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Kostspielige Delikatesse

Krabbenpreise steigen stark

20. März 2017, 18:29 Uhr

Feinschmecker müssen in diesen Tagen ganz stark sein: Krabben werden immer teurer. Weil die Fischer immer weniger von den Garnelen fangen, steigt der Preis. In Cuxhaven und Hamburg kostet ein Krabbenbrötchen mittlerweile zwischen 8 und 9 Euro. Und in Bremen?

Ein Krabbenbrötchen mit Salat. [Quelle: Imago, Henning Scheffen]
Nordseegarnelen, genannt Krabben, sind eine Spezialität. Die niedrigen Fangmengen machen sie im Moment zur kostspieligen Delikatesse. [Quelle: Imago, Henning Scheffen]

Der Trend zeichnet sich schon seit einigen Jahren ab: Seit 2014 ist der Erzeugerpreis für das ungepulte Kilo Krabben von knapp 4 Euro auf jetzt rund 10 Euro gestiegen. Der Grund: Die Fischer fangen immer weniger Krabben, damit steigt der Preis.

In Cuxhaven und Hamburg kosten Krabbenbrötchen zwischen 8 und 9 Euro. Bei Gosch in der Lloydpassage gibt es schon seit zwei Monaten keine Krabbenbrötchen mehr. Laut einer Verkäuferin seien die im Moment einfach zu teuer. Als es noch Krabbenbrötchen bei Gosch gab, haben sie 7 Euro gekostet, 100 Gramm Krabbenfleisch 9 Euro.

Extremer Preisanstieg

Der Bremerhavener Fischhändler Patrick Fiedler verlangt für ein Krabbenbrötchen 6 Euro. Gewinn macht er damit keinen. "Wenn wir das verlangen würden, was wir eigentlich verlangen müssten, würden wir nichts verkaufen", sagt er. Noch mehr verlangen will er für ein Krabbenbrötchen erst einmal nicht.

Beim alteingesessenen Fischladen Bodes in der Bremer Innenstadt gibt es noch Krabben. Aber auch dort ist der Preis der Nordseegarnelen stark angestiegen. "100 Gramm Krabbenfleisch kosten bei uns 6,90 Euro", sagt Petra Koch-Bodes. Im vergangenen Jahr seien es noch 5,50 Euro gewesen. Auch für ein Krabbenbrötchen müssen die Kunden von Bodes tiefer in die Taschen greifen als im Jahr 2016: Es kostet momentan 5 Euro statt zuvor 4,50 Euro. Ähnlich sieht es bei Strothoff in der Neustadt aus: ein Krabbenbrötchen gibt es dort für 5,50 Euro, 100 Gramm Krabbenfleisch für 6,49 Euro.

Grafik: Die Preisschwankungen der Krabbenpreise pro Kilo von 2010 bis 2016. [Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Christof Kette]

Geringste Fangmenge seit 27 Jahren

Von einer Katastrophe will der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft deutscher Krabbenfischer, Philipp Oberdörffer, zwar nicht sprechen. Aber der Preisanstieg sei schon extrem. Oberdörffer vertritt etwa 100 Krabbenfischer, die ihre Netze an der gesamten deutschen Nordseeküste nach den Garnelen auswerfen. So wenig wie derzeit haben die seit 27 Jahren nicht gefangen.

"Einen solch starken Einbruch haben wir seit 1990 nicht erlebt", sagt Oberdörffer. Momentan würden die deutschen Krabbenfischer nur etwa 15 Kilo pro Stunde fangen. Normal seien 20 Kilo. Bereits im vergangenen Jahr hätten die deutschen Krabbenfischer mit etwa 6.000 Tonnen nur halb so viel gefangen wie 2015.

Der Wittling ist schuld

Oberdörffer weiß, warum die Fangmengen der Krabbenfischer derart eingebrochen sind: Es ist der Wittling. "Das ist ein dorschartiger Fisch, der sich in der letzten Zeit stark vermehrt hat", sagt Oberdörffer. Alle 20 bis 30 Jahre komme es vor, dass ein schwacher Krabben-Jahrgang auf einen starken Wittling-Jahrgang stoße. Und dann landen eben deutlich weniger Krabben als normalerweise in den Netzen. Denn: Der Wittling mag die Krabbe besonders gern.

Oberdörffer glaubt nicht, dass die "Krabben-Krise" länger andauert. Es könne sein, dass es bald schon wieder mehr werden. "Die Krabbe hat uns schon oft überrascht", sagt er. Vor dem Spätsommer, dem Start der neuen Krabbensaison, werden die Fangmengen wohl aber nicht steigen. Bis dahin könnte der Preis für ein Krabbenbrötchen also auch in Bremen noch weiter steigen.

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