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Wintergäste 2018

Max Raabe

Sänger

20. Januar 2018, 11:00 Uhr | Theater Bremen, Rangfoyer

Unsere Reihe "Wintergäste" ist mit einem Mann mit untrüglichem Gespür für Stil und Taktgefühl gestartet: Wenn Max Raabe die Bühne betritt, sitzt der Smoking und jeder Ton stimmt – so auch im Theater am Goetheplatz in Bremen.

Max Raabe [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Es gab einiges zum Lachen: Max Raabe und Alexander Brauer im Gespräch. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Die ganze Sendung zum Anhören:
Der Mann mit Taktgefühl – Sänger Max Raabe [47:32 Minuten]

Am Vorabend stand unser Wintergast Max Raabe noch mit seinem Palastorchester auf der Bühne der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck. Gekleidet – natürlich – stilecht im Smoking. Der Auftritt wurde mit stehenden Ovationen belohnt. "Das kommt vor", schmunzelt Raabe. "Aber vielleicht wollen die auch nur nach Hause." Natürlich freuen sich alle über den Erfolg. Schließlich sei das Programm "Der perfekte Moment… wird heute verpennt" noch ganz neu. Daher werde daran auch bei den ersten Konzerten noch gefeilt.

Da guckt man noch ganz anders und überlegt: Kann man hier das Tempo noch anziehen? Ist das Stück an der richtigen Stelle? Während man singt und auftritt, blickt man quasi auf sich ganz anders, als wenn das Programm schon etwas routinierter läuft.

Max Raabe

"Es wird noch gefeilt" [19 Sekunden]

Max Raabe [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Max Raabe arbeitet gerne mit anderen Künstlern zusammen. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Ohne Kaktus geht es nicht

Natürlich kann auf der Bühne auch schon mal etwas schieflaufen. In Celle brachte ein verpatzter Einsatz des Gitarristen Max Raabe so sehr zum Lachen, dass das Stück unterbrochen werden musste. Für den Routinier aber kein Grund zum Ärgern. "So was ist ganz selten, und das Publikum freut sich diebisch, wenn uns mal was in die Hose geht, weil wir eigentlich immer sehr präzise sind."

Im Programmheft ist der Hinweis zu lesen: "Es ist eine Mischung aus Liebe, Musik und Topfpflanzen". Ganz klar, denn der kleine, grüne Kaktus darf natürlich bei keinem Auftritt des Palast Orchesters fehlen.

Das Stück ist, glaube ich, knapp unter zwei Minuten lang. Aber die Freude, die man mit diesem Titel auslöst, ist enorm.

Max Raabe

Kein Auftritt ohne Kaktus [21 Sekunden]

Max Raabe [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Max Raabe war unser erster Wintergast 2018 – im Rangfoyer des Theaters am Goetheplatz. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Etikettenschwindel

Das neue Album hat sich vom Grundsound der 1920er Jahre verabschiedet. Für Max Raabe musste das so sein. Es ginge immer noch darum, Geschichten zu erzählen – das schätze er auch an der Musik der damaligen Zeit – aber:

Wenn man über Liebe, Eifersucht und zwischenmenschliche Dramen schreibt und dann aber eine Musik verwendet, die nach 20er und 30er Jahren klingt, dann erkennt man nicht mehr, dass das Stück neu ist. Und dann ist es Etikettenschwindel!

Max Raabe

Etikettenschwindel [14 Sekunden]

Am musikalischen Vorgänger "Küssen kann man nicht alleine" arbeitete Max Raabe gemeinsam mit Annette Humpe. Jetzt steckte der gelernt Opernsängern seinen Kopf zusammen mit den Machern von "Rosenstolz" und dem Komponisten Achim Hagemann – den meisten aus dem bekannten Hurz-Sketch gemeinsam mit Hape Kerkeling bekannt. Der Kontakt kam über Annette Humpe zustande – denn selbst, gibt Max Raabe zu, wäre er gar nicht auf die Idee gekommen.

Ich bin da so reingerutscht, nehme solche Sachen aber gleich wahr. Man kann sich ja treffen. Und setzt sich hin und arbeitet. Und man kann dann auch irgendwann sagen "Das klappt nicht!". Aber glücklicherweise ist das bisher immer gut ausgegangen.

Max Raabe

Zusammenarbeit mit Humpe und Co [20 Sekunden]

Budenbauer und Schellack-Liebhaber

Über seine Kindheit spricht Max Raabe eigentlich gar nicht so gerne. Bremen-Zwei-Moderator Alexander Brauer konnte ihm aber doch ein wenig dazu entlocken. Aufgewachsen ist Raabe auf einem Bauernhof in Lünen in der Nähe von Dortmund. Trotzdem sei er aber kein Naturbusche gewesen. Gehämmert habe er aber gerne – und so wurden die Schuppen der Nachbarn direkt verschlossen, wenn sich der kleine Matthias – so Raabes Geburtsname – näherte.

Ich habe immer irgendwelche Baumbuden gebaut und den Garten unter Wasser gesetzt. (…) Diese frühe Phase habe ich da ausgetobt. Ich bin heute völlig Baumarkt-clean.

Max Raabe

"Ich bin Baumarkt-clean" [25 Sekunden]

Max Raabe [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Patzer auf der Bühne seien kein Drama, meint Max Raabe. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Die erste große Liebe – musikalisch betrachtet – war "Die verrückte Hilde", eine Schellackplatte seines Vaters. Sein Interesse für die Musik war geweckt, und auf dem Flohmarkt in Münster kaufte er weitere Platten. Im Radio hörte er am liebsten Sendungen, die sich mit der Musik der 20er Jahre beschäftigten. Dienstags musste da schon mal jemand für ihn das Ganze auf Kassette aufnehmen – da musste der damals 13-Jährige nämlich zum Turnen.

Wofür man brennt

Der Karrierewunsch, als Musiker sein Brot zu verdienen, war da aber noch lange nicht geweckt. Als er in den 80er Jahren nach Berlin ging und dort Gesangsunterricht nahm, wuchs der Mut in Max Raabe heran, an der Berliner Hochschule für Künste vorzusingen. Dass sich daraus eine Weltkarriere entwickeln würde – damit konnte damals keiner rechnen.

Es gibt dafür keine Garantie. Aber für welchen Beruf gibt es eine Garantie? Dann soll man lieber seine Energie in das stecken, woran man glaubt und wofür man brennt.

Max Raabe

"Wofür man brennt" [21 Sekunden]

1986 gründete Raabe zusammen mit Studienkollegen das Palast Orchester. Es wurde eifrig geprobt, aber der erste Auftritt erfolgte erst rund ein Jahr später, beim Theaterball der HfK in Berlin. Die Gäste waren von der Musik so begeistert gewesen, erzählt der Westfale, dass das damals noch magere Repertoire gleich zweimal gespielt werden musste.

Weltweit unterwegs

Der große Durchbruch kam dann 1992 mit der Veröffentlichung von "Kein Schwein ruft mich an". Der Titel wurde erstmalig im Radio gespielt, das Orchester trat im Fernsehen auf und bespielte Bühnen außerhalb der Hauptstadt. Bis heute führten die Tourneen Max Raabe und seine Kollegen nach Amerika, Russland, Israel, China und Japan. Vorort spielen sie dann gerne Musik im landestypischen Gewand. "Als Verneigung vor dem Publikum und dem Land", so Raabe. Ein bisschen Japanisch ist auch noch hängengeblieben.

Das war Japanisch [4 Sekunden]

Im Dezember 2005 waren Max Raabe und sein Orchester die Hochzeitskapelle des Schockrockers Marilyn Manson und der Burlesquetänzerin Dita Von Teese. "Wir waren neugierig und dachten 'Das nehmen wir mal mit'. Es sollte auch nur um eine zwanzigminütige Einlage gehen." Der kurzfristige Einfall der Braut, sie gesanglich an den Altar zu begleiten, ist nicht ganz aufgegangen.

Mit Ave Maria zum Altar [26 Sekunden]

Max Raabe [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Volles Haus bei unseren "Wintergästen" im Rangfoyer des Theaters am Goetheplatz. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Moderation: Alexander Brauer

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 20. Januar 2018, 11:05 Uhr

Genaue Adresse:
Theater Bremen, Rangfoyer
Goetheplatz 3-5
28203 Bremen

Veranstaltungstermin:
20. Januar 2018, 11:00 Uhr

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