Mediabox

Fernsehen Tatort Die Fälle Hochzeitsnacht

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Tatort-Produktion "Hochzeitsnacht"

"Stedefreund kann einen noch überraschen"

Interview mit dem Schauspieler Oliver Mommsen

27. August 2012

Radio Bremen: Herr Mommsen, der Tatort von Radio Bremen feiert in diesem Jahr sein 15-jähriges Jubiläum. Was bedeutet dieses Jubiläum für Sie?

Oliver Mommsen: Dass alle Beteiligten irgendetwas richtig gemacht haben. Ein kleiner aber feiner Sender wie Radio Bremen muss sich jedes Mal mächtig ins Zeug legen, um von den etwas wohlhabenderen Sendeanstalten der ARD nicht überrannt zu werden. Dass der Bremer Tatort seinen festen Platz in dieser auf hohem Niveau umkämpften Tatortgemeinde gefunden hat, ist der Hammer!

Radio Bremen: Sie sind nicht von Anfang an dabei gewesen, sondern kamen im Jahr 2001 hinzu. Zunächst gab es fünf Tatort-Folgen mit wechselnden Ermittlern an der Seite von Hauptkommissarin Inga Lürsen alias Sabine Postel. Was glauben Sie selbst: Warum hat man sich damals für Sie entschieden?

Oliver Mommsen: Ich weiß nur, dass ich bei dem Casting damals schon das Gefühl hatte, dass Sabine und ich eine Wellenlänge haben und ich mich in den Szenen mit ihr sehr wohl gefühlt habe. Das ist bis heute so geblieben und immer weiter zusammengewachsen.

Radio Bremen: Was macht Ihrer Ansicht nach ein gutes Ermittlerteam aus?

Oliver Mommsen: Die Chemie muss stimmen. Ob die beiden sich jetzt dauernd in den Haaren liegen, Händchen haltend durch die Gegend hüpfen, der eine klug und besonnen, der andere eher "hau drauf" unterwegs ist – am Ende des Tages zählt, dass man sich auf seinen Partner verlassen kann. Denn immerhin haben wir es ja mit bösen Buben und bösen Mädels zu tun und bekanntlich schießen die scharf.

Radio Bremen: Durch Ihre Rolle als Kommissar Stedefreund sind Sie inzwischen einem Millionenpublikum bekannt. Wie hat die Rolle Sie und Ihr Leben verändert?

Oliver Mommsen: Die Rolle hat mich insofern verändert, als dass es für einen Schauspieler eigentlich kaum etwas Schöneres gibt, als sich zweimal im Jahr mit phantastischen Menschen zu treffen, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Kurz, ich habe wahnsinnig viel gelernt. Die Rolle beim Tatort ist auch für andere tolle Projekte eine sehr gute Visitenkarte, insofern ist es tatsächlich ein Sechser im Lotto gewesen. Ansonsten ist es schön zu beobachten, wie Stedefreund und ich gemeinsam alt werden.

Radio Bremen: Das klingt nun ja fast ein wenig nach Ruhestand.

Oliver Mommsen: Nein, es gefällt mir außerordentlich gut. Ich finde, das Älterwerden steht uns beiden, und ich bin der Meinung, dass noch einige Abenteuer auf uns warten!

Radio Bremen: Worin liegt für Sie der besondere Reiz der Rolle des Kommissars Stedefreund?

Oliver Mommsen: Ihn immer weiter zu entdecken. Annette Strelow, unsere Redakteurin, hat sehr genau aufgepasst, dass wir unser Pulver nicht gleich am Anfang verschießen und alles über ihn verraten. Deswegen sind da noch ganz viele Facetten frei zu legen. Stedefreund kann einen noch überraschen. Im aktuellen Tatort "Hochzeitsnacht" finde ich es zum Beispiel toll, dass dieser eigentlich doch sehr kontrollierte Mensch plötzlich zum emotionalen Kraftwerk wird. Man muss ihn nur ordentlich unter Druck setzen, dann passiert eigentlich immer was Lustiges.

Radio Bremen: Meinen Sie die Szene, wo Stedefreund ohne Hose durch die Dunkelheit irrt und ausgerechnet mit dem Mann seiner Ex-Frau kooperieren muss?

Oliver Mommsen: Genau das alles! Es war ein großer Spaß, die Schraube immer weiter zu drehen, bis Stedefreund schließlich in die Luft geht wie ein HB-Männchen. Die Szenen mit Arved Birnbaum waren toll, Paul – unser Hund – war ein großartiger Kollege und es war ein Fest, mit Barbara Nüsse um die Häuser zu schleichen.

Radio Bremen: Und was war für Sie die größte Herausforderung?

Oliver Mommsen: Bei solchen teils absurden Situationen ist es ganz wichtig, genau das richtige Maß zu finden und die Grenze zum Albernen nicht zu überschreiten. Und zusammen mit Florian Baxmeyer war es ein tolles Gefühl auszuloten, wie weit wir gehen können, ohne die Figur oder die Geschichte zu verraten.

Das Gespräch führte Anna Tollkötter.

Tatort