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Hintergrund zu "Schlafende Hunde"

Lebte die Stasi nach dem DDR-Ende wirklich weiter?

Mehr als nur Fiktion?

27. Mai 2010

Im Bremer Tatort "Schlafende Hunde" ermittelt Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) in einem Mordfall, der sie ins Milieu ehemaliger Stasi-Mitarbeiter führt. Die Tote war eine politisch Inhaftierte in der DDR. Der Bremer Unternehmer Hans Rodenburg (Jürgen Prochnow), der einst selbst Verbindungen zum Ministerium für Staatssicherheit hatte und immer noch in Kontakt mit ehemaligen Mitarbeitern steht, hatte sie finanziell unterstützt. Immer mehr geraten Lürsen und Stedefreund (Oliver Mommsen) in ein Netz von Stasi-Seilschaften und wissen immer weniger, wem sie trauen können.

Regale mit tausenden von Stasi-Akten [Quelle: DPA]
Regale in der Berliner Stasi-Unterlagenbehörde [Quelle: DPA]

Doch wieviel an der an der Geschichte ist Fiktion, wieviel beruht auf wahren Hintergründen? Tatsächlich gab es seit dem Ende der DDR vor knapp 20 Jahren immer wieder Berichte über Seilschaften, Netzwerke und Aktivitäten ehemaliger Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Ein Blick in die Nachwende-Jahrgänge des Pressearchivs von Radio Bremen zeigt, dass das Ende der DDR nicht das Ende der Stasi-Netzwerke war.

Teile des Stasi-Vermögens verschwunden

Schon im Jahr der Wiedervereinigung, am 26. November 1990, berichtete "Der Spiegel" von den Machenschaften ehemaliger Stasi-Offiziere. Im Zentrum der Berichterstattung standen damals zwei ehemalige Stasi-Unternehmen, die nach dem Fall der Mauer ausgegliedert und privatisiert worden waren. Noch immer säßen die alten MfS-Oberen in der Führungsriege dieser Unternehmen. Als Eintrittsgeld hätten sie Ausrüstung wie Monitore oder Dienstfahrzeuge in das Unternehmen mitgebracht, so der "Spiegel".

Aber nicht nur Monitore oder Fahrzeuge, sondern große Vermögenswerte des Ministeriums für Staatssicherheit seien im Umbruch der Wende einfach verschwunden. Dies berichtete die "Frankfurter Rundschau" am 27. Februar 1999: Insgesamt 112 Kisten und Säcke mit verschiedensten Wertsachen, die im Dezember 1989 von MfS an die DDR-Staatsbank übergeben worden seien, seien im Januar 1990 spurlos verschwunden. Weder über den Wert noch über die Herkunft dieser Vermögenswerte sei irgendwas bekannt, berichtete die Zeitung weiter.

Viele ehemalige Mitarbeiter arbeiten im privaten Wachdienst

Ein Mann mit einer Sicherheitsdienstjacke [Quelle: DPA]
In der Sicherheits-Branche sind viele ehemalige MfS-Mitarbeiter untergekommen. [Quelle: DPA]

Viele Mitarbeiter des MfS, die durch die Wende ihre Arbeit verloren hatten, scheinen im Bereich der privaten Wachdienste eine neue Anstellung gefunden zu haben — genau wie Schröder (Karl Heinz Kraehkamp) in "Schlafende Hunde". Speziell die Firmen in den neuen Bundesländern seien mit Stasi-Leuten durchsetzt, berichtete der Spiegel in seiner Ausgabe vom 24. Juli 1995. Nach der Wende habe im Gebiet der ehemaligen DDR geradezu ein Boom von Firmengründungen privater Wachdienste eingesetzt. Über 200 dieser knapp 320 Unternehmen, so das Blatt, würden ehemalige Stasi-Leute beschäftigen. Und auch der Weser-Kurier stellte noch 1998 fest, dass sich nach der Wende viele Stasi-Mitarbeiter ihr Geld als Detektive verdienen würden.

Stasi-Kader gründen Vereine zur Interessenvertretung

Doch nicht alle ehemaligen Stasi-Kader sind einfach stillschweigend in andere Berufe gewechselt. Im Dezember 1995 berichtete der "Focus" über die "Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung e.V." Dieser Verein setze sich aus alten MfS-Kadern zusammen und sammele in Arbeitsgruppen, genau wie einst die Stasi selbst, Informationen über Daten und Personen über ehemalige Genossen und jeden, der an der Aufklärung der Machenschaften der DDR beteiligt sei.

Andere Spione gründeten eine Selbsthilfegruppe, wie die Süddeutsche Zeitung im Juli 1998 zu berichten wusste. Die Gruppe "Kundschafter des Friedens fordern Recht" setzte sich demnach für eine Gleichbehandlung der Spione in Ost und West ein. Denn während westliche Spione in der DDR straffrei ausgegangen seien, hätten ihre DDR-Gegenspieler Haftstrafen abzubüßen. Zur Unterstützung dieser Kollegen im Gefängnis sammele die Selbsthilfegruppe Spenden, so die Zeitung.

Interview mit Wilfried Huismann Rege Diskussion über Stasi-Seilschaften

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