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Wilhelm-Wagenfeld-Haus

Logo – die Kunst mit dem Zeichen

19. Mai bis 8. Oktober 2017

17. Mai 2017

Unverwechselbar, einprägsam und reproduzierbar – das sind die Kriterien für ein erfolgreiches Logo. Auch Designer arbeiten wie Künstler mit geometrischen Formen und Signalfarben. Die Ausstellung im Wagenfeld-Haus zeigt die Verbindung von Zeichen und Logos mit der signalhaften Malerei in der Kunst.

Logos von Renault, Braun und der Deutschen Bank [Quelle: Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung, Montage]
Collage der Logos von Renault, Braun und Deutsche Bank [Quelle: Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung, Montage]

Inken Steen, Kunstkritikerin für das Nordwestradio, hat sich schon mal umgeschaut.

Das Logo und die Kunst [5:10 Minuten]

Wie begann die Geschichte der Logos?

Eher zufällig: Weil auf seinem Weinberg kein Wein wächst, gräbt ein Winzer die Erde auf und entdeckt eine sprudelnde Quelle. Auch nicht schlecht, denkt er sich, füllt das kohlensäurehaltige Wasser ab und nennt es einfach nach dem Schutzpatron des Weinbaus: Apollinaris. Jetzt beginnt eine Erfolgsgeschichte. Apollinaris verkauft sich gut, besonders auch im Ausland und wird natürlich kopiert. Also sucht der Besitzer des Unternehmens nach einem einprägsamen Zeichen mit hohem Wiedererkennungswert, das die Marke vor Plagiaten schützt. Wie er auf das rote Dreieck gekommen ist, weiß man nicht. 1885 wurde es als Markenzeichen eingetragen. Es wirkt bis heute modern und wurde nie verändert.

Viele Logos basieren auf einer geometrischen, farbigen Grundform. Wann wurden sie entwickelt?

Wolfgang Schmittel: Braun Konstruktionsraster, 1968 [Quelle: Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung]
Wolfgang Schmittel: Braun Konstruktionsraster, 1968 [Quelle: Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung]

Das war in den 1920er Jahren: Die konkrete Kunst, die auf geometrischen Formen basiert und nicht von der Realität abstrahiert, ist die Inspirationsquelle für die heutigen schlichten Logos. Viele konkrete Künstler arbeiteten auch in der angewandten Kunst. Ein Beispiel aus der Ausstellung: Ende des 19. Jahrhunderts warb die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft noch ganz im Stil des Historismus mit einer halbnackten Göttin, die eine Glühbirne in die Höhe hält. Dann passierte etwas Radikales: Die Walküre wurde in den Orkus geschickt und durch den klaren Schriftzug AEG ersetzt. Diese Wortmarke entwickelte sich weiter zum Firmendesign und damit auch zum Qualitätsmerkmal, sagt die Direktorin der Wilhelm Wagenfeld Stiftung, Julia Bulk:

Dass man beispielsweise einen Föhn herstellt und da steht dann der Firmenname drauf, AEG. Denn das ist eine unglaubliche Bedeutung, dass ich Produkte, von denen ich als Firma überzeugt bin, mit meinem eigenen Namen kennzeichne. Da kann sofort jeder sehen: Aha, das ist von AEG, und damit wird aus dem eigentlichen Firmenlogo eigentlich ein Qualitätssiegel.

Das erinnert an den angebissenen Apfel. Sieht man den auch in der Ausstellung?

Nein, Apple ist eine relativ junge Marke und ein eher ungewöhnliches Logo, weil es nicht abstrahiert. Die Ausstellung zeigt vielmehr die Entwicklung vor allem in Deutschland anhand von Einzelbeispielen. Braun, Deutsche Bank, Messe Frankfurt oder Audi sind dabei.

Woher kommen die vier Ringe von Audi?

Anton Stankowski: Logo Deutsche Bank [Quelle: Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung]
Anton Stankowski: Logo Deutsche Bank [Quelle: Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung]

Dafür gibt es einen triftigen Grund. Während der Weltwirtschaftkrise 1932 habe sich vier Fahrzeughersteller zusammengeschlossen – das zeigen die vier miteinander verbundenen Ringe. Seitdem wurden die Ringe immer wieder ein wenig variiert und zuletzt dem Smartphone angepasst. Den bis dahin dreidimensional wirkenden Ringen wurde ein Flat-Design verpasst. Ein anderes Beispiel: die Deutsche Bank, da wird nämlich klar, dass man auch für ein Logo werben sollte, erzählt die Direktorin, Julia Bulk:

Bei der Deutschen Bank war es so: Die hatten vorher gar kein Logo, und Anfang der 70er Jahre beauftragten sie Anton Stankowski, ein Logo zu entwickeln. Das machte er auch. Es ist ja ein supererfolgreiches Logo, aber es ist gerade eingeführt, und da kommt die Bildzeitung und titelt auf der Titelseite: Maler verdient mit fünf Strichen 100.000 Mark.

Das war natürlich eine negative Schlagzeile. Die deutsche Bank sah sich gezwungen, Anzeigen zu schalten, um alles zu erklären. So etwas kommt heute nicht mehr vor. Die Einführung eines neues Logos erfordert eine Marketingkampagne.

Wie erfahre ich als Besucher von diesen Geschichten?

Logos erzählen keine Geschichten. Man sieht zwar, wie sich ein Logo bildlich entwickelt, aber um mehr zu erfahren, muss man schon die Wandtexte lesen. Das macht die Ausstellung natürlich ein bisschen spröde.

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 17. Mai 2017, 15:10 Uhr

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