Home Gesellschaft Themen

Gesundheitsrisiko

Darum ist Shisha-Rauchen so gefährlich

20. April 2017

Shisha-Bars sind besonders bei jungen Menschen beliebt. Viele glauben, Wasserpfeife zu rauchen sei weniger schädlich als Zigaretten. Doch sie täuschen sich.

Gäste rauchen Wasserpfeife in einer Sisha-Bar [Quelle: Imago, HRSchulz]
Das gemeinsame Rauchen einer Wasserpfeife empfinden viele als nettes Gruppenerlebnis. Doch Rauchen bleibt ein Gesundheitsrisiko. [Quelle: Imago, HRSchulz]

"Viele Jugendliche experimentieren mit der Wasserpfeife", sagt Oliver Peters, Referent für Suchtprävention beim Landesinstitut für Schule. Er redet in seinen Präventionskursen immer wieder mit Schülern und Jugendlichen über die Themen Rauchen und Alkohol. Laut einer Untersuchung der Drogen-Beauftragten der Bundesregierung, hat mehr als die Hälfte der Jugendlichen zwischen 16 und 17 schon einmal eine Shisha geraucht. Für Bremen liegen zurzeit keine aktuellen Zahlen vor. Doch in den Gesprächen mit Jugendlichen sei die Shisha oft ein Thema, sagt Peters.

Mit dem Boom der Shishapfeifen werden die Bedenken lauter. Wie groß ist die Suchtgefahr? Wie gesundheitsschädlich ist der Rauch? Manche sagen, dass es gesünder sei, als Zigaretten zu rauchen. Ärzte hingegen warnen vor hohen Schadstoff-Mengen.

Autor/-in: Peter Gallasch
Länge: 3:05 Minuten
Datum: Donnerstag, 20. April 2017
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Vorurteil: Sisha-Rauchen sei weniger schädlich

Hartnäckig hielten sich die Vorurteile, wonach das Rauchen der Shisha gesünder sei als das Rauchen einer Zigarette. "Diese Frage stellen uns Jugendliche in den Präventionskursen oft", so Peters. Tatsächlich sei das Gegenteil der Fall, erklärt eine Studie im Auftrag der Drogen-Beauftragten der Bundesregierung:

Eine Wasserpfeifen-Sitzung dauert in der Regel eine Stunde. In dieser Zeit ziehen alle in der Runde meist über 100 Mal an der Pfeife. An einer einzelnen Zigarette ziehen Raucher hingegen lediglich 15 Mal. Mit jedem Zug an der Wasserpfeife inhalieren Shisha-Nutzer außerdem mehr Rauch. Ähnlich wie normaler Tabak enthält der Shisha-Tabak Nikotin und mindestens 82 weitere schädliche Substanzen. Darunter sind 27, die krebserregend sind oder im Verdacht stehen. Der Drogen und Sucht-Bericht kommt deshalb zu dem Ergebnis:

Eine Wasserpfeifensitzung entspricht für jeden Teilnehmer dem Rauch von 100 Zigaretten.

Drogen- und Suchtbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Juni 2016

"Hinzu kommt, dass der Rauch in der Shisha durch das Wasser abgekühlt wird. Man kann ihn so tiefer einatmen", sagt Oliver Peters. Denn gekühlten Rauch einzuatmen, fühle sich angenehmer an. Diese Empfindung sei aber trügerisch: "Dadurch dringen die schädlichen Stoffe viel tiefer in die Lunge ein und richten dort größere Schäden an als etwa beim Zigarettenrauchen", so Peters.

Cem raucht gerne Shisha. Warum, erklärt er hier.

Autor/-in: Peter Gallasch
Länge: 26 Sekunden
Datum:
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Shisha-Fans sehen das anders. Renaud Granier, Sprecher der Deutschen Shisha Vereinigung, hält die Studie für unseriös. Er sagt: "Es ist ja klar, dass Tabak schädlich ist." So leicht lasse sich eine Shisha-Sitzung aber nicht in Zigaretten umrechnen. Außerdem gebe es mittlerweile Shisha-Produkte, die ganz ohne Nikotin auskommen und deshalb weniger schädlich seien.

Schokoladen-Aroma lockt Jugendliche an

Für Oliver Peters macht das keinen Unterschied. Er sieht Shisha-Rauchen vor allem als Einstieg fürs Rauchen an sich. Tückisch seien vor allem die Geschmacksstoffe: Rauchzubereitungen für Shishas schmecken zum Beispiel nach Vanille, Apfel, Cappuccino oder Lakritze. "Und niemand weiß, wie es sich auf den Körper auswirkt, wenn man den Rauch dieser Aromastoffe einnimmt", so Peters. Er kritisiert, dass die Aromen gerade junge Menschen zum Rauchen verführten:

Wenn jemand Schokolade als Aromazusatz für Shishas entwickelt, dürfte klar sein, was hier die Intention ist. Darauf springen Kinder und Jugendliche ganz klar an.

Oliver Peters, LIS

Bisher ist das allerdings kein Trend bei Jugendlichen. "Heute rauchen deutlich weniger Jugendliche als noch vor einigen Jahren", sagt Peters. Und die meisten, die Shisha rauchten, rauchten auch Zigaretten. Viele probieren das Shisha-Rauchen zwar aus, werden aber nicht zu regelmäßigen Konsumenten.

Wasserpfeifen im Schaufenster eines Shisha-Ladens [Quelle: Radio Bremen, Lukas Lorenz]
Neue Shisha-Shops und Shisha-Bars tauchen im Stadtbild auf. [Quelle: Radio Bremen, Lukas Lorenz]

"Trotzdem bereiten uns die E-Zigaretten und auch die Shisha-Bars Sorgen", sagt Peters. "Es besteht die Gefahr, dass E-Zigaretten und Shishas die Erfolge bei der Rauch-Prävention durch eine Re-Normalisierung des Rauchens zunichte gemacht werden."

Autorinnen: Tanja Krämer und Sarah Kumpf

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. April 2017, 19:30 Uhr

Themen