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Wintergäste 2017

Jean Asselborn

Luxemburgs Außenminister

11. Februar 2017, 11:00 Uhr | Theater am Goetheplatz – Rangfoyer

Er ist berühmt und manchmal berüchtigt für seinen Klartext auf der diplomatischen Bühne, wie bei seiner Kritik an Mauern und Zäunen gegen Flüchtlinge. Jean Asselborn, Außenminister Luxemburgs, mit gewichtiger Stimme aus einem der kleinsten Länder Europas, war zu Gast in den "Wintergästen".

Jean Asselborn und Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen, Maria Klindworth]
Jean Asselborn freute sich auf sein Publikum. [Quelle: Radio Bremen, Maria Klindworth]

Sein Wort hat Gewicht in Brüssel, New York oder Berlin. Und er zieht eine klare Kante den diplomatischen Worthülsen vor: Auffanglager für Flüchtlinge in Libyen? Derzeit nicht möglich, so Asselborn. Grenzzäune gegen Flüchtlinge? "Wer das macht, gehört nicht in die EU", sagt er und provoziert Ärger bei einigen Ministerkollegen. Jean Asselborn, Luxemburgs Außenminister, weiß: Bei manchen Äußerungen spielt auch der Bauch eine Rolle. Dann tut es ihm leid, wenn er mal etwas zu forsch war.

Jean Asselborn war unser Wintergast 2017 [3:26 Minuten]

Zum Glück kein roter Teppich für den Diplomaten

Auf der Nordwestradio-Bühne im Bremer Theater erklärte er zunächst, dass er froh sei, nicht mit einem roten Teppich begrüßt worden zu sein. Das würde ihm vermutlich am Montag blühen, wenn er offiziell als Außenminister in den Iran reist. Asselborn ist ein sehr unkomplizierter Zeitgenosse. Bodenständig und sogar mit leichten Bremen-Kenntnissen. "Gab es hier nicht bei Werder mal den Rudi Lemke?", so Asselborn kurz vor der Sendung zu Otmar Willi Weber. "Nein, aber auch keinen Willi Carrell", war die korrekte Antwort des Nordwestradio-Moderators. Gleich danach ging es dann los: Live-Talk auf der Bühne, vor Publikum. Für Asselborn natürlich völlig normal. Er ist in seiner langen Dienstzeit ziemlich herumgekommen. "Ich stamme aus einem kleinen Land. Kleine Länder haben großes Ausland. Da muss ich viel fliegen."

Asselborn: Was haben Außenminister und Förster gemeinsam? [30 Sekunden]

Asselborn reist nach seinem Besuch in Bremen weiter nach Berlin. Dort ist er von seinem Freund und deutschem Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier zur Bundespräsidentenwahl eingeladen. Aber auch privat verbinden die beiden gemeinsame Erlebnisse. Asselborn war beispielsweise mit Steinmeier und dem ehemaligen Präsidenten Österreichs, Heinz Fischer, in dessen Heimat wandern. "Das war an der Mur, aber ich weiß nicht genau, wie das Ding da hieß. Wir sind dann auf einen großen Berg, vorher war Sturm und die Bäume lagen da wie Mikado. Einer ist darüber gehuscht, wie ein Marder. Das war der Frank", so Asselborn.

Jean Asselborn unterhält sich mit zwei Männern [Quelle: Radio Bremen]

Gut gelaunt erschien Jean Asselborn zur Wintergäste-Veranstaltung im Bremer Theater.

Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen]

Zunächst musste Otmar Willi Weber aber allein ran: Live-Schalte ins Nordwestradio-Studio, damit unsere Hörerinnen und Hörer auch wissen, was gleich im Bremer Theater passiert.

Jean Asselborn und Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen]

Dann ging es los: Jean Asselborn freute sich auf sein Publikum.

Jean Asselborn und Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen]

Jean Asselborn und Moderator Otmar Willi Weber verstanden sich von Anfang an blendend.

Jean Asselborn [Quelle: Radio Bremen]

Beide stellten gleich eine Gemeinsamkeit fest...

Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen]

... nämlich die gleiche Bart-Vorliebe.

Jean Asselborn und Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen]

Jean Asselborn und Otmar Willi Weber

Jean Asselborn [Quelle: Radio Bremen]

Jean Asselborn gab sich auch kämpferisch: "Die Populisten zeigen uns, dass wir für Rechtstaat und Demokratie kämpfen müssen!"

Das Publikum klatscht [Quelle: Radio Bremen]

Immer wieder Szenen-Applaus: Das Publikum war begeistert von Luxemburgs Außenminister.

Ein Croissant und ein Ei [Quelle: Radio Bremen]

Viele Besucher genossen das Gespräch bei einem schönen zweiten Frühstück.

Jean Asselborn und Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen]

Viel Ernstes wurde besprochen, doch der Spaß kam nicht zu kurz.

Jean Asselborn gab im Anschluss an die Veranstaltung reichlich Autogramme [Quelle: Radio Bremen]

Jean Asselborn gab im Anschluss an die Veranstaltung reichlich Autogramme

Gefragt: Jean Asselborns Autogramm. [Quelle: Radio Bremen]

Gefragt: Jean Asselborns Autogramm.

Otmar Willi Weber, Bernd Scholz, Ulrike Petzold und Katrin Krämer [Quelle: Radio Bremen]

Am Schluss gab es noch einen Abschied. Das "Wintergäste"-Team Bernd Scholz, Ulrike Petzold und Katrin Krämer verabschiedete Otmar Willi Weber als Moderator der Sendung.

Moin Bremen - Morjen Luxemburg

Asselborn spricht neben luxemburgisch, französisch auch fließend deutsch: "Wir sagen übrigens auch wie hier Morjen, also Moin. Das auch abends um zehn Uhr." Gleich danach wurde es etwas ernster. Moderator Otmar Willi Weber nahm Bezug auf die US-Präsidentschaftswahl. "Wir müssen das ernst nehmen. Wir müssen wissen, dass das ein Amerika ist, was momentan auf einer ganz anderen Schiene ist."

America first geht einem schrecklich auf den Ticker. Wir dürfen das aber nicht mit Europe first beantworten.

Asselborn spricht sich dafür aus, der momentan sehr umstrittenen neuen US-Regierung unter Donald Trump klar zu machen, dass es bestimmte Werte gibt. Trump werde auch wegen der wirtschaftlichen Beziehungen einsehen, dass er Europa braucht und "dass wir Amerika brauchen", so der Luxemburger Asselborn.

Der amerikanische Traum wackelt ! [51 Sekunden]

"Wir sind als Europäer nicht gegründet worden, um den Amerikanern Konkurrenz zu machen. Wir sind gegründet worden, dass diese Katastrophen des 20. Jahrhunderts sich nicht wiederholen. Wo auch sehr, sehr viele amerikanische junge Menschen ihr Leben gelassen haben", so Asselborn. Dafür müsse man in Europa stehen, "auch wenn der amerikanische Traum momentan wackelt". Wichtige Fragen innerhalb der 28 Länder der Europäischen Union seien: Haben wir Gerichte? Haben wir eine unabhängige Justiz? Haben wir öffentliche freie Medien? Wenn man den Amerikanern gradlinige Botschaften gebe, müsse man auch in Europa gradlinig leben. "Wir haben viel an uns selbst zu arbeiten".

"Zersetzung Europas ist ein populistisches Thema geworden"

Asselborn sieht seit knapp zehn Jahren eine Tendenz in verschiedenen europäischen Ländern, Europa "zu zersetzen". Das sei sehr gefährlich, weil gegen Finanzkrisen, Terrorismus und Klimawandel keine nationalistischen Alleingänge helfen würden. "Wie können wir denn als normal denkende Menschen glauben, dass wir im 21. Jahrhundert diese großen Herausforderungen alleine meistern?"

"Wir müssen als Europa zusammenstehen" [1:00 Minuten]

Europa ist nicht aus der Mode gekommen ! Die Populisten zeigen uns, dass wir für Rechtstaat und Demokratie kämpfen müssen!
Jean Asselborn und Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen, Maria Klindworth]
Jean Asselborn und Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen, Maria Klindworth]

Eine Ursache für den Zulauf von Populisten vermutet Asselborn unter anderem darin, dass etablierte Politiker eine "fundamentale Ehrlichkeit mit Füßen treten". Als Beispiel nannte er den französischen Präsidentschaftskandidaten Francois Fillon, der wegen der mutmaßlichen Schein-Beschäftigung seiner Frau auf öffentliche Kosten massiv in der Kritik steht. Zudem nährten sich Extremisten und Populisten von der hohen Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Problemen in einzelnen EU-Mitgliedsstaaten.

Was Kanzlerin Merkel 2015 in der Flüchtlingsfrage getan hat, war das einzig Richtige !

Asselborn nahm in der Sendung "Wintergäste" auch zur Flüchtlingsfrage Stellung. "Stacheldraht um Deutschland, dann wäre Europa explodiert." Die deutsche Regierung habe 2015 gezeigt, dass das Bild Deutschlands im 21. Jahrhundert ein anderes ist, als das Bild Deutschlands in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Das sei eine große Herausforderung für Kanzlerin Angela Merkel gewesen. In der Flüchtlingsfrage brauche man europäische Lösungen und europäische Solidarität, so der Sozialist.

Ich war in Flüchtlingslagern. Wenn man dort Kindern in die Augen schaut, diese Erwartung nach einer Lebenschance...wenn man diese Blicke deuten kann, dann ist Vieles einfacher

Ein Arbeiterkind wird Politik-Star

Der leidenschaftliche Europäer kommt 1949 in Steinfort in einer Stahlarbeiterfamilie zur Welt und lernt früh, was harte Arbeit ist. Eine Prägung fürs Leben, die den jungen Asselborn schnell in die sozialdemokratische "Letzeburger Sozialistische Arbeiterpartei" führt und die ihm bei seinem Weg über Jurastudium, Parteiarbeit und Bürgermeisterposten bis zum Außenministeramt wichtig geblieben ist. "Meine Eltern haben nie ein Haus besessen und bis in die Siebziger Jahre sind sie auch nie in die Ferien gefahren". Dennoch habe er eine glückliche Kindheit - und mit 18 ein eigenes Auto gehabt. "Das hatte aber schon gleich am ersten Tag eine Beule". Sein Lebensmotto sei seit seinen jungen Jahren "Bleibe der, der Du bist!".

Er ist berühmt und manchmal berüchtigt für seinen Klartext auf der diplomatischen Bühne, wie bei seiner Kritik an Mauern und Zäunen gegen Flüchtlinge. Jean Asselborn, Außenminister Luxemburgs, mit gewichtiger Stimme aus einem der kleinsten Länder Europas, war zu Gast in den "Wintergästen" im Nordwestradio.

Autor/-in: Weber Otmar Willi
Länge: 45:46 Minuten
Datum: Samstag, 11. Februar 2017
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Jean Asselborn im Porträt [3:35 Minuten]

Protagonist des Dokumentarfilms "Foreign Affairs"

Das Leben zwischen Flüchtlingsgipfeln, Brüsseler und Luxemburger Alltag und den "Handshakes" mit Politikern aus aller Welt bildet den roten Faden im Dokumentarfilm "Foreign Affairs" von 2016. Das Portrait zeigt den 67-jährigen Politiker in Nahaufnahme, im Flugzeug und bei der morgendlichen Runde im Hotel, im Flüchtlingscamp oder am UNO-Rednerpult. Aber auch zuhause beim Rasenmähen, beim Mittagsschlaf auf dem Sofa oder am Berg auf dem Fahrrad. Bei Jean Asselborns jüngstem Deutschlandbesuch am 21. Januar 2016 macht er sich in Koblenz bei einer Protestversammlung gegen AFD und Front National für ein buntes Europa ohne Rassismus stark.

Kleine Anekdote zum Abschluss: Asselborn war vor einiger Zeit in die ARD-Talksshow von Anne Will eingeladen. Dort traf er auf die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. Auf deren Frage, warum Luxemburg so viele Briefkastenfirmen habe, sagte Asselborn: "Wir haben kein Platz für Häuser, darum haben wir viele Briefkästen!"

Moderation: Otmar Willi Weber

Thema im Nordwestradio: 11. Februar 2017, 13:05 Uhr

Genaue Adresse:
Theater am Goetheplatz – Rangfoyer
Goetheplatz 3-5
28203 Bremen

Veranstaltungstermin:
11. Februar 2017, 11:00 Uhr

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