Livestream

Bremen Zwei Veranstaltungen Live-Gäste

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Wintergäste 2017

Barbara Kostolnik

ARD-Korrespondentin in Frankreich

4. Februar 2017, 11:00 Uhr | Theater am Goetheplatz – Rangfoyer

"Wintergast"-Sendung aus dem Bremer Theater. Barbara Kostolnik sitzt auf der Bühne. Sie berichtet eigentlich für den ARD-Hörfunk aus Paris. Das Nordwestradio hat sie zu einer umfassenden Plauderei eingeladen.

Barbara Kostolnik und Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen, Flora Lankenau]
Barbara Kostolnik und Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen, Flora Lankenau]

Das Gesicht Frankeichs hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Ausnahmezustand nach Terrorangriffen. Blutige Anschläge auf die Karikaturisten von "Charlie Hebdo", auf Konzertsäle und Stadien in Paris, auf die Promenade von Nizza. Die Stimmung hat sich verdunkelt. Die "Grande Nation", jahrzehntelang stolz auf ihre Integrationspolitik, steht nun bei der Präsidentschaftswahl Ende April und Anfang Mai vor einem Richtungsentscheid: Werden die etablierten Parteien dem Aufschwung des rechtspopulistischen "Front National" Einhalt gebieten können?

Barbara Kostolnik war unser Wintergast 2017 [3:46 Minuten]

Politik und "Savoir Vivre"

Diese ernsten Themen lassen sich im Gespräch mit der ARD-Frankreich-Korrespondentin nicht vermeiden. Aber es geht auch um das lebenslustige, leidenschaftliche und so vielfältige Frankreich. Ein Nachbarland, mit dem Deutschland in Freude und Leid so eng verbunden ist. Im "Vorgeplänkel der Sendung" wollte Moderator Otmar Willi Weber erst einmal wissen, wie man sich eigentlich in Frankreich korrekt begrüßt. "Bonjour" als Guten Tag, und wenn es etwas salopper sein darf, dann sagt man gerne "Salut", so Kostolnik. Denkt man an Frankreich, denkt man natürlich auch an gutes Essen, exzellente Küche, hochklassiges Ambiente.

Die Versuchung der französischen Küche [35 Sekunden]

"Hätte man sie vor ein paar Wochen eingeflogen, hätte man sagen können: Die Frau, die aus der Kälte kam! Minus vier Grad in Paris. Le grand frois – Warmduschen verboten", so Otmar Willi Weber . "Ja, das war wirklich irre. Ich komm' ja aus Bayern, und bei minus ein Grad sagt man dort "Ja mei...". Aber was die Franzosen für ein Theater gemacht haben... es gab Sondersendungen über die Große Kälte, es gab Aufrufe im Radio zum Stromsparen, Duschen nur zu bestimmten Zeiten... also ein großes Theater!"

Die Franzosen schwimmen im Atomstrom. Bei denen kommt der Strom aus der Steckdose.

Kommt man bei dem politischen Theater eigentlich auch noch ins richtige Theater? ARD-Korrespondentin Kostolnik: "Ich bin schon lange nicht mehr dazu gekommen. Ich war mal am Place de la Republique, da ist ein sehr schönes altes Theater, da treten in der Regel Stand-Up-Comedians auf.

Vom Kabarett zur Politik

Nach der Leichtigkeit des Kulturellen diskutierten Moderator Otmar Willi Weber und Barbara Kostolnik auch die politischen Themen. "Frauen an die Macht" würde in Frankreich momentan bedeuten: Marine Le Pen vom Front National ins Präsidentenamt. Die Wahl steht Ende April an. "Le Pen macht momentan auch Wahlkampf für Frauen. Sie versucht, sich um alle Bevölkerungsgruppen zu kümmern. Ihre zentralen Fragen sind aber Einwanderung und Europa".

Barbara Kostolnik [Quelle: Radio Bremen, Flora Lankenau]
Barbara Kostolnik [Quelle: Radio Bremen, Flora Lankenau]

Auf der Gegenseite stünde der parteiunabhängige Kandidat Emmanuel Macron, dem gute Chancen eingeräumt würden. Aus dem Rennen ist laut Kostolnik der frühere Ministerpräsidenten Fillon. Ihm wird vorgeworfen, seine Ehefrau zum Schein als Assistentin angestellt und mit Hunderttausenden Euro aus der Staatskasse entlohnt zu haben.

Sozialdemokratisch ist in Frankreich ein Schimpfwort.

Deswegen hätten sich auch viele sozialistische Wähler von Francois Hollande abgewandt, weil er nicht wirklich "links" sei – aber eben auch nicht rechts.

"Make France great again!" - Le Pen will abschotten [59 Sekunden]

"Das klingt irgendwie trumpig", meint Moderator Otmar Willi Weber. Barbara Kostolnik: "Marine Le Pens Vorbild ist US-Präsident Donald Trump. Le Pen sagt: Ich räume auf! Wir haben jetzt eine Chance verdient, die anderen haben ihre Chancen gehabt.", so die Einschätzung der ARD-Hörfunk-Korrespondentin.

Nach Anschlag im Stadion zwischen Soldaten versteckt

Barbara Kostolnik war während des Bombenanschlags auf das Fußball-Freundschaftsspiel Frankreich-Deutschland im November 2015 im Stade de France. Sie kam im allgemeinen Durcheinander nur deswegen so schnell wie möglich in das ARD-Sendestudio zurück (um zu berichten), weil sie sich in einer Gruppe von zivilgekleideten Soldaten versteckte, die das Fußballstadion verließ.

"Ich muss berichten-ich kann hier nicht sein !!!" [38 Sekunden]

Barbara Kostolnik und Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen, Flora Lankenau]
Barbara Kostolnik und Otmar Willi Weber [Quelle: Radio Bremen, Flora Lankenau]

Kostolnik bericht in der "Wintergast"-Sendung aus dem Bremer Theater auch über die Stimmungslage der Franzosen nach den Terroranschlägen von 2015. Sie beschreibt das Ausgehen in Cafès, in Kneipen oder wie sich die Menschen in der Metro bewegen. Sie selbst konnte eine ganze Zeit in Restaurants nicht mit dem Rücken zum Fenster sitzen. Sie wollte sehen, wenn da jemand "ein Maschinengewehr auspackt". Sehr positiv empfand sie die Haltung vieler Menschen nach den Angriffen. Paris sei sonst eine Stadt gewesen, in der Menschen sehr nebeneinanderher gelebt hätten. Aber:

Die Menschen passen jetzt besser aufeinander auf.
Ein Saal, in dem Menschen an kleinen Tischen sitzen und alle in eine Richtung schauen [Quelle: Radio Bremen, Flora Lankenau]
Zahlreiche Besucher verfolgten die Aufzeichnung der "Wintergast"-Sendung mit Barbara Kostolnik. [Quelle: Radio Bremen, Flora Lankenau]

Nach Politik und düsteren Themen spielte Otmar Willi Weber mit Barbara Kostolnik ein Assoziationsspiel. Er begann einen Satz, den sie beenden musste.

"In Paris eine halbwegs bezahlbare Wohung finden... ist nahezu unmöglich."

"Nach Feierabend versackt man am Besten... in einem kleinen Restaurant in der Nähe des Eiffelturms. Nicht touristisch, ganz normal!"

"Ihr Lieblingsbäcker ist... der, der "le Schwarzbrot" verkauft."

"Am freien Wochenende... laufe ich zu Fuß durch die Stadt."

Paris-Korrespondentin Barbara Kostolnik [43:13 Minuten]

Barbara Kostolnik im Porträt [3:37 Minuten]

Hintergrund: Frankreich am Scheideweg?

Derzeit haben Republikaner und Sozialisten vor allem mit sich selbst zu kämpfen: Die Kampagne des konservativen Kandidaten François Fillon droht im Affärensumpf zu versacken, während die Sozialisten mit dem ehemaligen Bildungsminister Benoît Hamon von der 32-Stundenwoche bis zum bedingungslosen Grundeinkommen soziale Wohltaten versprechen, die schwer mehrheitsfähig sein werden. Von der Schwäche der anderen profitieren könnte der unabhängige Emmanuel Macron. Der ehemalige Wirtschaftsminister hat eine eigene Bewegung gegründet, die derzeit mächtig Zulauf hat. Eine Gegnerin haben sie alle: Marine Le Pen hat mit ihrem "Front National" zuletzt die Themen setzen können, beim ersten Wahlgang bei den Regionalwahlen 2015 lag der "Front National" erstmals vorne.

Moderation: Otmar Willi Weber

Thema im Nordwestradio: 4. Februar 2017, 13:05 Uhr

Genaue Adresse:
Theater am Goetheplatz – Rangfoyer
Goetheplatz 3-5
28203 Bremen

Veranstaltungstermin:
4. Februar 2017, 11:00 Uhr

Unsere Wintergäste 2017
Veranstaltungen