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The Queen Of Hearts

1. August 2017

Wenn sich eine Band nach einem sagenumwobenen britischen König des 18. Jahrhunderts benennt, dann kann man ahnen, das Folk-Traditionen vergangener Zeiten womöglich eine Rolle spielen. "Offa Rex" heißt dieser Zusammenschluss der amerikanischen Indie-Band "The Decemberists" mit der britischen Folksängerin Olivia Chaney.

Cover: The Queen of Hearts [Quelle: Nonesuch]
Offa Rex: The Queen of Hearts [Quelle: Nonesuch]

Balladen und Songs vergangener Zeiten

Sie waren schon immer alten Mythen und Legenden zugeneigt. "The Decemberists" aus Portland, Oregon, schreiben auch gern selbst Songs in alter Balladen-Form. Wie Troubadoure aus fernen Zeiten, sind Colin Meloy & Co gern erzählerisch und mythisch. In ihrer neuen Inkarnation als "Offa Rex" jedoch geht es in die echte englische Folk-Tradition – mit Balladen und Songs, die bis ins 17. Jahrhundert zurückführen. Gesungen werden sie zumeist von einer magischen neuen Folk-Stimme: Olivia Chaney.

Schon mit ihrem Album "The Longest River" von 2015 sorgte Olivia Chaney für Aufsehen. Die an Klassik und Jazz geschulte  Absolventin der Royal Academy Of Music in London ist die Entdeckung auf "The Queen Of Hearts" und wird  in der Tat zur Königin der Herzen. Olivia Chaney klingt wie eine moderne Wiedergeburt klassischer britischer Folkrock-Stimmen der Vergangenheit. Man denkt unweigerlich an Sandy Denny und Maddy Prior, an Fairport Convention und Steeleye Span. Die großen Folkrock-Bands der siebziger Jahre. Ein Beleg der These: Es kehrt alles einmal wieder, auch in der Musik.

Neue Magie, Stoff für die Ewigkeit

Man orientierte sich bei der Produktionsweise des Albums ganz an alten Mustern, spielte live im Studio, nahm analog auf. Es kommt der Musik zugute, denn sowohl atmosphärisch wie musikalisch ist alles aus einem Guss, geprägt von einem kollektiven Geist. Die Balladen aus dem Fundus des ersten und zweiten Folk-Revivals der 1950er und 70er Jahre erzählen Geschichten von zeitloser archetypischer Qualität. Sie so zu interpretieren, dass ihre Magie wie neu scheint, ist eine Kunst. "Offa Rex" beherrschen sie mit konzentrierter Leidenschaft. Und präsentieren einen Song, der auch einmal ein Pop-Hit war, damals in den Siebzigern.

Immer wieder diese Stimme – auch Mastermind Colin Meloy singt zwar ebenfalls ein wenig, doch die Britin ist der Star des Albums. Vor Instrumental-Arrangements, die konventionelles Rock-Instrumentarium mit Harmonium, Cembalo und Cello verbinden, singt Olivia Chaney mit hellem Timbre, taucht ein in die Geschichten der alten Songs. "The Queen Of Hearts" von "Offa Rex" ist ein wunderbares Album. Ein Album für ältere Folk-Aficionados aber auch für junge Indiepop-Hörer mit offenen Ohren. Nicht nur historische Obskuritäten aus dem bunten Reich der psychedelischen Folk Music vergangener Jahrzehnte werden heute neu entdeckt. Ein Projekt wie "Offa Rex" verdeutlicht dazu: Nicht nur Shakespeare lieferte Stoff für die Ewigkeit, auch die Lieder des Volkes, von den Sammlern der Folk-Revivals festgehalten für alle Zeit und zur permanenten Wiederentdeckung freigegeben.

Offa Rex: The Queen Of Hearts [4:07 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 1. August, 11:40 Uhr.

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