Livestream

Bremen Zwei Veranstaltungen Live-Gäste

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Herbstgäste 2017

Ina Ruck

ARD-Auslandsjournalistin

4. November 2017, 11:00 Uhr | Café Farbwechsel im Horst-Janssen-Museum

Säßen sie in einer mongolischen Jurte, hätten sie sich zur Begrüßung ein Schnupftabakfläschchen gereicht: Katrin Krämer hat Ina Ruck als Herbstgast in Oldenburg begrüßt und die Journalistin, die 15 Jahre in Russland und zuletzt zwei Jahre in Amerika gelebt hat, erzählte lebhaft von Rodeo-Ausstattern, Trump-Wählern und Wodka, der manchmal Türen öffnet.

Ina Ruck und Katrin Krämer [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Ina Ruck und Katrin Krämer. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Gerade ist Ina Ruck von ihrem Korrespondentenposten in Washington zurückgekehrt und muss immerzu an das großartige Wetter dort denken. Einer ihrer Lieblingsplätze: Der gemütliche Sessel am Fenster mit Blick auf die zahlreichen Eichhörnchen.

Eichhörnchen gibt’s da so viele wie hier Spatzen, würde ich mal sagen. Man konnte am Fenster sitzen, rausschauen, und da war dann so ein – wir haben das immer Eichhörnchen-Autobahn genannt – ein oberirdisches Kabel und da rasten die Eichhörnchen hin und her.

Porträt Ina Ruck [3:36 Minuten]

Ein bisschen Zwietracht säen

Das Publikum im Cafe Farbwechsel [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Das Publikum im Cafe Farbwechsel. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Im letzten Präsidentschaftswahlkampf in Amerika wurde mit harten Bandagen gekämpft: Er war polarisierend, emotional und offenbarte eine tief gespaltene, amerikanische Gesellschaft. Inzwischen steht der Vorwurf im Raum, dass Russland die Wahl durch Propaganda beeinflusst haben könnte. Ina Ruck, die auch jahrelang aus Russland berichtet hat, glaubt, dass die Russen bei der Wahl "kräftig mitgemischt haben", aber auch, dass die Russen Trump nicht direkt unterstützt haben.

Die können den gar nicht so gut gebrauchen, weil der so unberechenbar ist. (…) Es geht immer nur darum, ein bisschen Zwietracht zu säen, ein bisschen zu destabilisieren und ein bisschen zu stören.

"Kein Satz mit mehr als vier Worten"

Ina Ruck hat in den letzten zwei Jahren mit vielen Menschen gesprochen, die US-Präsident Trump gewählt haben. Nachdem sie trostlose, amerikanische Geisterstädte gesehen hat, kann sie nachvollziehen, warum viele ihre Hoffnung in den Politik-Neuling gesetzt haben – und wie Trump es gelungen ist, diese Menschen anzusprechen.

Er spricht so wie die Menschen, die ihn wählen, sprechen. Das hat auch George W. Bush getan. Da gab’s die Regel "Kein Satz mit mehr als vier Worten". Ernsthaft! Das waren immer so Slogans, und das hat wunderbar funktioniert und funktioniert auch bei Trump.

Inzwischen rüttelt Trump an den Grundpfeilern der Demokratie, findet Ruck. Er hat versucht, die Presse bloßzustellen, aber das klappte nicht so richtig. Er dachte, er hätte das Parlament hinter sich, "die spuren aber auch nicht so richtig", sagt die Journalistin. Jetzt befürchten alle, dass er sich die Justiz vorknöpfen wird, so Ruck.

Ina Ruck war Herbstgast bei Bremen Zwei [3:33 Minuten]

Auch ein Wodka öffnet mal Türen

Ina Ruck [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Frisch zurück aus der politischen Hochburg Washington. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Aufgewachsen ist Ina Ruck in Unna. Der Vater hatte ein Gasthaus und handelte mit Vieh und Pferden. Bis eine Pferdehaarallergie sie zum Aufhören zwang, zog sie mit ihm über die Pferdemärkte, sah beim Handschlag zu, wenn ein Tier verkauft wurde und trainierte ihre Sattelfestigkeit. Weil es damals in Unna eines der größten Durchgangslager für Spätaussiedler gab, lernte Ina Ruck viele Kinder der russlanddeutschen Zuwanderer kennen, wählte Russisch als Fremdsprache, und später, nach Studium und Auslandsaufenthalten, berichtet sie viele Jahre für die ARD aus Moskau oder der Mongolei. Eine gewisse Trinkfestigkeit half der Journalistin dabei durchaus.

Man hat manchmal so Situationen, wo die Leute einem erst so richtig vertrauen, wenn man mit ihnen auch mal einen Wodka getrunken hat.

In Russland hat Ruck 15 Jahre ihres Lebens verbracht, hat viele enge Freunde dort und bezeichnet  das Land als ihre zweite Heimat. Aber auch in Amerika fühlt sie sich sehr wohl, schätzt dort die Herzlichkeit der Menschen und findet, dass die USA bei uns oft als zu oberflächlich verkannt werden.

Bevor Ina Ruck ihre Umzugskartons gepackt und nach Deutschland zurückgekehrt ist, ist sie noch einmal an viele interessante Orte in Amerika gereist. Als Herbstgast hat Ina Ruck die Bremen Zwei Zuhörer mit auf diese Reise genommen und erzählt von Speck in Schokolade und gekochten Erdnüssen, von russischen Autohändlern in Miami und Rodeo-Ausstattern in Wyoming.

Die ganze Sendung zum Anhören:
ARD-Korrespondentin Ina Ruck [46:27 Minuten]

Moderation: Katrin Krämer

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. November 2017, 11:05 Uhr

Genaue Adresse:
Café Farbwechsel im Horst-Janssen-Museum
Am Stadtmuseum 4-8
26121 Oldenburg

Veranstaltungstermin:
4. November 2017, 11:00 Uhr

Alle Herbstgäste 2017
Veranstaltungen