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Tatort "Nachtsicht"

Faktencheck zum Bremer Tatort

12. März 2017

Der neueste Tatort aus Bremen ist dunkel und brutal: Junge Männer werden von einem Auto überfahren und getötet. Die Kommissare Lürsen und Stedefreund vermuten einen Serientäter. Auch wenn sich der Täter schnell vermuten lässt, ergeben sich dennoch Fragen: Gibt es so ein Auto? Was ist das für eine Farbe auf dem Fahrzeug? Und wie hat die Schauspielerin Angela Roy ihr Bein verloren? Wir klären das für Sie im Tatort-Faktencheck.

Ein exklusiver Blick hinter die Kulissen vom Bremer-Tatort "Nachtsicht".

Autor/-in: Marilena Dahlmann
Länge: 1:26 Minuten
Datum:
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Das Auto

Es gibt kein Fahrzeug, das lautlos in der Nacht verschwinden kann, ohne geortet zu werden. Der BMW von 1985 wurde für diesen Film an einigen Stellen umgebaut. Im Tatort ist er ein richtiges "Monster": Durch den Elektromotor ist das Auto nicht zu hören und kann so unbemerkt seine Opfer verfolgen. Geht das?
Ja, Autos mit Elektromotoren sind nahezu lautlos. Es gibt für Fahrzeuge in Deutschland keine vorgeschriebene Mindestlautstärke, so Jens Tittmann, Sprecher des Senators für Umwelt, Bau in Verkehr in Bremen. Autohersteller bieten deswegen Soundmodule für die Sicherheit an, damit die Passanten das Auto hören. Dieses Modul kann per Knopfdruck aktiviert werden. Diesen Soundschalter besitzt auch das Auto in "Nachtsicht", um die Geräusche eines Verbrennungsmotors zu simulieren.

Ein schwarzer BMW, der im Tatort "Nachtsicht" mitspielt [Quelle: Radio Bremen]
Der BMW ist selbst bei den Tatort-Dreharbeiten gut in der Nacht getarnt.

Einem alten Auto den Verbrennungsmotor zu entfernen, ist für Liebhaber so, als würde man dem Auto sein Herz entnehmen, so ein Bremer Oldtimerrestaurator. Es gibt aber Elektromotoren, die für Oldtimer entworfen wurden, die inklusive Einbau bis zu 25.000 Euro kosten. Die weiteren Horrorwerkzeuge im Auto, wie der Dorn am Heck des BMWs, macht das Auto auf den Straßen nicht zulässig. Auch die Glasplatte unter dem Beifahrersitz, um die Opfer zu sehen, ist frei erfunden.

Die Farbe am Auto

Eine Farbe, die das Auto unter dem Radar unsichtbar macht? Ja, es gibt Techniken, die zum Beispiel Düsenjets verschwinden lassen. Diese Tarnkappentechnik nennt sich "Stealth" Technik. Kommissar Stedefreund erwähnt eine sogenannte "Stealth-Farbe", mit der das Auto lackiert sein soll. Die "Stealth"-Technik wird meistens im Militär für Düsenjets oder Schiffe benutzt. Diese sind mit keiner speziellen Farbe bestrichen, sondern haben eine besondere Form, damit sie von Radarwellen nicht erfasst werden.

Das VFX-Bein

Als Beispiel für einen visuellen Effekt ist auf der linken Seite vom Bild ein Bein mit grünen Punkten, auf der rechten Seite ist das Bein amputiert und mit einer Narbe zu sehen. [Quelle: Radio Bremen]
Für ihre Rolle als krebskranke Leonie Friedland wurde ihr Bein mit einem visuellem Effekt, VFX genannt, entfernt.

Keine Sorge, die Schauspielerin Angela Roy besitzt noch beide Beine und ihre Brüste. Für ihre Rolle als krebskranke Leonie Friedland wurde ihr Bein mit einem visuellem Effekt, VFX genannt, entfernt. Die Schauspielerin hat beim Dreh auf ihrem Unterschenkel gesessen. Im Foto sieht man ihr Knie, auf das grüne Trackingpunkte geklebt sind. Die sind dafür da, dass die animierte Narbe da bleibt, wo sie soll, da das Bein die ganze Zeit in Bewegung ist. Der Effektdesigner sucht, während sich der Film im Schnitt befindet, eine Vernarbung oder eine Amputation, die auf den Oberschenkel passt. Das Bein wurde dann noch ein bisschen verkleinert und andere Sachen retuschiert, wie zum Beispiel das Nachthemd. Das ist recht aufwendig, da Bild für Bild bearbeitet werden muss – insgesamt 25 Bilder pro Sekunde.

Tatort-Regisseur Florian Baxmeyer findet diese Methode spannend:

Das ist jetzt bei so einen Bein nochmal was anderes, als bei einem Gollum von "Herr der Ringe". So anspruchsvoll ist das natürlich nicht. Der Zuschauer kann sich das vorstellen, dass sie auf dem Bein sitzt. Solche Dreharbeiten machen schon Spaß, schränken aber auch ein – je nachdem wie viel Geld man hat – Je mehr Geld, umso mehr kann man mit den Kameraeinstellungen spielen und auch mal drauf halten.

Florian Baxmeyer, Tatort-Regisseur

Das Familiendrama

Standfoto [Quelle: Radio Bremen, Michael Ihle]
Kristian Friedland und seine Freundin Tajana Noack sind überrascht: Seine Eltern Leonie und Jost Friedland wollen nach Kanada auswandern. (v.l.n.r.: Tajana Noack (Natalie Belitski), Jost Friedland (Rainer Bock), Leonie Friedland (Angela Roy), Kristian Friedland (Moritz Führmann)). [Quelle: Radio Bremen, Michael Ihle]

Der Film erklärt nicht, wie ein Kind zum Mörder werden kann. Aber die Friedlands sind eine Familie, die schon früh schwere Schicksale meistern muss: Mutter Leonie hat Krebs und lebt seit 30 Jahren unter Schmerzen mit nur noch einem Bein. Der Vater Jost ist Chemiker und ist der starke Beschützer in der Familie. Er würde für seine Frau alles tun, damit es ihr gut geht. Sohn Kristian war drogenabhängig, arbeitet nun als Maler. Im Tatort kommt raus, dass er mit seinem Auto und einem Nachtsichtgerät Menschen überfährt. Dieser Trieb des Tötens hat sich schon in der Kindheit des Charakters angekündigt: In der Schule malte er Bilder, bei denen Menschen vor Rädern weglaufen oder überfahren werden.

Opfer werden zu Tätern.

Familientherapeutin Elke Wardin

Solche Bilder können auf ein Trauma in der Kindheit zurück zu führen sein, so Familientherapeutin Elke Wardin. Es ist ganz wichtig, dass die Eltern und auch Pädagogen aufmerksam sind und auf Auffälligkeiten der Kinder achten. Es könnte ein Druckabbau sein, der innen im Kopf passiert. Je älter sie werden, umso schlimmer wird es, so Elke Wardin. Ihre Lösung: Mit dem Kind reden. Wenn man selbst keine Lösung findet oder überfordert ist, sollte man zusammen in Therapie gehen. Eltern merken, dass es hilft und entlastet.
Im Tatort hat Kristian Friedland die Krankheit seiner Mutter und der Unfall seiner Freundin Tajana, die im Rollstuhl sitzt, vermutlich stark traumatisiert. Sein innerer Druck hat sich somit im Alter von 37 Jahren durch das Morden entladen.

Moritz Führmann Interview [1:40 Minuten]

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Autorin: Marilena Dahlmann

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