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Herbstgäste 2016

Florian Bartholomäi

Schauspieler

19. November 2016, 11:00 Uhr | Artcafé im Horst-Janssen-Museum

Florian Bartholomäi war unser Herbstgast im Artcafe in Oldenburg. Im Gespräch ging es natürlich um seine Rolle als mordender Taxifahrer im 1.000 Tatort und die Frage, ob es kreativer ist, den Bösen oder den Guten zu spielen.

Florian Bartholomäi [Quelle: Radio Bremen, Eva Mahlert]
Florian Bartholomäi zeigt Otmar Willi Weber eine Bewegung aus dem Wing Tai. [Quelle: Radio Bremen, Eva Mahlert]

Gerade mal 29 Jahre alt, hat er in zehn Jahren schon 50 Film- und TV-Rollen besetzt. Sieben (Film-)Leichen gehen auf sein Konto. Dabei ist er privat ein sanftmütiger Mensch. Der Schauspieler mit den grünen Augen steht gerne früh auf und hält sich mit der Kampfkunst Wing Tai fit.

Den roten Teppich braucht er nicht unbedingt, aber sich dort den Fotografen zu präsentieren, gehört zum Job dazu. Den Tatort hat er früher gemeinam mit seinen Eltern gesehen. Die Titelmelodie erzeugt bei ihm ein Gefühl von Spannung.

Die Sendung zum Anhören:
Schauspieler Florian Bartholomäi [30:36 Minuten]

Wenn man die Tatort-Titelmelodie verpasst hat, hat man was vom Tatort verpasst.

"Taxi nach Leipzig"

Im 1.000 Tatort "Taxi nach Leipzig" spielt er den Taxifahrer Reinald Klapproth, Soldat einer Elite-Einheit, ehemaliger Afghanistan-Veteran mit Nahkampf-Ausbildung, dessen große Liebe seinen ehemaligen, verhassten Vorgesetzten heiratet.

Florian Bartholomäi [Quelle: Radio Bremen, Eva Mahlert]
Voll war es: Herbstgäste 2016 mit Florian Bartholomäi [Quelle: Radio Bremen, Eva Mahlert]
Reinald ist für mich kein böser Mensch, auch wenn er Sachen macht, die vielen komisch erscheinen und dessen Berufsweg doch sehr speziell ist. Emotional ist er auf dem Stand eines 15-Jährigen. Er kann das nicht ausdrücken... Er vergisst sich selbst, er gibt sein Ego auf, obwohl er so ein Hasspaket dabei hat. Diese Einsamkeit, mit der er sich durch die Welt manövriert, wo er nicht wahrgenommen wird, wo er fertiggemacht wird. Das ist ein armer Hund.
Florian Bartholomäi [Quelle: Radio Bremen, Eva Mahlert]
Florian Bartholomäi [Quelle: Radio Bremen, Eva Mahlert]

Der Tatort hat ein Thema in die Wohnzimmer gebracht, das viele gerne verdrängen: Dass deutsche Soldaten in Afghanistan sind und dort Erlebnisse haben, die sie nachhaltig für ihr Leben prägen. Für seine Rolle des Taxifahrers hat sich Florian Bartholomäi intensiv mit der Bundeswehr und ihren Einsätzen beschäftigt. Und seine Einstellung dazu ein Stück weit geändert.

Wenn deutsche Staatsbürger in die Bredouille geraten oder als Geiseln genommen werden, dann ist man froh, wenn die Tür aufgeht und vier von solchen Leuten hereinkommen, die auf eine Wohlstandsgesellschaft verzichten, die sich nicht am Kaffee-Automat einen Capuccino holen und die auf die Anerkennung der Gesellschaft in großen Teilen verzichten.

Florian Bartholomäi war Herbstgast 2016 [3:27 Minuten]

Mit viel Körperlichkeit

Obwohl der Tatort hauptsächlich im Auto spielt und nicht viel Action zu sehen ist, hat er viel trainiert, damit man die Körperlichkeit merkt.

Die sitzt tief drinnen in ihm, und dann implodiert er vorne in seinem Taxi.

Nach einem 10-Stunden-Drehtag im Taxi musste er manchmal noch ein paar Mal um den Block laufen.

Wenn man sich so intensiv mit einer Rolle beschäftigt, dann nimmt man viel mit aufs Hotelzimmer. Ich habe nach dem Dreh lange gebraucht, wieder in eine Leichtigkeit zu kommen.

Die größte Herausforderung für einen Schauspieler sei allerdings die Komödie. Da müsse man gute Autoren haben und einen guten Regisseur, der sich auf das Timing versteht. Und man dürfe bei den Dreharbeiten wenig lachen.

Florian Bartholomäi [Quelle: Radio Bremen, Eva Mahlert]
Florian Bartholomäi: im Film hat er schon oft den Bösewicht gespielt, dabei ist er privat eher sanftmütig. [Quelle: Radio Bremen, Eva Mahlert]

Florian Bartholomäi – Ein Porträt

Ein halbes Dutzend Mal hat Florian Bartholomäi mittlerweile im Sonntag-Abend-Krimi den Bösen gegeben. "Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht böse aussehe – aber hinter meiner harmlosen Fassade etwas Gefährliches lauert", sagt der junge Darsteller. Aber er kann auch ganz anders: Zum Beispiel im Fantasy-Dreiteiler "Rubinrot", "Saphirblau", Smaragdgrün", der erfolgreich im Kino lief.

Mehrfach ausgezeichnet

Florian Bartholomäi hat während der Zeit am Gymnasiums in Frankfurt mit Statistenrollen an der Frankfurter Oper angefangen und wird dann 2003 für seine erste Hauptrolle in Mirko Borschts Spielfilm "Kombatsechszehn" entdeckt, unter anderem, weil er wie seine Filmfigur Kampfsport macht. Für seine nächste große Rolle in der Komödie "Reine Geschmackssache" mit Edgar Selge und Irm Hermann erhält er den Max-Ophüls-Preis als bester Nachwuchsschauspieler. Und 2009 wird Bartholomäi für seine anspruchsvolle Doppelrolle als Zwillingspaar Lukas und Lasse Hilversum im TV-Film "Bloch: Schattenkind" als bester Nebendarsteller mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Hessischen Fernsehpreis ausgezeichnet, ein Drama rund um das Thema Organspende.

Lob für's Bühnen-Debüt

Anfang 2016 erwirbt der erfolgreiche Darsteller großes Lob für sein Bühnendebüt als gewaltbereiter Dorian Gray nach dem Roman von Oscar Wilde im Kleinen Theater Berlin. Und die nächsten spannenden Projekte des 29-Jährigen, der seit einigen Jahren in Berlin lebt, lassen nicht mehr lange auf sich warten: Gerade steht Bartholomäi mit Sebastian Koch für den neuen Film von Film von Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck vor der Kamera.

Porträt Florian Bartholomäi [3:39 Minuten]

Moderation: Otmar Willi Weber

Herbstgäste 2016

5. November 2016, 11 Uhr: Dieter Hallervorden, Schauspieler, Komödiant
12. November 2016, 11 Uhr: Katja Lange-Müller, Schriftstellerin
19. November 2016, 11 Uhr: Florian Bartholomäi, Schauspieler

Der Eintritt ist frei. Für Frühstücks-Reservierungen wenden Sie sich bitte direkt an das Artcafé.

Genaue Adresse:
Artcafé im Horst-Janssen-Museum
Am Stadtmuseum 4-8
26121 Oldenburg

Veranstaltungstermin:
19. November 2016, 11:00 Uhr

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