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Stadtteiloper Nr. 7

Menuchims Reise

Premiere am 18. Mai

18. Mai 2017

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen hat mit Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Ost eine neue Stadtteiloper auf die Beine gestellt. Das Stück heißt "Menuchims Reise" und erzählt eine Auswanderergeschichte Anfang des 20. Jahrhunderts.

Szene aus dem Stück "Menuchims Reise" als 7. Stadtteil-Oper in Osterholz-Tenever. [Quelle: Radio Bremen]
Szene aus "Menuchims Reise" als 7. Stadtteil-Oper in Osterholz-Tenever.

Christine Gorny war bei einer Probe dabei:

Stadtteiloper "Menuchims Reise" [3:34 Minuten]

Eine bunte Schülerschar macht sich bereit

Rund um das große Zelt ist ein kleines Zelt-Dorf aufgebaut: mit Erste-Hilfe-Station, Catering, Maske und Umkleiden, in denen Teenagerinnen freiwillig in graue unförmige Filz-Kittel schlüpfen und ihr Haar zu züchtigen Zopffrisuren bändigen. "Menuchims Reise" erzählt die Auswanderungs-Geschichte einer osteuropäischen Familie über Bremerhaven nach New York Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine Migrationsgeschichte, wie sie ähnlich auch hundert Jahre später vielen Menschen in Tenever vertraut sein dürfte, schließlich leben hier fast 90 Nationen. Entsprechend bunt ist seine Schülerschaft, sagt der Schulleiter der Gesamtschule Ost Hans Martin Utz:

Wir haben so viele unterschiedliche Kinder hier, und die haben jetzt alle ein gemeinsames Ziel: es hier heute Abend gut hinzubekommen.

Alte Klänge neu arrangiert

Szene aus dem Stück "Menuchims Reise" als 7. Stadtteil-Oper in Osterholz-Tenever. [Quelle: Radio Bremen]
Szene aus "Menuchims Reise"

Die Oper beginnt mit dem 3. Satz der ersten Sinfonie von Gustav Mahler. Auch Musik von Prokofjew und Gershwin wurde für "Menuchims Reise" neu arrangiert. Nicht gerade der gängige Musikgeschmack der Schülerinnen und Schüler, die es "ein bisschen altmodisch" finden. Immerhin durften auch die Schülerinnen und Schüler bei der Inszenierung mitreden, erzählt die künstlerisch-pädagogische Leiterin des Zukunftslabors, Lea Fink:

Es ist wichtig, dass nichts von vornherein festgelegt ist, damit es authentisch wird.

500 Schüler sind dabei

Die Schülerinnen und Schüler spielen und tanzen auf der niedrigen Holzbühne in der Mitte des Zeltes in Kostümen, oder sie sitzen hinten im Orchester, direkt neben den Profis, andere singen im Chor. Insgesamt 500 Schülerinnen und Schülern, 22 komplette Klassen, so viele wie noch nie zuvor. Den Kunstlehrer Wolfgang Russek erstaunt das nicht:

Weil es sich unter Kollegen rumspricht, dass die Klassen hinterher einen besseren Zusammenhalt haben.
Szene aus dem Stück "Menuchims Reise" als 7. Stadtteil-Oper in Osterholz-Tenever. [Quelle: Radio Bremen]
500 Schüler machen mit.

Manche Schüler sehen ihre Teilnahme übrigens ähnlich pragmatisch:

Ist schön, jetzt keine Schule zu haben – ich mach's einfach mit, dann kann ich hinterher die Freizeit genießen.

Debüt von Dirigentin Barbara Rucha

Die Dirigentin Barbara Rucha feiert mit dieser Stadtteiloper ihr Debüt bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen – unter erschwerten Bedingungen. Schließlich gilt für das Orchester von Weltrang und das Schülerorchester derselbe Takt.

Ich muss die Schüler natürlich anders behandeln, die brauchen größere Gesten, bei den Profis reicht ein Wink mit dem Finger, aber die Schüler bemühen sich sehr.

"Zukunftslabor"

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen steht nicht nur für musikalische Spitzenqualität, sondern auch für vorbildliche kulturelle Bildungsarbeit. Vor zehn Jahren hatte das Orchester seine Proben-Räume in die Gesamtschule Bremen-Ost nach Tenever verlegt, in einen Stadtteil mit vielen sozialen Herausforderungen. Seitdem entstehen dort im sogenannten "Zukunftslabor" gemeinsame Projekte mit den Schülerinnen und Schülern. Aufführungsort ist ein großes Zelt auf der Wiese vor den Hochhäusern an der Neuwieder Straße.

Vorbild-Projekt

Davon haben sich auch Vertreter einer internationalen Hospitationsakademie überzeugen können, die extra angereist sind, unter anderem von der Grand Opera Houston, den Wiener Sängerknaben, der Royal Opera in Oman. Und für das BBC Concert Orchestra kündigt der Trompeter David McCallum bereits an, dass sie in London nach Vorbild der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ein ähnliches Projekt planen:

Wir suchen momentan eine Schule, mit der wir zumindest eine Beziehung haben werden. Ich denke, es wird schwierig, in einer Schule unterzukommen wie hier. Aber wir sind sehr beeindruckt von der wundervollen Zusammenarbeit hier. Sie sollten sehr stolz sein.

Und damit hat er ohne Frage Recht. Die Deutsche Kammerphilharmonie setzt mit dieser Stadtteiloper ihr Projekt in Tenever auf hohem Niveau fort.


Termine:
Die Premiere ist am 18. Mai um 19.30 Uhr im Zelt auf dem Grünen Hügel in Tenever. Eine weitere Vorstellung folgt am 19. Mai ebenfalls um 19.30 Uhr.

Stadtteiloper "Menuchims Reise" [3:13 Minuten]

Website der Stadtteil-Oper

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 18. Mai 2017, 15:10 Uhr

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