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Albrecht Dürer: Die apokalyptischen Reiter

Willy Athenstädt über Dürers Holzschnitt von 1498

24. Oktober 1999

Die Kunsthalle Bremen, 1849 erbaut und bis heute durch den 1823 gegründeten Kunstverein in Bremen getragen, besitzt seit ihren ersten Tagen nahezu die gesamte Druckgraphik sowie Aquarelle und Zeichnungen Albrecht Dürers. Das große Konvolut kam als Vermächtnis des Bremer Senators Dr. jur. Hieronymus Klugkist (1778 - 1851) in das Kupferstichkabinett, das heute mit seinen rund 220.000 graphischen Blättern zu den bedeutendsten in Europa zählt und den eigentlichen Schatz der Kunsthalle ausmacht. Die Räume, in denen diese Sammlung bewahrt wird, erfuhren ihre Ausgestaltung 1904 anlässlich des weitreichenden Um- und Erweiterungsbaues.

"Die apokalyptischen Reiter" ist das vierte Blatt aus einem der vom Künstler sogenannten Großen Bücher, der Apokalypse von 1498. Dürer illustriert in diesem Werk auf 15 Blättern die Offenbarung des Johannes Evangelista.

In der Offenbarung schildert der Evangelist Prophezeiungen über das Ende der Welt. Die Vorlage zum Bild der Apokalyptischen Reiter - einem der berühmtesten Blätter Dürers - enthält das Bild von vier Reitern, die Krieg, Pest, Not und Tod darstellen. Ihre Attribute sind Pfeil und Bogen, Schwert und Waage. Der Vierte, auf einem Klepper, ist der Tod mit einer Forke. Sie galoppieren über das Land, über Sterbende und Stürzende hinweg. Am unteren Bildrand reißt ein Ungeheuer seinen Rachen auf - die Hölle verschlingt einen Bischof.

Dürer gestaltet in diesem Blatt eine Szene von schreckenerregender Geschwindigkeit und Wucht. Die Reitergruppe erscheint wie aus dem Nichts, besetzt durch die Tiefenstaffelung den gesamten Bildraum und drängt über den rechten Bildrand hinaus. Die Terrorisierung des gesamten Erdenrunds, wie geweissagt, wird so bildhaft. Der Ausgang des 15. Jahrhunderts war im Bewusstsein der Menschen durch Weltuntergangsstimmung gekennzeichnet. Religiöser Wahn, Naturkatastrophen, Missernten, Krieg, Hexenfurcht und Epidemien, besonders die Lustseuche Syphilis, verbreiteten die Angst vor Gottes Strafgericht und dem Ende der Welt. In diesem Klima entwarf und verlegte Dürer seine Apokalypse, die ihm überregionalen Ruhm, bis in die Niederlande und nach Italien hinein eintrug.

[Autor: Willy Athenstädt, Kunsthalle Bremen]

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