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Sommergäste 2017

Dietmar Wischmeyer

Satiriker

9. September 2017, 11:00 Uhr | Theater Bremen - Rangfoyer

Ohne ihn würde sich die heutige Radio-Comedy ganz anders anhören: Der Satiriker Dietmar Wischmeyer nahm auf der Sommergäste-Bühne Platz, in der Tasche sein neuestes Buch "Vorspeisen zum jüngsten Gericht".

Dietmar Wischmeyer und Alexander Brauer [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Da gab es ordentlich was zu lachen: Dietmar Wischmeyer war unser vierter und für 2017 letzter Sommergast. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Das ganze Gespräch zum Anhören:
Satiriker Dietmar Wischmeyer [46:26 Minuten]

Er ist ein Radiopionier, der bereits Radiocomedy machte bevor andere wussten was das eigentlich ist. Ungefähr so wurde Dietmar Wischmeyer in der Laudatio 2014 gelobt als er den Radiopreis für die beste Comedy erhielt. Mit seinen Alter Egos "Günther, der Treckerfahrer" oder "Der kleine Tierfreund" hat der 60-Jährige längst Kultstatus erreicht – und in seinen Jahren in der "Humorwirtschaft" kein bisschen an Biss verloren.

Dietmar Wischmeyer war unser Sommergast [3:06 Minuten]

Wohin mit dem Grünschnitt?

Mit seiner Frau und den vier Hunden lebt der Wischmeyer ganz beschaulich in einem Forsthaus im Naturschutzgebiet im Landkreis Schaumburg. Über 6.500 Quadratmeter sattes Grün um ihn herum. Was macht man nur damit, fragt sich Moderator Alexander Brauer. Wischmeyers knappe Antwort: "Mähen".

Dietmar Wischmeyer auf der Bühne [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Dietmar Wischmeyer würde lieber Gülletanks säubern als Unterhaltungschef beim Privatradio zu werden. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

An einem normalen Samstag würde der Satiriker um kurz nach 11 Uhr zum Naturkostladen im Ort schlendern. Ein Frühaufsteher sei er nicht, "aber ich stehe früh auf". An diesem Sonnabend aber setzte sich der Radiomann in sein Auto und fuhr ungefähr eineinhalb – gefühlte zwei – Stunden Richtung Bremen. Auf der Autobahn beobachte er ein seltsames Phänomen: Eine Horde von Menschen fährt mit Anhängern Grünschnitt irgendwo hin.

Grünschnitt auf der Autobahn [28 Sekunden]

Schreibinspiration

Ab Oktober 2017 ist Dietmar Wischmeyer mit seinem neuen Buch "Vorspeisen zum jüngsten Gericht" auf Lesereise. Wenn er seine Texte schreibt muss das Bauchgefühl stimmen. Im Fall des Radiomachers heißt das – die Nusszufuhr muss stimmen:

"Friss Nüsse!" [39 Sekunden]

Dietmar Wischmeyer [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
2014 erhielt er den Radiopreis für die beste Comedy: Dietmar Wischmeyer. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Eigentlich müsse er sich mehr Notizen machen, sagt Wischmeyer. Auf seinem Schreibtisch herrsche aber sowieso schon Chaos. Das sei auch völlig in Ordnung. Anstatt viele Notizen zu schreiben, speichere er Situationen lieber im Kopf ab. Anders ausgedrückt:

Ich rede mir meine Faulheit so schön, dass ich sage: "Ein weiterer Meilenstein um die Demenz zu vermeiden, ist etwas im Kopf zu behalten!"

Viellicht helfen ja auch Hasskommentare auf Facebook, um sich inspirieren zu lassen? "Das wäre eher eine Motivation, um mein Gewehr zu putzen und nach draußen zu gehen", sagt Wischmeyer. Mit diesen "Idioten" setze er sich nicht auseinander.

Endlager Internet [23 Sekunden]

Der eigene Sprachkosmos

Viele kennen ihn in seinen Rollen als "Günther, der Treckerfahrer", "Der kleine Tierfreund" oder als Teil der "Arschkrampen". Alles was er unter seinem richtigen Namen veröffentliche zeige den wahren Wischmeyer. Den gab es auch auf der Bühne des Bremer Theaters zu sehen und zu hören. Es sei aber schön, sich in den verschiedenen Rollen auszuleben und sich in deren Denkweisen hinein zu versetzen.  

"Günther, der Treckerfahrer" mimt er bereits seit 1989. Er funktioniert noch heute. Das habe zwei Gründe, so Wischmeyer: Günther ist ein Mann aus dem Volk, der sagt was die meisten denken, aber nicht sagen würden. Außerdem sei das Material für Günthers-Satire immer neu:

So lange es Menschen wie Erdogan, wie Kim Jong-un gibt, geht einem der Stoff nicht aus. Aber auch ohne die – es reicht manchmal auch Merkel.

Günthers Geheimnis [50 Sekunden]

Das Publikum [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Auch beim vierten Sommergast blieb kaum ein Platz unbesetzt. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Seine Sätze und Pointen zu formulieren sei wirklich Arbeit, verrät der Humorarbeiter. Häufig sind wahre Wortschöpfungen dabei – beispielsweise „Großhirnnutzungsverweigerer“ oder „Evolutionsverweigerer“. An diesen feile er manchmal ewig. Oft wundere er sich auch wie schnell sie in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen. Jede Rolle, die Dietmar Wischmeyer je erfunden hat, hat seinen eigenen Sprachkosmos. „Frühstyx“-Fans aus Aachen haben schon ein Lexikon mit über 200 Wörtern der „Arschkrampen“ zusammengestellt.

Im Kern ist der Satiriker ein Radiomensch durch und durch. Trotzdem fiel ihm der Schritt zum Fernsehen – speziell zur „heute-show“ – nicht schwer. Die, so sagt Wischmeyer, würde nämlich genauso im Radio funktionieren.

Leben wie 1930

Aufgewachsen ist der Niedersachse in den 1960er Jahren in Oberholsten, in der Nähe von Osnabrück. "Es hätten aber auch die 1930er sein können."

Leben wie 1930 [30 Sekunden]

Im Hause Wischmeyer wurde viel gelacht. Am liebsten übereinander. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb mussten die Kinder natürlich mit anpacken. Der kleine Dietmar hat es gehasst. Das wichtigste Statussymbol: der Trecker. Die Familie habe nur eine Mittelklasse besessen. Die Liebe für Trecker wurde bei Dietmar Wischmeyer trotzdem entfacht und geht soweit, dass er die Landfahrzeuge sammelt. In seinem Forsthaus habe er aber wenig platzt. Daher wurde von sieben auf vier Trecker "abgerüstet".

Die Geburt des "Kleinen Tierfreund"

Dietmar Wischmeyer gibt signiert Bücher [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Nach der Sendung gab es noch Zeit für persönliche Widmungen. [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

1976 verschlug es Wischmeyer zum Philosophie- und Literaturstudium nach Bielefeld. Die Stadt war ihm dabei ziemlich egal. Eine neugegründete Universität sollte es aber sein. Da es nicht so viele Kommilitonen wie zum Beispiel in Tübingen gab, konnte man sich ausprobieren. Auch in Hörfunk- und Fernsehstudios. In eben diesen Studios entwickelte Dietmar Wischmeyer die Idee für den „Kleinen Tierfreund“. Die erste Folge "Flache Freunde auf der Autobahn" schickte er nur an einen Sender. Aber dass er dann wirklich im Radio zu hören war, verdankt Wischmeyer der Putzfrau des Funkhauses.

Wie der Tierfreund ins Radio kam [58 Sekunden]

Dietmar Wischmeyer und Alexander Brauer [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]
Dietmar Wischmeyer und Alexander Brauer [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Bredehöft]

Moderation: Alexander Brauer

Dietmar Wischmeyer im Porträt [3:23 Minuten]

Alle Sommergäste 2017

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 9. September 2017, 11:05 Uhr

Genaue Adresse:
Theater Bremen - Rangfoyer
Goetheplatz 3-5
28203 Bremen

Veranstaltungstermin:
9. September 2017, 11:00 Uhr

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