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Tatort

" ... eine richtige Herausforderung"

Interview mit dem Regisseur Martin Gies

24. Oktober 1999

Frage: Frauen scheinen beim Drehen Ihre Leidenschaft zu sein. Ob Tatort oder Serie, ob Regie oder Drehbuch - sind Sie ein Regisseur für Frauen?

Gies: Eigentlich mach' ich gar keinen Unterschied, ob ich mit Männern oder Frauen drehe. Aber offensichtlich komme ich mit Frauen gut aus. Und die wohl mit mir. Ich hatte immer gute Beraterinnen, auch bei meinen älteren Arbeiten, den Tatort-Drehbüchern zu "Das Mädchen auf der Treppe", "Gebrochene Blüten" und "Zabou" mit Götz George. Außerdem habe ich dabei viel gelernt. ...

Frage: Wie sehen Sie die Rolle der Kommissarin Inga Lürsen?

Gies: Sie ist nicht die Action-Power-Frau. Bei Inga Lürsen steht die Psychologie im Vordergrund, das Einfühlungsvermögen, das Uneitle. Für mich ist sie näher an der Realität als manche "Kollegin". Eine Frau, die im Leben steht, der man glaubt. Mir gefällt das sehr gut; auch, weil es eine andere Farbe im Tatort-Spektrum ist. So bleibt die Vielfalt bei diesem wirklich interessantesten Fernsehformat erhalten. Man kann Geschichten auf verschiedenste Art erzählen und man kann in Ruhe 90 Minuten entwickeln, ohne Werbeunterbrechung im Hinterkopf.

Frage: Hat sich diese Gewissheit auf die Dreharbeiten übertragen?

Gies: Na ja, beim Drehen ist man ja immer mit dem Alltäglichen beschäftigt, an jeder Szene zu arbeiten, mit den Schauspielern, der Kamera. Ich achte darauf, ob die Szenen intensiv genug gespielt werden, ob alles richtig rüberkommt. Selten achte ich z.B. auf Anschlussprobleme, die oft überbewertet werden. Dafür ist ja auch das Team da. Und wenn die Szene stark genug ist, muss man sowieso nicht drüber reden. Später am Schneidetisch, wenn es darum geht, all dies in die richtige Form zu bringen, habe ich dann ein bisschen mehr Zeit, kann auch mal länger überlegen. Zumindest bestmöglich, weil eben doch nie alles so zu machen ist, wie man es sich wünscht.

Frage: Hat sich denn der Wunsch erfüllt, Heinrich Schmieder und Sabine Postel zusammen zu schweißen?

Gies: Das Drehbuch hat da ja schon etliches vorgegeben. Für mich ging es dann um Verstärkungen, Akzentuierungen. Doch nach zwei Drehtagen war klar, dass die beiden ihre rollenspezifische Disharmonie harmonisch gestalten konnten.

Frage: War es eine spannende Arbeit für Sie?

Gies: Ja, zumal in "Die apokalyptischen Reiter" soviel passiert. Allein der Einstieg. Wir haben gleich zuerst einige Actionszenen im Hafen gedreht. Oder das Ende, der Showdown, der nicht einfach war. Die Zeit war knapp, die Anforderungen groß. Eine richtige Herausforderung. Mehr wird jetzt nicht verraten!

Das Interview führte Norbert Kuntze.

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