.

Steve Earle war bei aller Verbundenheit mit der Country-Tradition immer auch ein subversiver Künstler – in seiner Musik wie auch privat. Er war siebenmal verheiratet, lange drogenabhängig, saß im Knast, überlebte nur mit Glück. Doch hinter der rauen Fassade verbirgt sich ein Poet und ein Amerikaner, der die Straßen und die Menschen kennt. Als "Hardcore Troubadour" hat man Steve Earle oft und gern bezeichnet. So klingt er auch hier wieder. Gemeinsam mit seiner Band "The Dukes". Adelig klingt es aber nicht, eher unpoliert und rustikal.

Kein sanfter Barde

Privat ist er heute wieder solo. Auch die siebte Ehe floppte, nachdem ihn Songwriter-Ehefrau Alison Moorer für einen (Zitat Earle) "jüngeren und weit weniger talentierten Songwriter" wie ihn verließ. Was bleibt, ist der gemeinsame autistische Sohn. Heute ein wichtiger Lebensinhalt für Steve Earle. Es gibt also naturgemäß auf diesem neuen Album auch einige Balladen, die davon berichten, was so passiert ist. Einmal auch im Duett mit Country-Star Miranda Lambert. "This Is How It Ends".

Steve Earle ist nach seinen Anfängen in Texas und Nashville seit Jahren ein leidenschaftlicher New Yorker. Lebt in Greenwich Village, dort wo einst Dylan und Co. die Folk-Music der USA neu definierten. Wie Dylan ist auch Steve Earle kein sanfter Barde.  Auch er lässt es gern mal krachen. Zum Beispiel im Gefängnis-Song "Fixin‘ To Die", den man sich auch von Led Zeppelin vorstellen könnte. Und so geht der "Hardcore Troubadour" weiter trotzig seinen Weg. Ihn wird nur noch wenig schrecken können, denn er ist ein Überlebender gegen alle Prognosen. Wenn man diese Stimme heute hört, so kann man vieles in ihrer amerikanischen Schärfe entdecken. Einen starken Intellekt, viel Leidenschaft, viel Herz. Zum Beispiel im Finale des Albums. Ein Abschiedsgruß für das verstorbene texanische Songwriter-Idol Guy Clark. "Goodbye Michelangelo" – einen Song wie diesen hätte Steve Earle selbst irgendwann auch verdient.

Steve Earle & The Dukes: So You Wannabe An Outlaw [4:12 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 20. Juli, 11:40 Uhr.

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