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Tatort-Produktion "Hochzeitsnacht"

"Moralische Fragen werden nebensächlich, wenn das eigene Überleben im Vordergrund steht"

Interview mit dem Regisseur Florian Baxmeyer

27. August 2012

Radio Bremen: Herr Baxmeyer, mit "Hochzeitsnacht" führen Sie zum vierten Mal bei einem Tatort von Radio Bremen Regie. Nach drei Folgen mit politischen Themen folgt nun ein Fall im engsten Familienund Freundeskreis. Worin lag dabei für Sie die größte Herausforderung?

Florian Baxmeyer: Ein großer Teil der Geschichte spielt sich in einem Landgasthof ab. Die Aufgabe war es, die Konflikte der auf engstem Raum eingeschlossenen Personen herauszuarbeiten und sie im Laufe der Geschichte ihr wahres Gesicht zeigen zu lassen. Unter Druck zeigt sich bei vielen der wahre Charakter und moralische Fragen werden nebensächlich, wenn das eigene Überleben im Vordergrund steht.

Radio Bremen: Neben einem großen Kernensemble hatten Sie rund 50 Statisten als Hochzeitsgesellschaft auf engstem Raum zu koordinieren. Wie gelingt es einem Regisseur, dass bei so vielen Darstellerinnen und Darstellern einzelne Personen nicht "untergehen"?

Florian Baxmeyer: Ob einzelne Figuren zu kurz kommen, lässt sich ja schon am Drehbuch erkennen. Das war nicht so. Allerdings hatten wir die Situation, dass durch den Drehplan einige Darsteller für ein paar Drehtage zwar im Raum waren, aber keinen Text hatten. Sie sind im fertigen Film sehr wichtig, aber an diesen Drehtagen konnten sie das Gefühl bekommen, zu Beiwerk degradiert worden zu sein. Dieses Gefühl habe ich versucht, ihnen zu nehmen, und oft war es so, dass wir noch starke Momente im Sinne des Drehbuchs für sie erarbeitet haben.

Radio Bremen: Nach welchen Kriterien haben Sie das Schauspielerensemble ausgewählt?

Florian Baxmeyer: Bei einem Tatort geht es ja immer um die Frage: Wer war's? Bei einem Tatort-Ensemble hat man deswegen nur die Möglichkeit, alle Rollen prominent zu besetzen oder Schauspieler zu suchen, die eher Theater spielen und nicht so oft im TV zu sehen sind. Ansonsten weiß der Zuschauer sofort Bescheid. Es kann nur der oder die als Täter in Frage kommen, den kenne ich. Wir haben uns gegen Stars entschieden. Ein weiteres Kriterium war, dass wir Schauspieler brauchten, die glaubhaft eine Dorfgemeinschaft verkörpern können. Und wir haben natürlich versucht, das Ensemble so zusammenzustellen, dass es spannende Wechselwirkungen unter den Figuren geben kann, insbesondere auch mit Hauptkommissarin Inga Lürsen.

Radio Bremen: Worin lag für Sie der größte Reiz des Buches?

Florian Baxmeyer: Neben den erwähnten Aspekten gab es im Drehbuch eine ungewöhnliche Mischung aus Spannung und Komik. Ich habe es als reizvolle, wenn auch nicht ganz einfache Aufgabe empfunden, diese beiden Elemente zu vereinen.

Radio Bremen: Mit "Hochzeitsnacht" feiert Radio Bremen zugleich ein Jubiläum. Vor 15 Jahren wurde die erste Folge der Reihe Tatort mit Sabine Postel im Land Bremen gedreht. Sie waren zu diesem Zeitpunkt Anfang 20. Haben Sie damals damit gerechnet, selbst für die erfolgreichste Krimireihe Deutschlands als Regisseur zu arbeiten?

Florian Baxmeyer: Nein. Zu dem Zeitpunkt war ich noch nicht mal an der Filmhochschule! Mein größtes Ziel damals war es, die Aufnahmeprüfung zu bestehen.

Radio Bremen: Was macht es für Sie insgesamt reizvoll, einen Tatort zu inszenieren?

Florian Baxmeyer: Die Mischung aus gesellschaftlicher Relevanz, menschlichen Abgründen und Spannung.

Radio Bremen: Was sind dabei Ihre persönlichen Vorlieben?

Florian Baxmeyer: Die ändern sich. Das ist ja das Schöne an meinem Beruf. Wenn man so einen Ensemble-Film hinter sich hat, freut man sich auf ein Zwei-Personen-Drama. Und umgekehrt.

Das Gespräch führte Anna Tollkötter.

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