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Astronautin-Anwärterin

"Wir müssen jetzt Russisch lernen"

20. April 2017

Sie hat es geschafft: Nicola Baumann, Eurofighter-Pilotin aus Köln hat zusammen mit der Meteorologin Insa Thiele-Eich den privaten Wettbewerb "Die Astronautin" gewonnen. Beide Damen werden jetzt zu Astronautinnen ausgebildet. Eine von ihnen wird voraussichtlich noch vor 2020 in den Weltraum starten. Radio Bremen hat mit Nicola Baumann gesprochen:

Nicola Baumann [Quelle: dpa, Michael Kappeler]
Nicola Baumann könnte noch vor 2020 als erste Deutsche in All fliegen. [Quelle: dpa, Michael Kappeler]

Radio Bremen: Es ist noch nicht sicher, ob Sie oder die andere Gewinnerin am Ende der Ausbildung ins All fliegen. Machen Sie sich trotzdem schon Gedanken darüber?

Nicola Baumann: Aber sicher. Ich freue mich sehr darauf, vor allem auf die Gelegenheit, die Ausbildung durchlaufen zu dürfen. Auch eine 50-Prozent-Chance ins All fliegen zu dürfen, ist schon eine ganz tolle Sache und eine große Ehre.

Radio Bremen: Sie sind Eurofighter-Pilotin bei des Bundeswehr in Köln. Sie sind Majorin, haben eine Offiziersausbildung gemacht und Maschinenbau studiert – insgesamt kann man sagen: Sie haben eine ganze Menge schon erledigt. Warum ist es für sie so ein großes Ziel zur ISS zu fliegen?

Baumann: Es ist ja ein alter Menscheitstraum, zu neuen Ufern aufzubrechen und Dinge zu entdecken. Und wir haben auf der Erde schon ganz viel entdeckt, die letzte Grenze ist nun der Weltraum, den ich sehr inspirierend finde. Da kommen Pioniergeist, Forschung und Abenteuer zusammen und natürlich eine ganz spannende Ausbildung.

Radio Bremen: Die Ausbildung beginnt ja jetzt. Was kommt da auf Sie zu?

Baumann: Das ist eine ganz vielfältige und breit gestreute Ausbildung. Es geht jetzt damit los, dass wir russisch lernen müssen, weil auf der Internationalen Raumstation (ISS) englisch und russisch gesprochen wird. Wir machen Parabelflüge, um uns an die Schwerelosigkeit zu gewöhnen und eine Tauchausbildung, weil das so ähnlich ist, wie wenn man in einem Astronautenanzug steckt. Und natürlich haben wir ganz viel Theorieunterricht zur ISS: Was gibt es da oben für Systeme? Wie funktionieren sie? Was macht man, wenn sie mal nicht so gut funktionieren?

Radio Bremen: Sie könnten die erste Deutsche im All werden. Wäre das ein großer Schritt für die deutschen Frauen oder eher für Sie persönlich?

Baumann: Ich glaube für alle. Für mich persönlich und für die Frauen, die dadurch mitrepräsentiert werden sollen, ist es natürlich eine ganz tolle Sache. Aber es ist auch für die Deutschen an sich ein großer Schritt: Wir sind eine Raumfahrtnation. Wir leben davon, dass wir ein Hochtechnologie-Standort sind und kluge Köpfe haben. Und dann nur Astronauten ins All zu schicken und die andere Hälfte der Bevölkerung ausser Acht zu lassen, ist irgendwie schade.

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 20. April 2017, 8:10 Uhr

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