Mediabox

Fernsehen Tatort Die Fälle Schlafende Hunde

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Interviews

Wenn aus Skepsis Spannung wird

Darsteller und Autoren über "Schlafende Hunde"

27. Mai 2010

Sabine Postel, Oliver Mommsen, Laura Tonke, Jürgen Prochnow [Quelle: Radio Bremen]
Anna Korzius (Laura Tonke) und Hans Rodenburg (Jürgen Prochnow, r.) verbindet mehr, als sie bisher wussten. Die Ermittler Inga Lürsen (Sabine Postel,l.) und Stedefreund (Oliver Mommsen) haben auch persönliche Verwicklungen aufgedeckt.

Der ARD-Tatort gilt als eine der wichtigsten – und erfolgreichsten – fiktionalen Reihen des deutschen Fernsehens, als eine Königsdisziplin filmischer Unterhaltung. Doch ein Gutteil des Tatort-Erfolges hat mit den Brücken zu tun, die die Krimi-Reihe immer wieder ins "echte Leben" schlägt. Verschiedenste verborgene Milleus hat der Tatort ausgeleuchtet, doch auch breit gestreute gesellschaftliche Reiz- und Streitthemen hat die Reihe aufgenommen.

Huismann: "Die alte DDR-Stasi ist tot – die neue ist überall."

Wilfried Huismann [Quelle: Radio Bremen, Tammo Jans]
Wilfried Huismann [Quelle: Radio Bremen, Tammo Jans]

So behandelte der Bremer Tatort unter anderem die Themen Handy-Strahlung oder "Ehrenmord". In  "Schlafende Hunde" werden die Drehbuchautoren einen Blick auf alte Stasi-Seilschaften, die ihre Netzwerke bis heute lebendig erhalten haben. Für Wilfried Huismann, der im Drehbuch-Doppelgespann für die zeitgeschichtlichen Aspekte zuständig war, war das zwar eine spannende Sache, hatte er sich doch seit der Wende immer wieder mit dem weitverzweigten Wirtschaftsimperium der Stasi auseinander gesetzt. Sein Rechercheergebnis: "Die alte DDR-Stasi ist tot – die neue ist überall."

Interview mit Wilfried Huismann

Stasi-Thema 20 Jahre nach der Wiedervereinigung

Mit der Idee, aus diesem Stoff einen Krimi zu machen, stieß er bei Radio Bremen auf offene Ohren. Zusammen mit der erfahrenen Fiktions-Autorin Dagmar Gabler, die bei der Geschichte für dramaturgischen Schliff sorgte, schrieb er das Drehbuch – 20 Jahre nach der Wiedervereinigung geht "Schlafende Hunde" nun über den Sender.

Interview mit Dagmar Gabler

Der Regisseur war zunächst skeptisch

Der Stoff war auch für die Darsteller und den Regisseur eine besondere Herausforderung. Für Regisseur Florian Baxmeyer gab es am Anfang durchaus einen Moment der Skepsis: „Ist es glaubhaft, was wir hier erzählen wollen?“, fragte er sich.  Aber je tiefer er in die Materie eingestiegen sei, desto überzeugter sei er vom Potential der Geschichte gewesen.

Interview mit Florian Baxmeyer

"Großartig recherchiert"

Oliver Mommsen, Sabine Postel [Quelle: Radio Bremen]
Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen).

Auch Sabine Postel, Darstellerin der Hauptkommissarin Inga Lürsen, glaubte ihre Augen zunächst nicht zu trauen. "Ich fand es beim ersten Lesen etwas unrealistisch und habe gedacht, ach nein, das kann man sich doch nicht vorstellen", gibt sie zu. Doch sie habe sich dann eines Besseren belehren lassen, „denn unser Autor hat wie immer großartig recherchiert.“ Für "mutig und wahnsinnig komplex" hält Kommissar-Stedefreund-Darsteller Oliver Mommsen den neuen Fall: "Diesmal machen wir ein ziemliches Fass auf."

Interview mit Sabine Postel Interview mit Oliver Mommsen

"Deutsche Geschichte im Krimi - sehr gut"

Jürgen Prochnow [Quelle: Radio Bremen]
Prominente Besetzung in einer Gastrolle: Hollywood-Star Jürgen Prochnow

Schauspiel-Star Jürgen Prochnow findet "seine" Figur Hans Rodenburg spannend: "Sie erscheint für meine Begriffe sehr real", sagt der Schauspieler. Er ist von den Tatort-Figuren und ihrer Verknüpfung mit der Geschichte fasziniert.

Interview mit Jürgen Prochnow

Aha-Erlebnis nach der Drehbuchlektüre

Für Laura Tonke, die die Schlüsselfigur der Anna Korzius spielt, waren die Dreharbeiten sogar so etwas wie ein Aha-Erlebnis: „Durch meine Arbeit an der Rolle habe ich mich noch mal intensiv mit verschiedenen Facetten staatlicher Repression in der DDR auseinandergesetzt.“ Es habe sie entsetzt und wütend gemacht, wie in der DDR teilweise mit Leben Roulette gespielt worden sei. „Das sind dann Momente, in denen ich nicht mehr nachvollziehen kann, dass Leute ernsthaft sagen, sie hätten gern die DDR zurück.“

Interview mit Laura Tonke

Tatort