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CD-Tipp

Svalan

Magische Klangmalerei aus Europas äußerstem Nordosten

17. Juli 2017

Maria Kalaniemi gilt seit langem nicht nur in ihrer finnischen Heimat als Koryphäe am Knopfakkordeon. Zu Beginn der 80er Jahre war die heute 53-jährige Musikerin eine der ersten Absolventinnen des damals neu eingerichteten Studiengangs Volksmusik an der renommierten Sibelius-Akademie in Helsinki, an der sie später selbst als Dozentin landete. Ihre aktuelle CD "Svalan" stellt Andreas Kisters vor.

Cover: Svalan [Quelle: Galileo Music]
Maria Kalaniemi und Eero Grundström: Svalan [Quelle: Galileo Music]

Während des letzten Jahres, verrät Maria Kalaniemi im Booklet ihrer neuen CD, wanderte sie Hunderte von Kilometer durch das nördliche Karelien, jenem dünn besiedelten Landstrich im äußersten Osten Finnlands an der Grenze zu Russland. In Begleitung ihres Hundes durchstreifte sie endlose Wälder und schneebedeckte Landschaften, genoss die sanften Hügel wie die unzähligen, unberührten Seen.

Nordisch by nature

Sie lauschte Luchsen, Bären, Eulen und Adlern oder erfreute sich an kraftstrotzenden Wildblumenwiesen. All das scheint einzugehen in ihre Kompositionen – phantastische, poetische Klanglandschaften, die einen sofort in den Bann ziehen.

Dann zog es sie zurück ins Haus ihrer Kindheit auf dem Lande nahe Helsinki, wo sie mit ihrem Duopartner Eero Grundström die Aufnahmen für dieses heimelig-intime Album quasi im Wohnzimmer realisierte. Der als Mundharmonikavirtuose bekannte Eero Grundström begleitet Maria Kalaniemi ausschließlich mit einem orgelartig summenden Harmonium, mit dem er – auch das Cover des Albums zeigt es – so liebenswürdig-altmodisch daherkommt, als entspränge er gerade einem skurril-lakonischen Films des Regisseurs Kaurismäki.

Nebel im karelischen Nadelwald

Dass Maria Kalaniemi einen althergebrachten finnischen Tango auf Schwedisch singt, sollte nicht allzu sehr verwundern, schließlich ist sie als Kind schwedischer Eltern zweisprachig aufgewachsen. Im Übrigen erklärt dies auch die Unterstützung der schwedischen Kulturstiftung Finnlands für diese außerordentlich klangmalerische Plattenproduktion.

Während sich der Nebel über dem karelischen Nadelwald langsam lichtet, bleibt Zeit zur Betrachtung jener künstlerischen Fotocollage, die im Booklet sowohl Kalaniemis Wanderungen in wetterfester Kleidung als auch atemberaubende Landschaften und allerlei magische Stimmungen unter freiem Himmel zeigt.

... da darf es dann auch noch ein finnischer Tango sein

Während im Titelsong "Svalan" – auf Deutsch Schwalbe – der fröhliche Flug der Zugvögel mit Musetteanklängen begleitet wird, versetzt einen die folgende Ballade eher an ein Lagerfeuer inmitten ausgelassen feiernder osteuropäischer Roma…

Hier und da bereichert ein Gastmusiker mit Gitarre, Stimme oder Fidel das Geschehen. Am überzeugendsten wirken Maria Kalaniemi am Akkordeon und Eero Grundström am Harmonium indes in schlichter Duobesetzung, da darf es dann auch noch ein finnischer Tango sein.

Musik 1: Susi
Musik 2: Liljan
Musik 3: Sumu
Musik 4: Svalan
Musik 5: Kom alla mina bröder
Musik 6: Housutango

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 17. Juli 2017, 11:40 Uhr

Maria Kalaniemi & Eero Grundström: Svalan [3:31 Minuten]

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