Mediabox

Fernsehen Produktionen Dokumentationen

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Unsere Geschichte

Als Tante Emma Konkurrenz bekam

Supermärkte verdrängen die kleinen Geschäfte

23. September 2017, 8:15 Uhr | Tagesschau24

Im kleinen Tante-Emma-Laden von Irmtraud Schwiering im Bremer Ostertorviertel ist die Zeit stehen geblieben – dunkle Holzregale reichen bis zur Stuckdecke, Kacheln aus längst vergessenen Zeiten, Kardamom und Pistazien werden noch von Hand abgewogen. Wer hier einkauft, wird gerne persönlich begrüßt, bringt Zeit mit und freut sich darüber, wenn die Preise mit Zettel und Stift addiert werden, den Schnack über die Ladentheke gibt es gratis dazu.

Tante-Emma-Laden mit vielen Regalen und einer alten Waage [Quelle: Radio Bremen, Susanne Brahms]
Holtorf Kolonialwaren ist einer der letzten Tante-Emma-Läden in Deutschland. [Quelle: Radio Bremen, Susanne Brahms]

Die Konkurrenzschlacht der kleinen Läden gegen die Supermärkte mit Riesensortiment und Selbstbedienung ist allerdings schon lange verloren. In weniger als 20 Jahren hat sich die Einkaufswelt radikal verändert.

Die Idee kam aus Amerika, in Deutschland begann der Siegeszug der Supermärkte in Hamburg St. Georg. Dort eröffnete im August 1949 der erste Supermarkt mit Selbstbedienung. Damals noch mit vergleichsweise winzigen Einkaufswagen und einer Traube von Kunden, die vor dem Laden stand und sich erstmal nicht hinein traute.

Doch schnell erkannten vor allem die jungen deutschen Hausfrauen den unglaublichen Vorteil der Supermärkte: alle Waren des täglichen Bedarfs unter einem Dach statt der täglichen stundenlangen Einkaufstour durch diverse kleine Läden.

Kein Wunder, dass die Tante-Emma-Läden so rasch von der Bildfläche verschwanden. Doch bis heute vermissen viele Menschen das Schwätzchen über den Ladentisch mit dem Kaufmann und den Nachbarn, die zeitgleich Schlange stehen.

Dabei war das Verhältnis zwischen "Tante Emma" und ihren Kundinnen und Kunden nicht ohne Spannung. Die Käufer fühlten sich vom Krämer oft bevormundet und übervorteilt, die Kaufleute klagten über endlos lange Arbeitstage und anspruchsvolle Käufer, denen man auch nach Feierabend noch den Zipfel Wurst verkaufen sollte.

alter Laden von aussen [Quelle: Radio Bremen, Susanne Brahms]
Die kleinen Läden in Familienhand: Jeder half mit. [Quelle: Radio Bremen, Susanne Brahms]

Kaum eine Entwicklung hat das Alltagsleben in Deutschland, das Gesicht der Städte und Dörfer stärker verändert als das Verschwinden der kleinen Läden. Die Landwirtschaft musste plötzlich riesige Mengen produzieren und absetzen, die Dorfbewohner waren aufgeschmissen ohne Autos. Andererseits: Die Zeitersparnis beim Einkauf beförderte die Berufstätigkeit der Frauen. Doch kaum hatten sich die Supermärkte durchgesetzt, kehrte auch hier das Misstrauen zwischen Käufer und Verkäufer zurück. Es entwickelten sich die Verkaufspsychologie und der Verbraucherschutz. Der Ladendiebstahl nahm solche Dimensionen an, dass die Kaufleute gegenüber ihren Kunden zu Überwachungsmethoden greifen mussten.

Die Radio-Bremen-Autorinnen Susanne Brahms und Michaela Herold nehmen die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf eine nostalgische Einkaufstour in die letzten Tante-Emma-Läden Norddeutschlands und auf die Spuren der ersten Supermärkte.

Produktionen
Mehr zu "Dokumentationen"
Mehr in "Dokumentationen"