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Arno Schmidt – mein Herz gehört dem Kopf

Der Prophet aus der Heide

26. Juli 2017, 18:15 Uhr | Deutsche Welle

Arno Schmidt ist der Robinson Crusoe der deutschen Literaturlandschaft, ein rebellischer Pionier der Sprache. Von dem kleinen Dorf Bargfeld in der Lüneburger Heide aus, in das er 1958 mit seiner Frau zog, erschuf er ein Werk, das einzigartig in der jüngeren deutschen Literaturgeschichte ist.

Arno Schmidt im Jahr 1962 [Quelle: Arno-Schmidt-Stiftung, Rolf Becks]
Arno Schmidt im Jahr 1962 [Quelle: Arno-Schmidt-Stiftung, Rolf Becks]

Ausgehend von dem kleinen, entlegenen Dorf Bargfeld in der Lüneburger Heide, in das er 1958 mit seiner Frau zog und das er nur selten und ungern verließ, erschuf Arno Schmidt ein in der jüngeren deutschen Literaturgeschichte einzigartiges Werk. Als Pionier der Sprache, widerborstig, rebellisch und konsequent bis zur Besessenheit ordnete er sämtliche Lebensbereiche seinem Schaffen unter. Schmidt blieb aber auch zeitlebens auf Distanz zum literarischen Betrieb.

Arno Schmidts umfangreiches Werk steht heute im Schatten vor allem eines Buches, seines über 1.300 Seiten starken Monumentalromans "Zettel's Traum", der 1970 erschien und der in der Tradition von James Joyce stehend, die Geschehnisse eines einzigen Sommertags in einem Heidedorf schildert. Ein dreispaltiges, in seiner Komplexität kaum zu erfassendes Werk, das seinem Verfasser Kultstatus, aber auch den Ruf des Sonderlings und Einzelgängers einbrachte.

Die Schriftstellerin Marie Darieussecq vor Arno Schmidts Wohnhaus in Bargfeld. [Quelle: Radio Bremen, Oliver Schwehm]
Die Schriftstellerin Marie Darieussecq vor Arno Schmidts Wohnhaus in Bargfeld. [Quelle: Radio Bremen, Oliver Schwehm]

Neue Heimat in der Heide

Das Porträt zeichnet Arno Schmidts schriftstellerischen Werdegang nach und widmet sich dabei verstärkt den Nachkriegsjahren, als Arno Schmidt mit seiner Frau Alice als Heimatvertriebene eine neue Bleibe suchte und diese schließlich im kleinen Heidedorf Bargfeld fanden.

In diesen Jahren setzte sich Schmidt in Erzählungen wie "Leviathan" und "Seelandschaft mit Pocahontas" mit den Erlebnissen des Krieges und der Nachkriegsgesellschaft auseinander, und das in einer Sprache und Radikalität, die für diese unerhört waren. In "Die Umsiedler" beschäftigt er sich mit dem damaligen Tabuthema von Flucht und Vertreibung und schildert, wie wenig willkommen er, der mit seiner Frau aus Schlesien fliehen musste, sich in der Bundesrepublik fühlte.

In "Das steinere Herz" wettert er gegen die Scheinheiligkeit und die allgemeinen Restaurationstendenzen der Adenauer-Jahre. Besonders zeichnen sich seine Texte durch ihren ausgeprägten Humor aus, der sämtliche Register zwischen Ironie und Sarkasmus zieht und gerade in der Rückschau als seiner Zeit weit voraus gelten muss.

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