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Rätsel um Haschischkuchen

Ist Cannabis lebensgefährlich?

17. März 2017

Kann ein Haschischkuchen eine lebensgefährliche Vergiftung auslösen? Nein, sagt der Deutsche Hanfverband. Und trotzdem musste in Bremen eine 25-Jährige wiederbelebt werden, nachdem sie von einem solchen Kuchen gegessen hat. Der Verband hat dafür eine andere Erklärung. Der stellvertretende Geschäftsführer Florian Rister, erklärt, wie die aussieht.

Bildmontage: ein Gugelhupf und eine Marihuana-Pflanze. [Quelle: DPA, Daniel Karmann und Valerie Hamilton, Montage Radio Bremen]
Es ist unklar, inwieweit der mit Cannabis gebackene Kuchen, Ursache für die Vergiftung war. [Quelle: DPA, Daniel Karmann und Valerie Hamilton, Montage Radio Bremen]

Radio Bremen: Herr Rister, in Bremen haben am Donnerstag zwei Mitarbeiterinnen in einem Flüchtlingsheim Kuchen gegessen und klagten kurz darauf über Übelkeit und kamen ins Krankenhaus. Eine 25-Jährige musste in der Klinik sogar wiederbelebt werden. Mittlerweile ist sie außer Lebensgefahr. Wie sich später herausstellte, war in den Kuchen Cannabis eingebacken, was die Frauen nicht wussten. Haben Sie schon einmal gehört, dass Cannabis eine lebensbedrohliche Vergiftung auslösen kann?

Florian Rister: Nach unserer Erfahrung ist Cannabis nicht lebensgefährlich. Es gibt jedoch Tierexperimente, die das nahelegen. Hochgerechnet müsste ein erwachsener Mensch zwischen einem und drei Kilogramm Cannabis mit einem Wirkstoffanteil von 10 bis 20 Prozent zu sich nehmen, um in einen lebensbedrohlichen Zustand zu kommen. Aber das wurde nie nachgewiesen.

Radio Bremen: Kennen Sie trotzdem Fälle, bei denen Menschen wegen Cannabis-Konsum gestorben sind?

Florian Rister: Wir kennen keinen bewiesenen Fall, wo man sagen kann: Da ist jemand an Cannabis gestorben. Es gab Studien, die gezielt nach Cannabis-Toten gesucht haben. Da standen am Ende zwei Fälle, wo es hieß, außer Cannabis gebe es keine andere Erklärung für den Tod.

Radio Bremen: Also doch ein Risiko?

Polizei ermittelt

Die Polizei stellte die Kuchenreste in dem Flüchtlingsheim sicher. Ein 16-Jähriger hatte die beiden Frauen zum Kuchenessen eingeladen. Der Jugendliche gab an, das Backwerk am Tag zuvor von einem Bekannten aus Niedersachsen geschenkt bekommen zu haben. Inwieweit der 16-Jährige über das Cannabis in dem Kuchen Bescheid wusste, ist unklar. Die Ermittlungen gegen die beiden Tatverdächtigen werden weiter von der Mordkommission geführt.

Florian Rister: Cannabis kann den Herzschlag beschleunigen und den Blutdruck erhöhen. Wenn Menschen eine Vorerkrankung des Herzkreislaufsystems haben, kann der Cannabis-Konsum zu Problemen führen.

Radio Bremen: Kann Cannabis eine allergische Reaktion auslösen und so lebensbedrohlich werden?

Florian Rister: Es gibt Fälle, wo Menschen auf frische Hanfpflanzen reagieren. Da gibt es bislang aber keine medizinischen Studien zu.

Radio Bremen: Und wie erklären Sie sich den Fall hier in Bremen?

Florian Rister: Für uns ist es wahrscheinlich, dass das Cannabis, was in dem Kuchen verbacken war, gestreckt wurde. Beispielsweise mit Blei oder Eisenspähne, um das Gewicht zu erhöhen. Aber seit etwa zehn Jahren ist auch zu beobachten, dass Cannabis mit synthetischen Stoffen gestreckt wird, um die Wirkung zu erhöhen. Das Problem ist, dass diese Stoffe häufig nicht bekannt sind und auch bei anschließenden Untersuchungen häufig nicht nachgewiesen werden.

Radio Bremen: Gibt es einen Unterschied, ob Cannabis geraucht oder, wie bei dem Fall in Bremen, gegessen wird?

Florian Rister: In beiden Fällen bleibt die Wirkfunktion im Körper ähnlich. Allerdings wird der Cannabis-Wirkstoff THC sehr schnell über die Lunge aufgenommen, und nach wenigen Sekunden bis Minuten hat man einen Wirkungseintritt. Beim Essen kommt die Wirkung vielleicht um eine halbe bis zu zwei Stunden verzögert. Manchmal führt das dazu, dass viele Menschen ungeduldig werden und noch mehr Cannabis essen. Das kann dann unangenehme Folgen haben. Die sind besonders unangenehm, wenn man gar nicht weiß, dass man Cannabis gegessen hat. Symptome können Panikattacken, Müdigkeit und Schwindel sein. Aber Bewusstlosigkeit, Atemdepression und Ähnliches sind nicht bekannt.

Die Fragen stellte Alexander Drechsel

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