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Kommentar zum Polizeikosten-Urteil

"Nur ein Scheinsieg der Funktionäre"

17. Mai 2017

In erster Instanz hat Bremen verloren. Aber der Innensenator will sich nicht geschlagen geben. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) muss sich nicht an den Kosten für Polizeieinsätze rund um Fußballspiele von Werder Bremen beteiligen. Radio-Bremen-Hörfunk-Sportchef Henry Vogt setzt jetzt auf Annäherung. Ein Kommentar.

Polizisten vor einem Fußballspiel [Quelle: DPA, Carmen Jaspersen]
Wer soll zahlen, wenn hunderte Polizisten bei einem Risikospiel im Einsatz sind? Das war heute die Frage vor Gericht. [Quelle: DPA, Carmen Jaspersen]

Mit dem Fußball sollte sich eigentlich keiner freiwillig anlegen, Fußball hat in Deutschland Heiligenstatus, wird abgöttisch geliebt. Wer sich mit dem Fußball streitet, hat in der öffentlichen Wahrnehmung verloren, bevor das Urteil gesprochen ist.

Dabei hört eigentlich ja bei Geld die Freundschaft auf, die zum Fußball aber nicht. Da wird ohne zu murren ordentlich draufgezahlt, koste es, was es wolle: nicht nur für Bratwurst, Bier und Kurventicket. Selbstverständlich auch für Polizeikosten, die dem Steuerzahler schon seit Jahren untergejubelt werden.

Bremen, das als Haushaltsnotlageland jeden Euro umdrehen muss, bevor es ihn ausgibt, wollte Schluss machen mit dem Dilemma, sich das Geld wiederholen von der millionenschweren Liga. Der Versuch aber, vor dem Gericht Recht zu bekommen, ist gescheitert. Die Gebührenbescheide Bremens an die Deutsche Fußball Liga sind unrechtmäßig. Damit ist die DFL mit 1:0 in Führung gegangen, ob es am Ende für den Ligaverband auch zu drei Punkten reicht, ist zweifelhaft.

Henry Vogt [Quelle: Radio Bremen, Winkler Studios GmbH]
Hörfunk-Sportchef Henry Vogt. [Quelle: Radio Bremen, Winkler Studios GmbH]

Es ist im Moment nur ein Scheinsieg der Funktionäre, weil Bremen es verpasst hat, vor dem Versenden von Rechnungen für Polizeikosten eine für alle transparente Kostenordnung aufzustellen.

Das lässt sich schnell nachholen – dann muss nur noch der richtige Adressat für die Gebührenbescheide gefunden werden. Denn für Fußball-Bundesligaspiele in Bremen, so das Gericht, trägt nicht nur die DFL Verantwortung, sondern auch der in dieser Region so beliebte Fußballverein Werder. Und genau da, beginnt es heikel zu werden, denn mit seinem zugkräftigsten Imageträger möchte es sich Bremen gewiss nicht verderben.

Viel klüger ist es, das Gesprächsangebot der Deutschen Fußball Liga anzunehmen. Eine erste Anbahnung hat es zwischen Ligapräsident Rauball und Innensenator Mäurer bereits gegeben. So ließen sich zähe und jahrelange Gerichtsprozesse vermeiden und vielleicht kommt auch eine Lösung dabei heraus, die Geld spart und das Fußball-Ereignis weniger unsicher macht. Dann hätten nicht nur Bremen und die DFL, sondern auch der friedliebende Zuschauer gewonnen. 

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Mai 2017, 19:30 Uhr

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