Mediabox

Fernsehen Produktionen Dokumentationen

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Geschichte im Ersten

Widerstand unter Hitler

Der Diplomat Duckwitz

20. Oktober 2017, 21:15 Uhr | Tagesschau24

"De gode Tysker" – der "gute Deutsche" wird er in Dänemark noch heute genannt oder auch der "Schindler von Kopenhagen": Georg Ferdinand Duckwitz. Der deutsche Diplomat rettete fast 7.000 dänische Juden vor der Deportation durch die deutsche Wehrmacht. Diese Tat eines Mitglieds der deutschen Besatzungsmacht während der Zeit des Nationalsozialismus ist in Europa beispiellos. Für diese Verdienste wurde Georg Ferdinand in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt.

Georg Ferdinand Duckwitz als Mitarbeiter einer Bremer Kaffeefirma 1932. [Quelle: Radio Bremen und Fokus Geschichte e.V. ]

Georg Ferdinand Duckwitz als Mitarbeiter einer Bremer Kaffeefirma 1932. Quelle: Radio Bremen und Fokus Geschichte e.V.

Georg Ferdinand Duckwitz 1940 [Quelle: Radio Bremen, Fokus Geschichte e.V. und Politische Archiv Auswartiges Amt BRD]

Georg Ferdinand Duckwitz 1940 Quelle: Radio Bremen, Fokus Geschichte e.V. und Politische Archiv Auswartiges Amt BRD

Diplomatenpass von Georg Ferdinand Duckwitz [Quelle: Radio Bremen und Fokus Geschichte e.V. ]

Duckwitz' Diplomatenpass 1943, dem Jahr der geplanten Deportation der dänischen Juden. Quelle: Radio Bremen und Fokus Geschichte e.V.

Georg Ferdinand Duckwitz [Quelle: Radio Bremen, Fokus Geschichte e.V. und Politische Archiv Auswartiges Amt BRD]

Georg Ferdinand Duckwitz Anfang der 1970er Jahre Quelle: Radio Bremen, Fokus Geschichte e.V. und Politische Archiv Auswartiges Amt BRD

Georg Ferdinand Duckwitz [Quelle: Radio Bremen, Fokus Geschichte e.V. und Politische Archiv Auswartiges Amt BRD]

Georg Ferdinand Duckwitz Anfang der 70er Jahre im Auswärtigen Amt. Quelle: Radio Bremen, Fokus Geschichte e.V. und Politische Archiv Auswartiges Amt BRD

Duckwitz auf den Weg ins Flugzeug [Quelle: Radio Bremen, Fokus Geschichte e.V. und Politische Archiv Auswartiges Amt BRD]

Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz Quelle: Radio Bremen, Fokus Geschichte e.V. und Politische Archiv Auswartiges Amt BRD

Duckwitz mit Willy Brandt und Klaus Schütz in Berlin. [Quelle: Radio Bremen, Fokus Geschichte e.V. und Politische Archiv Auswartiges Amt BRD]

Duckwitz mit Willy Brandt und Klaus Schütz in Berlin. Quelle: Radio Bremen, Fokus Geschichte e.V. und Politische Archiv Auswartiges Amt BRD

Duckwitz bei seiner Ehrung in Yad Vashem. [Quelle: Radio Bremen, Fokus Geschichte e.V. und Politische Archiv Auswartiges Amt BRD]

Duckwitz bei seiner Ehrung in Yad Vashem. Quelle: Radio Bremen, Fokus Geschichte e.V. und Politische Archiv Auswartiges Amt BRD

Der Radio-Bremen-Film von Reinhard Joksch widmet sich dieser außergewöhnlichen Rettung und dem Leben von Duckwitz mit seinen Brüchen. "Das interessante an seiner Biografie ist", so der dänische Historiker Hans Kirchhoff, "dass Duckwitz in seinem Lebensweg die Wandlung vom rechtsnationalen Korpsstudenten hin zum Demokraten und Europäer durchmacht. Er trägt sozusagen alles Schreckliche und alles Gute in sich, was wir in dem letzten Jahrhundert erlebt haben."

Der Diplomat Duckwitz ist fast sein ganzes Leben immer wieder gegen den Strom geschwommen. Es ist die Lebensgeschichte eines Mannes, der heute vom Auswärtigen Amt als jemand bezeichnet wird, "der sich gegen den Zeitgeist und erst recht gegen die Verbrechen der Nazis stellte, dessen moralischer 'Kompass' nicht nur weiterhin funktionierte, sondern Richtschnur seines Handelns wurde."

Kaufmann und Diplomat

Georg Ferdinand Duckwitz wurde 1904 in Bremen geboren. Er stammt aus einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie. Sein Urgroßvater war der Bremer Kaufmann und spätere Bürgermeister Arnold Duckwitz. Seine Familie sei "nationalkonservativ gewesen", sagt sein Neffe Carl-Alexander Duckwitz heute. Vielleicht deshalb ist der junge Duckwitz von den Ideen Hitlers zunächst begeistert, wird 1932 Mitglied der NSDAP. Ab 1933 ist er im Außenpolitischen Amt der NSDAP tätig. Alles deutet auf eine Bilderbuchkarriere hin, die kaum erwarten lässt, dass er einmal tausenden Juden das Leben rettet. Doch anders als viele andere hochrangige Nazis zweifelt er bald am System und der Ideologie der Nationalsozialisten. Bereits 1935 wendet er sich von der Partei ab, ohne jedoch auszutreten. Er gilt als Abtrünniger und wird 1939 dennoch als Schifffahrtssachverständiger der deutschen Besatzer nach Kopenhagen entsandt und wechselt dort ins Auswärtige Amt. 

Er sei ein "anständiger Mensch gewesen", sagt heute einer der letzten noch lebenden dänischen Juden, Herbert Pundik. Hätte Duckwitz damals nicht mutig gehandelt, da ist sich der heute 90-jährige sicher, wäre "mein Schicksal das gleiche wie das der sechs Millionen Juden in Europa gewesen." Duckwitz hatte den Mut, die dänische Seite vor der drohenden Deportation ihrer Mitbürger zu warnen, und riskierte damit selbst sein Leben.

Die Rettung der dänischen Juden

Am Abend des 1. Oktober 1943 wird die dänische Hauptstadt von der Außenwelt abgeschnitten. Durch die Straßen der Innenstadt fahren Lastwagenkolonnen. Dies ist der Auftakt einer großangelegten Hetzjagd. Die deutschen Besatzer planen, tausende von dänischen Juden am Morgen des 2. Oktober zu verhaften und nach Auschwitz zu deportieren.

Doch die Razzia bleibt weitgehend erfolglos. Die meisten Juden haben die Stadt bereits verlassen und sind an die Küste geflohen, von wo sie mit großer Unterstützung der dänischen Bevölkerung über den Sund nach Schweden entkommen. Sie waren von Georg Ferdinand Duckwitz gewarnt worden, der zuvor in Schweden die Zusicherung erreicht hatte, dass man alle Flüchtlinge aufnehmen würde. 

Im diplomatischen Dienst

Bereits in den letzten Kriegstagen beweist Duckwitz sein Verhandlungsgeschick in den Kapitulationsverhandlungen und verhindert damit weiteres Blutvergießen. 1953 wird er deutscher Konsul in Helsinki und kehrt 1955 als deutscher Botschafter nach Kopenhagen zurück. 1967 wird Georg Ferdinand Duckwitz von Außenminister Willy Brandt zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes gemacht. Brandt wusste um Duckwitz’ Rolle in Dänemark und schätzte seine Integrität.

Er wird einer der wichtigsten Vertrauten Brandts und leitet die Verhandlungen für die "Ostverträge" mit Polen. Nach dem Abschluss des Warschauer Vertrages geht er in den Ruhestand und stirbt 1973 in Bremen. 

Ein Radio-Bremen-Film von Reinhard Joksch.

Eine Produktion von Fokus Geschichte im Auftrag von Radio Bremen (Redaktion Britta-Susann Lübke) gefördert von der nordmedia Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen-Bremen.

Produktionen
Mehr zu "Dokumentationen"
Mehr in "Dokumentationen"