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Betrügerische Kaffeefahrten

Rentner mit Demenz zahlt 10.000 Euro

18. Mai 2017

Ein Ausflug ins Grüne, kostenlose Verpflegung und jede Menge Geschenke – das versprechen Einladungen zu sogenannten Kaffeefahrten. Doch einen dementen Rentner kam das jetzt teuer zu stehen: Er gab rund 10.000 Euro für Nahrungsergänzungsmittel aus. Erinnern kann er sich daran nur teilweise.

Jemand steckt eine EC-Karte in ein mobiles EC-Kartenlesegerät. [Quelle: Imago, Westend61]
Manchmal werden Senioren auch im eigenen Haus übertölpelt. Die Verkäufer haben schon ein EC-Gerät dabei, so dass keine Zeit bleibt, über den Kauf nachzudenken. [Quelle: Imago, Westend61]

Peter Maurer (Name von der Redaktion geändert) aus Bremen-Lüssum ist gerne unterwegs, trotz seiner Demenz-Erkrankung. Immer wieder nahm er in der Vergangenheit an Kaffeefahrten teil. Diese Ausflüge organisieren Unternehmen meistens speziell für ältere Menschen. Das Ziel: Der Verkauf von Wärmedecken bis hin zu Hausmittelchen. Maurer war schon oft auf Tour, mit weitreichenden Folgen. Er habe nur einmal etwas Größeres gekauft, erzählt er. Doch das stimmt leider nicht, wie seine Tochter inzwischen weiß:

Ich weiß, dass er in letzter Zeit sehr oft mitgefahren ist, was ja zu diesem ganzen Drama geführt hat, mit diesen astronomischen Summen, die er für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben hat.

Ute Maurer, Tochter von Peter Maurer

Bankmitarbeiter informierte Angehörige

Die Konto-Abbuchungen waren so hoch, dass Anfang Mai bei einem Bankmitarbeiter die Alarmglocken schrillten. Bevor er 2.599 Euro zur Überweisung freigab, informierte er die Angehörigen. Ute Maurer ging der Sache nach, stellte fest, dass ihr Vater innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahre als Opfer einer betrügerischen Masche rund 10.000 Euro verloren hat.

Sogar Hausbesuche mit EC-Lesegerät sind vorgekommen, ganz abgesehen von psychologischen Tricks, mit denen die alten Leute um den Finger gewickelt werden. "Ich war wirklich schockiert, dass so etwas passiert, dass älteren Menschen solche Nahrungsergänzungsmittel aufgeschwatzt werden. Es ist nicht bewiesen, dass die irgendeine positive Wirkung auf altersbedingte Leiden haben", sagt Maurer. "Ich würde mir wünschen von der Politik, dass das wie in Österreich gehandhabt wird. Da ist es verboten, auf Kaffeefahrten Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen."

Senioren werden gezielt übertölpelt

Die Masche funktioniert meistens so: Zuerst werden sehr hohe Preise genannt, die dann aber auf ein nur jetzt gültiges, einmaliges Sonderangebot heruntergeredet werden. Die Verkäufer machen auf Kumpel, verkaufen Produkte an ahnungslose, gutgläubige Menschen zu völlig überzogenen Preisen, mit einer Gewinnspanne von teilweise mehr als 1.000 Prozent.

Das ist nicht mehr am Rande der Legalität, das ist sittenwidrig. Wir haben der Frau empfohlen, sich einen Anwalt zu nehmen und Anzeige zu erstatten, und beides hat sie bereits getan.

Regina Aschmann von der Verbraucherzentrale Bremen

Verbraucherzentrale: Widerrufsrecht nutzen

Die Namen der Personen aus dem Raum Cloppenburg, die im Fall Maurer als Verkäufer agierten, sind alles andere als unbekannt. Für eine Stellungnahme standen sie bislang nicht zur Verfügung. Wer meint, er müsse sein Essen durch spezielle Präparate ergänzen, solle das mit seinem Arzt besprechen oder sich in der Verbraucherzentrale Rat holen, sagt Aschmann. Sie rät dazu, das zweiwöchige Widerrufsrecht zu nutzen. Oder eben, wenn wie in diesem Fall nötig, Anzeige zu erstatten und vor Gericht zu ziehen. Regina Aschmann: "Der Vater ist dement, und ich finde, das macht die Sache besonders schlimm und besonders unmoralisch."

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 18. Mai 2017, 08.50 Uhr

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