Livestream

Bremen Zwei Veranstaltungen Live-Gäste

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Herbstgäste 2017

Urban Priol

Kabarettist

11. November 2017, 11:00 Uhr | Café Farbwechsel im Horst-Janssen-Museum

Er ist schnell, bissig und setzt die Pointen dort, wo es wehtut. Urban Priol gehört seit fast 20 Jahren zu den beliebtesten Kabarettisten in Deutschland. Der Spaßvogel mit den schrillen Hemden flatterte uns als zweiter Herbstgast 2017 ins Haus.

Zwei Männer sitzen auf einer Bühne und halten Mikrophone in der Hand. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehoeft]
Herbstgast Urban Priol im Gespräch mit Moderator Alexander Brauer [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehoeft]

Mit seinem Kollegen Georg Schramm machte er "Neues aus der Anstalt" zur erfolgreichsten Kabarett-Sendung im deutschen Fernsehen. Seit dem Ausstieg aus der "Anstalt" vor vier Jahren lässt es der kabarettistische "Überzeugungstäter" Urban Priol aber keineswegs ruhiger angehen.

Rasant, politisch, markant

Sein voller Tourneekalender führte den Unterfranken in den Nordwesten – und ließ auch noch Raum für einen Besuch bei den Herbstgästen von Bremen Zwei. Volles Haus im Café Farbwechsel im Horst-Janssen-Museum. Pünktlich um elf saßen Priol und Moderator Alexander Brauer auf der Couch, während im Publikum das Frühstücksgeschirr klappert. Priol, diesmal nach Ansicht von Alexander Brauer im "eher schlichten" Hemd... Der Kabarettist pflichtete bei: "Besonders für den Funk, da dringt das gar nicht so nach außen. Ich hab`s aber privat auch gerne bunt. Es ist grau genug im Land."

Auftritte im Nordwesten

Priol kam direkt aus Bremen nach Oldenburg. In Bremen hatte er am Freitagabend noch einen Auftritt in der "Glocke"und war diesmal danach nicht ganz so lange auf einen Absacker am Tresen. Üblicherweise trifft er dort noch sein Publikum. "Wer im Programm war und mit mir am Tresen steht und immer noch was von mir hören will... Gelächter... ich habe da keine Berührungsängste. Gestern hab ich`s dann aber so gemacht, dass ich relativ zeitig um halb eins im Bett war. Ein Buch genommen, so zwei, drei Seiten gelesen und dann geschlafen".

Politik bietet momentan Fülle an Themen für Kabarett

An Themen mangelt es dem Schnellredner und Wortakrobaten derzeit sicher nicht: Der Erfolg der AfD, die Führungskrise in der CSU und die knirschenden Verhandlungen der möglichen Jamaika-Koalitionäre – ein gefundenes Fressen für den politischen Kopf Priol. Und kein anderer baut das aktuelle Geschehen so rasend schnell in sein Bühnenprogramm ein wie der Mann mit dem markant toupierten Haarkranz. Zur Jamaika-Koalition: "Nächstes Jahr ist Landtagswahl in Bayern, und wenn die für die CSU schiefgeht, dann säuft Jamaika ganz schnell ab".

Ein Mann in buntem Hemd und mit grauen, wirren Haaren sitzt mit Mikrophon auf einer Bühne. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehoeft]
Urban Priol würde gerne mal für den CSU-Politiker Markus Söder eine Rede schreiben - "wenn er danach in der politischen Versenkung verschwindet". [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehoeft]

"Passau ist natürlich immer schön, wenn da die CSU ihren Aschermittwoch feiert." Ob er für den Politiker Markus Söder von der CSU (aktuell bayerischer Finanzminister) eine scharfe Rede gegen CSU-Chef Horst Seehofer schreiben würde? "Ja, wenn die Rede garantieren würde, dass er danach in der politischen Versenkung verschwinden würde... Nein, aber im Ernst, die CSU muss ja nun mit der CDU zusammenkommen, ohne dass Blauhelme bei der Fraktionssitzung dabei sind."

Priol ist ein Mann mit Sendungsbewusstsein. Daran muss und musste er immer bei seinem Bühnenprogramm feilen. "Ich neigte immer dazu, zu lang zu sein. Mir hat sehr geholfen, dass ich in England studiert habe. Da habe ich viele Comedy-Shows gesehen, da haste gemerkt, wie die Taktung geht. Man muss eine Pointe auch nicht mal zu Ende sprechen, sondern es dem Publikum überlassen, die selber weiterzudenken."

Konservative Politiker sind beliebte Ziele Priols

Zur erneuten Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU): "Sie mutiert ja zu 'ner Comicfigur. Wenn sie so rumläuft, kriegt sie ja gar nicht mehr mit, was um sie herum passiert. Merkel hat 'ne Verdrängungsleistung wie ein Hochseetanker."

Zu Helmut Kohl: "Kohl und ich haben in den achtziger Jahren zur gleichen Zeit mit dem Kabarett angefangen!"

Zur AfD: "Ich dachte, diese Leute sterben irgendwann aus, aber das sind nachwachsende Rohstoffe!"

Die eigene Bühne im "Hofgarten"

Der Erfolg ist dem gebürtigen Aschaffenburger nicht in den Schoß gefallen. Schon mit 22 Jahren stand Priol auf den Kleinkunstbühnen und brach einige Jahre später sein Lehramtsstudium ab, um sich ganz der Bühnenkarriere zu verschreiben. Rund 300 Auftritte absolvierte der bekennende Genussmensch in manchen Jahren. Und schuf sich gleich sein eigenes Kabarett im heimischen Aschaffenburg – dort wollte die Stadt eine denkmalgeschützte Orangerie zum Kulturzentrum umbauen, aber das notwendige Geld nicht aufbringen. Priol und seine Frau übernahmen das Gebäude per Erbpacht und präsentieren nun nicht nur eigene Programme im "Hofgarten", sondern haben sich auch der Förderung des Nachwuchses verschrieben.

Menschen sitzen in einem großen Saal mit hohen Fenstern. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehoeft]
Die "Herbstgäste"-Veranstaltung in Oldenburg war heiß begehrt-das Publikum musste ein wenig zusammenrücken... [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehoeft]

Publikumserfolg "Neues aus der Anstalt"

Mit reichlich Bühnenerfahrung gelang Priol 2004 endgültig der Sprung auf den TV-Bildschirm. Erst profilierte er sich mit "Alles muss raus" auf dem Kultursender 3sat, bevor er zum ZDF wechselte und das aktuelle Tagesgeschehen als Chefarzt der TV-Anstalt kommentierte – immerhin die erste Kabarett-Sendung im ZDF seit den legendären "Notizen aus der Provinz" mit Dieter Hildebrandt. "Neues aus der Anstalt" wurde nicht nur zum Publikumserfolg, sondern brachte Priol auch den Deutschen Fernsehpreis ein. Aktuell ist Urban Priol mit seinem Programm "gesternheutemorgen" unterwegs – und versorgt sein Publikum mit einer Mischung aus gezielten Schnellschüssen und Kabarettklassikern aus 35 Jahren Bühnenleben.

Urban Priols Spitznamen...

... für Politiker, die Moderator Alexander Brauer recherchiert hat: von der Leyen – die letzte Blendgranate im Munitionsdepot. Der türkische Machthaber Erdogan ist der Döner-Putin. Alexander Dobrindt, der mentale Einzeller. Die CSU, die Voralpen-Wichtel.

Tag 48 nach der Bundestagswahl – die Jamaika-Sondierung läuft...

"Moses hat 40 Tage für seine zehn Gebote gebraucht, aber der war ja auch allein", so Priol. Bremen-Zwei-Moderator Alexander Brauer wollte wissen, wie der Kabarettist es schafft, politische Themen schnell umzusetzen. "Ich bin oft so aktuell, ich kann das, was mich in den Morgenmagazinen aufregt, abends loswerden. Das ist eine gute Therapie, und ich bekomme sogar noch Geld dafür." Im Vor-digitalen-Zeitalter sei seine Arbeit langsamer gewesen, weil die politischen Nachrichten und Inhalte erst über Zeitung und Fernsehen nach zwei oder drei Tagen beim Publikum angekommen seien und dann erst vom Kabarettisten vertieft werden konnten. Heute seien die Menschen über das Internet deutlich schneller informiert.

Er ist schnell, bissig und setzt die Pointen dort, wo es wehtut. Urban Priol gehört seit fast 20 Jahren zu den beliebtesten Kabarettisten in Deutschland. Der politische Spaßvogel mit den schrillen Hemden flatterte uns als zweiter Herbstgast 2017 ins Haus.

Autor/-in: Alexander Brauer
Länge: 43:40 Minuten
Datum: Samstag, 11. November 2017
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Über ein paar private Dinge plauderte Urban Priol in den "Herbstgästen" auch. Beispielsweise über seine Kindheit und Jugend in einem kleinen, bayerischen Dorf in Main-Franken. "Ich komme aus einem sozialdemokratischen Elternhaus, aber in der Verwandtschaft waren auch Hardcore-CSUler. Bei Familienfeiern sagte meine Mutter immer: Wenn Streit, dann erst nach der Suppe!" Und wenn es ganz schlimm wurde, bat Priols Mutter ihn, Prominente zu parodieren, um die Spannung zu lösen. Sein Vater war bei Priols Geburt 67 Jahre alt. "Ich war auch nicht geplant, ich sage immer, ich war der Goldene Schuss! Ich hatte viele Freiheiten, weil er eine gewisse Altersgelassenheit hatte". Eine Leidenschaft des Satirikers ist das Pilzesammeln. "Das ist für mich Lamellen-Yoga, da kann ich abschalten."

Abschalten – einschalten

Eingeschaltet haben bei Priols ZDF-Sendung "Neues aus der Anstalt" Millionen von Menschen. Priol ist stolz darauf und froh, dass er mitwirken konnte, im ZDF nach jahrzehntelanger "satireloser Zeit" bei dem öffentlich-rechtlichen Sender wieder eine feste Satiresendung etabliert zu haben. "Es ist übrigens nicht so, dass Du im Fernsehstudio auf der Bühne stehst und daran denkst, dass da Millionen am Bildschirm hängen. Du hast die 300 Leute im Studio im Publikum und für die musst Du spielen". Mittlerweile genießt Priol es, nicht mehr unbedingt als Kunstfigur zu spielen, sondern wieder ein eigenes "normales" Bühnenprogramm zu präsentieren. "Jetzt bin ich auf der Bühne ich, in Politikerrollen springe ich nicht länger als eine Minute. Mehr Aufmerksamkeit haben sie eh nicht verdient".

Moderation: Alexander Brauer

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. November 2017, 11:05 Uhr

Genaue Adresse:
Café Farbwechsel im Horst-Janssen-Museum
Am Stadtmuseum 4-8
26121 Oldenburg

Veranstaltungstermin:
11. November 2017, 11:00 Uhr

Alle Herbstgäste 2017
Veranstaltungen